Ein Land aus Feuer und Eis

Nein, hier geht’s nicht um Game of Thrones, sondern um Island. Die Insel wird von Vulkanen, Gletschern, Lavawüsten und grünen Weiden regiert. Eine besondere Herausforderung für die einheimischen Landwirte.

Ein Beitrag von Maren Diersing-Espenhorst, dlz agrarmagazin

Ein Beitrag von Maren Diersing-Espenhorst, dlz agrarmagazin

Auf der gesamten Insel gibt es gut 3.200 landwirtschaftliche Betriebe, auf denen rund 4.800 Menschen beschäftigt sind – das sind etwa 2,2 Prozent der isländischen Bevölkerung. Nutztiere werden auf knapp 20 Prozent des Lands gehalten und nur etwa 1 Prozent dient dem Ackerbau.

Schafe haben Vorfahrt! Immer! Egal ob auf der Ringstraße, die um Island führt, oder auf den Schotterpisten im Hochland. Und Schafe gibt es auf der nordischen Insel wirklich Unmengen. Etwa 1.900 isländische Landwirte halten 475.000 Mutterschafe. Jährlich erzeugen sie gut 9.900 t Fleisch, 600 t Wolle und circa 600.000 Felle.

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Foto: Diersing-Espenhorst

Außerdem gibt es auf der nordeuropäischen Insel knapp 80.000 Pferde. Da kann es schon passieren, dass diese einem mitten auf der Fahrbahn begenen.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Dabei werden nur die Tiere mit dem besten Charakter zum Reiten genutzt oder exportiert. Die restlichen Tiere dienen der Fleischerzeugung. Jährlich erzeugt Island 600 t Pferdefleisch.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Darüber hinaus werden auf Island circa 26.000 Milchkühe und 47.000 weitere Rinder gehalten. Die Rasse der Island-Rinder sind sehr farbenfroh: Manche sehen aus wie rotbunte Holsteins, andere wie schwarzbunte Holsteins und ein Großteil hat ein Tigermuster in unterschiedlichsten Schattierungen und Farbabstufungen. Sie sind im Großen und Ganzen kleiner als Holsteins und konnten sich unabhängig von anderen Rassen entwickeln, da der Import von lebenden Tieren, Sperma oder Embryonen verboten ist. Hierdurch soll das Einschleppen von Tierseuchen verhindert werden. Um ein Verschleppen von Krankheiten zu vermeiden, ist sogar der Transport von lebenden Tieren zwischen den unterschiedlichen Inselregionen untersagt.

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Foto: Diersing-Espenhorst

Auf der ganzen Insel sieht man Ballensilage. Die Ernteperiode ist kurz und da muss das Einbringen schnell gehen. Eine Silierkette ist vielen Landwirten zu teuer und Lohnunternehmer gibt es kaum. Deshalb haben die meisten Tierhalter eine Ballenpresse und erledigen die Ernte selbst.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Neben der Tierhaltung ist der Fischfang ein wichtiger Wirtschaftszweig auf Island. Die Fischfanggründe des Lands belaufen sich auf eine Fläche von 760.000 km2. Insgesamt fing die isländische Hochseeflotte im Jahr 2015 1,32 Mio. t Fisch. Zudem erzeugen 50 Fischfarmen Lachs, Saibling, Regenbogenforellen und Kabeljau. Sie produzieren etwa 6.200 t Fisch im Jahr. Fischprodukte machen etwa 76 Prozent der isländischen Exporte aus.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Ein Teil des Fischs wird nach dem Fang auf solchen Gestellen getrocknet.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Schwieriger als der Fischfang gestaltet sich auf Island der Ackerbau. Die 80 isländischen Anbauer ernten etwa 8.000 t Kartoffeln im Jahr. Daneben werden inzwischen auch Gerste und Roggen angebaut. Die Ernte schwankt dabei zwischen 10.000 und 15.000 t Getreide pro Jahr. Die Körner werden vor allem als Tierfutter und das Stroh als Einstreu genutzt.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Obst und Gemüse wird in Gewächshäusern angebaut. Angebaut werden hier vor allem Paprika, Tomaten und Gurken. Seit drei Jahren gibt es aber auch Gewächshäuser mit Erdbeeren.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Beheizt werden die Gewächshäuser oft mit dem bis zu 100°C heißem Wasser der heißen Quellen.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Neben den heißen Quellen sind auch die Vulkane typisch für die Insel. Wegen ihnen ist nicht nur ein großer Teil der Landesfläche von Lavawüsten bedeckt, die nicht landwirtschaftlich nutzbar sind, sondern sie sind auch der Grund, warum die isländischen Tierhalter einen größeren Futtervorrat haben müssen: Bricht ein Vulkan aus, ist der Grasaufwuchs aufgrund der Asche nicht mehr nutzbar und eine Ernte erst wieder im folgenden Jahr möglich.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Die Hauptinsel ist die größte Vulkaninsel der Welt. Auf Island gibt es gut 130 Vulkane, von denen 30 potenziell aktiv sein sollen. Die Insel liegt auf dem mittelatlantischen Rücken und damit sowohl auf der nordamerikanischen als auch auf der eurasischen Kontinentalplatte. Diese beiden Platten entfernen sich jährlich etwa 2 cm voneinander, was an einigen Stellen auf der Insel anhand von Gräben deutlich erkennbar ist.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Ein weitere Teil der Landesoberfläche ist von Gletschern bedeckt. Der Vatnajökull ist mit 8.100 km2 nicht nur der größte Gletscher Islands, sondern auch der Gletscher mit dem größten Eisvolumen in Europa. Seine Eiskappe ist stellenweise bis zu 1 km dick.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Mit solchen Gegebenheiten ist es nicht immer einfach, auf der Insel voran zu kommen.

Kein Wunder, dass die Einheimischen dabei auf solche Gefährte vertrauen.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Gewöhnungsbedürftig sind außerdem die Lichtverhältnisse. Die Uhr zeigt keinesfalls kurz vor zwölf Mittags, sondern vielmehr 23.55 Uhr an.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Trotzdem lieben die Isländer ihre Insel, wie die Bewohner der Stadt Akureyri besonders originell zum Ausdruck bringen.

Foto: Diersing-Espenhorst

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Du magst noch mehr erfahren? Kein Problem! Mehr über Island und seine Schaf-, Pferde- und Milchviehhaltung gibt’s in der Dezemberausgabe des dlz agrarmagazins und von dlz primus Rind.

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