"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Ein leeres Blatt

„Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!“ Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Hallo Hofhelden,

auf Instagram stolperte ich über einen Post vom Bauernverband Schleswig-Holstein. Zu sehen ist der bekannte Mitorganisator von Land schafft Verbindung, Thomas Andresen. Sein Zitat „Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!“ in Kombination mit der Bilduntschrift veranlasste mich, heute diesen Beitrag an Euch zu schreiben.

 

Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an

 

Leeres Blatt Thomas Andresen nimmt kein Blatt vor den Mund: Er fragt: Was wollen wir? Weiter so, wie bisher? Oder eine Agrarwende? Die Zukunftskommission der Kanzlerin kann man als „schwarzen Peter“ oder als Joker sehen, meint der Mitorganisator von „Land schafft Verbindung“ aus dem hohen Norden. Es kann die Chance sein, auf einem weißen Blatt Papier eine Landwirtschaft zu entwerfen, wie wir sie uns vorstellen. Andresen fragt: Würden wir auf ein leeres Blatt Papier die heutige Landwirtschaft zeichnen? „Im Leben nicht“, ist der Milchviehhalter überzeugt. „Dafür gehen wir doch gerade nicht auf die Straße, um das zu behalten, was wir haben.“ Die Landwirtschaft müsse vor die Welle der Kritiker kommen. Die Zukunftskommission sei die Chance, die Gesellschaft, auch die Kritiker, mitzunehmen, ihnen auch das Wasser abzugraben und damit besser dazustehen als vorher, auch finanziell. „Wir sind so weit gekommen, wir haben in den nächsten Monaten die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden, wenn wir es richtig anstellen“, macht er Mut. „Wenn wir alle Bauern bleiben wollen, dann müssen wir was ändern!“ Wer fängt an, das leere Blatt zu füllen? Macht Vorschläge!

Ein Beitrag geteilt von Bauern.SH (@bauern.sh) am

Wie ich mir also die Gegenwart und auch Teile der Zukunft für eine better version of Deutschland grob vorstelle, das könnt ihr heute lesen. Seht mir nach, dass manche Gedanken möglicherweise nicht zu Ende gedacht sind und vieles Fantasie bleiben wird.

Legen wir los! Ich zeige euch das Bild in meinem Kopf. In Textform, denn malen kann Nikolitsch leider nicht. Grundsätzlich finde ich es nicht ausreichend zu sagen: „wir müssen die Landwirtschaft neu erfinden“. Meiner Meinung nach müssen unsere Lebensmittelwertschöpfungskette, sowie der Umgang mit Lebensmitteln, Reststoffen und Abfällen komplett überdacht und reformiert werden. Ich stelle mir einen Kreislauf zwischen Konsument und Natur vor. Wie eine Kupplung, die Motor und Getriebe verbindet stellt Landwirtschaft in diesem System dann das Bindeglied zwischen Natur und Mensch dar.

In der Stadt

Jeder verfügbare Platz wird genutzt. Aquaponik-Container an Straßenkreuzungen, Gemüsegärten auf Flachdächern oder Gewächshäuser in leerstehenden Industriekomplexen. Sämtliche organischen Abfälle werden zentral gesammelt, kompostiert und wieder in den Kreislauf gebracht. Siedlungsabfälle in Form von Klärschlamm werden aufbereitet und nicht einfach in der Industrie verbrannt. Hier könnten Biogasanlagen sicher einen Teil der Aufbereitung übernehmen und aus Siedlungsabfällen hochwertige Dünger sowie Energie herstellen.

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Aquaponik-Systeme verbindet die Aquakultur, also die Aufzucht von zum Beispiel Fischen, mit der Hydroponik, also dem Kultivieren von Pflanzen in Wasser. Foto: Imago

Der Lebensmitteleinzelhandel in den Städten ist für mich wegzudenken. Ich stelle mir große zentrale Lagerhäuser am Stadtrand vor, in denen per App Lebensmittel bestellt und dann per Lieferdienst (das könnten z.B auch kleine Drohnen sein) an den Endkunden verteilt werden. Wenig Verluste, wenig Verkehr in der Stadt, geringer Zeit- und Energieaufwand seitens der Verbraucher. Die Organisation der Lebensmittelverteilung bildet einen neuen Betriebszweig für Landwirte. So können sie ihre Wertschöpfung erhöhen.

Digitalisierung ermöglicht Zusammenarbeit

Gehen wir auf die landwirtschaftlichen Betriebe. Investitionskosten in Digitalisierung und der Effizienzgedanke führen in meinem Bild dazu, dass es vermehrt Großbetriebsstrukturen gibt. Effizient und digitalisiert bis ins letzte Detail produzieren sie Lebensmittel für die breite Masse der Bevölkerung. Kleinere, familiäre Betriebe arbeiten hierzu hauptsächlich in Gemeinschaften oder Maschinenringen.

Sie legen also finanzielle und maschinelle Betriebsaspekte zusammen, während jeder Landwirt selbst operativ für seine Flächen und seine Stallungen verantwortlich ist. Die Landwirte organisieren sich hier untereinander und tauschen Flächen und Maschinen laufend untereinander. Die Digitalisierung bietet zur Organisation solcher Betriebs- und Datennetze genügend Lösungen und unterstützt die Landwirte dabei, weniger Zeit im Büro verbringen zu müssen.

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Durch die Digitalisierung muss der Landwirt weniger Zeit im Büro verbringen. Foto: Imago

In wirtschaftlichen oder geographischen Nischen halten sich kleine Familienbetriebe, die Güter mit besonderen Qualitätsmerkmalen produzieren und vermarkten. Das kann ein besonderer Schinken oder besonders sorgfältig geschnitzte Möbel sein. Landschaftspflege und Erhalt der Kulturlandschaft fallen ebenfalls in das Arbeitsgebiet der kleinen, wenig digitalisierten Betriebe. Jeder soll seinen Platz in der Landschaft bekommen.

