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Dürre: Reicht mein Futter?

Aufgrund der Trockenheit könnte es in diesem Jahr an einigen Orten knapp beim Grobfutter werden. Daher ist es wichtig, im Vorfeld seinen Futtervorrat und den Bedarf zu kalkulieren. Prof. Dr. Olaf Steinhöfel gibt Tipps.

Von Prof. Dr. Olaf Steinhöfel Sächsisches Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie

Wiederkäuer benötigen strukturwirksame Futtermittel. Das ist nichts Neues. Es könnte jedoch in den kommenden Monaten für einige Betriebe eng werden, wenn aufgrund der Trockenheit die eigenen Grobfuttererträge sinken. Muss strukturwirksame Rohfaser möglicherweise zugekauft oder der Tierbestand gar an die vorhandenen Futtervorräte angepasst werden? Diese Fragen gilt es im Vorfeld genau zu klären.

Für eine höhere Gesamttrockenmasse und höherer Anteil an strukturwirksamer Rohfaser könnte es bei der kommenden Silomaisernte sinnvoll sein, tiefer zu schneiden. Quelle: Struck

Grobfutter kalkulieren

Für eine betriebsinterne Bilanz gilt es, zuerst den vorhandenen Futtervorrat genau einzuschätzen und zu bewerten. Zur Kalkulation nutzt man die Raumgewichte der Grobfutter. Der nächste Schritt ist, die zu erwartende Tierleistung zu berechnen. Welche Rohfaserdichte im Grobfutter vorhanden sein muss, hängt von der Leistung der Herde ab. Dabei gilt es, die vorhandenen Grobfutter- mittel so zu kombinieren, dass der Rohfasergehalt im Durchschnitt der zu erwartenden Leistung entspricht. Gelingt dies nicht, muss man die Leistungserwartung senken. Hierbei spielt weniger die Menge an verfügbarem Grobfutter eine Rolle, sondern die notwendige Qualität. Muss beispielsweise mehr Stroh in die Ration, verringert sich die Leistungsgrenze der Grobfutterration. Um einzuschätzen, wie lange das Grobfutter reicht, kann man sich an Faustzahlen orientieren. Eine Großvieheinheit (GV = 500 kg Körpermasse) benötigt täglich rund 2,6 kg Rohfaser. Dabei sind normale Futterverluste berücksichtigt.

Somit ergibt sich der Bedarf an Grobfutter für die Herde aus folgender Formel:

Mais tiefer schneiden

Bei dieser Rechnung ist zu berücksichtigen, dass es bei der kommenden Silomaisernte sinnvoll sein könnte, tiefer zu schneiden. Damit lässt sich die Gesamttrockenmasse und darüber hinaus der Anteil an strukturwirksamer Rohfaser erhöhen.

Dies wird jedoch dazu führen, dass der energetische Futterwert unter dem Normalwert liegt. Um die optimale Schnitthöhe zu bestimmen, schneidet man vor der Ernte Einzelpflanzen mit einer Schnitthöhe von 10 cm und lässt den Futterwert im Labor errechnen.

Das Optimum ergibt sich über folgende Gleichung:

Nebenprodukte zukaufen

Auch Nebenprodukte könnten dieses Jahr wieder knapp werden. Tritt eine ähnliche Situation wie in den letzten Dürrejahren ein, sind Preissteigerungen von 2 bis 3 Euro je Dezitonne bei den wichtigsten Grob-, Einzel- oder Mischfuttermitteln zu erwarten. Daher sollte man auch über den Zukauf von Nebenprodukten nachdenken. Vor allem Pressschnitzel, Biertreber, Pressschlempen oder -pülpen oder aber Obsttrester sind hier interessant.

Auch über den Zukauf von Nebenprodukten wie Biertreber sollte man nachdenken. Quelle: Diersing-Espenhorst

Panik ist dabei jedoch nicht angesagt. Das heißt, man sollte nicht jeden Preis bezahlen, sondern die aktuelle Preiswürdigkeit berücksichtigen. Denn die hohen Preissteigerungen bei Nebenprodukten sind teilweise unbegründet. Eine Orientierungsgröße sind die Nährstoffpreise. Der Substitutionswert für 10 MJ NEL liegt zwischen 0,14 und 0,15 Euro.

Fazit

Um einzuschätzen, ob die Futtervorräte in diesem Jahr ausreichen, gilt es zuerst, die Raumgewichte der Grobfuttermittel und die zu erwartende Leistung zu kalkulieren. Um das Futterangebot zu verbessern, kann es lohnend sein, den Mais tiefer zu schneiden und Nebenprodukte zuzukaufen.

Weitere spannende Artikel zu Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

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Aufmacherbild: Anneke Struck

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