Dünger und Pflanzenschutz

Es gibt Ackerbauern, viehhaltende Betriebe und Biogasanlagen zur Aufbereitung der sehr wertvollen organischen Dünger. Die Betriebsformen sind im Land so verteilt, dass die Grunddüngung überall durch aufbereitete organische Dünger geleistet werden kann und durch Mineraldünger ergänzt wird. Durch verteilte Viehhaltung sowie Biogasanlagen können potentiell alle Flächen auch zur Futtergewinnung genutzt werden.

Die Chance für weite Fruchtfolgen und intensiven Zwischenfruchtanbau wird umfassend genutzt und hat Humusaufbau und Co2 Speicherung zur Folge. Die gesunden Böden bringen widerstandsfähige Pflanzen hervor, die weniger Unterstützung durch Pflanzenschutz benötigen.

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Biogasanlagen stellen wertvollen, organischen Dünger zur Verfügung. Foto: Imago

Chemie ist erlaubt, aber nur als letztes Mittel, wenn Bodenbearbeitung, Hacke oder Pheromonfalle gegen eine Unkraut- oder Schaderregerpopulation wirkungslos bleiben und die Qualität der Erzeugnisse gefährdet ist. Gewässerschutzstreifen sowie Biotope muss es geben. Jedoch werden sie an dafür sinnvollen Stellen angelegt und nicht nach Quote auf der Landkarte verteilt.

In meiner Vorstellung gibt es regionale, standortgerechte Gesetze was Pflanzenschutz und Düngung anbelangt. Unter bestimmten Bedingungen, beispielsweise zur Direktsaat auf sandigen Standorten oder zur Bekämpfung einer invasiven Unkrautpopulation ist auch ein Mehreinsatz an Pflanzenschutzmitteln erlaubt. Generell werden Vorteile gegen Nachteile abgewogen es gibt regionale Gremien, die die umliegenden Flächen kennen und situationsbedingt Entscheidungen treffen.

Forschung, Entwicklung und Beratung

Wissenschaft sowie Landtechnikhersteller arbeiten intensiv mit dem Landwirt zusammen. Gemeinsam steht die Aufgabe im Vordergrund für jeden Standort die richtige Technik und Anbaustrategie auszuarbeiten und mit den Landwirten umzusetzen. Rückmeldungen aus der Praxis verbessern jede Maschine bis ins letzte Detail (sodass die Schlepper auch endlich mal ihren Preis wert sind).

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Wissenschaft und Landwirtschaft arbeiten zusammen. Foto: Imago

Von Universitäten geführte Sitzungen und Schulungen stellen sicher, dass Verständnis für Neuerungen bei den Landwirten ankommt und sie up-to-date bleiben. Neue Erkenntnisse aus der Forschung werden just-in-time mit jedem Landwirt geteilt und jeder hat die Möglichkeit seine Fragen aus der Praxis unkompliziert an einen Wissenschaftler zu richten. Alle arbeiten auf Augenhöhe miteinander.

Die Rolle des Staates

Vater Staat sorgt dafür, dass keine externen Investoren aus anderen Branchen landwirtschaftliche Güter oder Produktionsmittel als Spekulationsobjekte nutzen können. Auch die Kennzeichnung von Lebensmitteln verschiedener Herkunft und Produktionsweise liegt beim Staat.

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Die Kennzeichnung der Lebensmittel liegt beim Staat. Foto: Imago

Natürlich obliegt dem Staat auch die Rolle des Kontrolleurs. Durch die Digitalisierung ist der administrative und finanzielle Aufwand hierfür stark reduziert. Agrarsubventionen als Ausgleich für günstige Lebensmittelpreise fließen somit auf die Betriebe und nicht in die Verwaltungsorgane.

Reicht jetzt auch

Meine Vision bedeutet zusammengefasst, dass wir mehr Ressourcen, die bisher nur entsorgt wurden, in den natürlichen Kreislauf zurückführen. Und die gesamte Gesellschaft etwas optimieren. Weg vom Einzelkämpfer – mehr hin zu gemeinschaftlichen Handlungen zwischen Kleinbauern, um gemeinsame Synergieeffekte zu nutzen und z.B. weitere Fruchtfolgen umsetzen zu können.

"Wir haben die Chance, Landwirtschaft neu zu erfinden!". Unter diesem Motto beschreibt Niko, wie er sich die Landwirtschaft in Deutschland vorstellt. Wie seine Vision aussieht, liest Du hier.

Kleinbauern sollen mehr zusammenarbeiten. Foto: Imago

Der Gesetzgeber erlässt keine strikten Regelungen, die regional nicht sinnvoll sein können, sondern schafft spezifische Handlungsspielräume in der Umsetzung der neuen gesetzlichen Vorschriften, welche immer durch ein Zusammenwirken aus Wissenschaft und Praxis entspringen.

Mitmachen!

Ich würde mich freuen, wenn der ein oder andere Lust dazu hat meine Vorstellungen zu diskutieren oder selber ein „Bild zu malen“. Wir sind ne tolle Community und sollten alle mal unsere Vorstellungen auf ein weißes Blatt bringen!

Jede Meinung zählt. Jede Idee kann etwas bewegen! Macht mit!

Euer Niko

Instagram-LogoFolge uns auch auf Instagram und werde Teil der Hofheld-Community!

Schreibe einen Kommentar