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Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

So produziert ein Junglandwirt Dünger für Hobbygärtner

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Originalbeitrag von Christian Dany für agrarheute.

Neben allerlei Werkzeugen steht ein Traktor in einer riesigen neuen Maschinenhalle, daneben lagert Getreide. Auf den ersten Blick ist es eine ganz normale Halle, aber weit gefehlt – denn hier verbergen sich mehrere Innovationen: eine Gärrestetrocknung und eine Düngerproduktion für Hobbygärtner und Gartenbaubetriebe von Junglandwirt Johann Falter. Vor allem die Düngerherstellung fand Anerkennung beim CeresAward 2019: In der Kategorie „Agrarmanager“ schaffte er es unter die drei Finalisten.

Der zukunftsorientierte Agrarmanager hat aber noch eine weitere Innovation, die bereits von außen erkennbar ist: die dachintegrierte Photovoltaikanlage. Die Rückseite der Module wird von Luft umströmt, die so vorgewärmt und zur Versorgung einer Heutrocknungsanlage abgesaugt wird. „Über eine Umschaltklappe kann die Luft auch dem Gärresttrockner zugeführt werden“, erklärt Johann Falter, während er die Trocknungsanlage in der Halle betrachtet. Der Gärrestetrockner sauge ansonsten kalte Luft von außen an. Er laufe durchgehend und trockne im Schnitt 5 m³ flüssigen Gärrest pro Tag. Von den rund 7.000 m³ Gärrest im Jahr werde also mehr als ein Viertel aufbereitet. Die tägliche Menge richte sich nach der Wärmeverfügbarkeit der Biogasanlage.

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Die Pelletsanlage hat Johann Falter usammen mit seinem Vater entwickelt. Foto: Josef Koch

Nach einer Erweiterung für die Flexibilisierung hat die Anlage 850 kWel installierte Leistung. Die Bemessungsleistung der zehn Jahre alten Anlage liegt bei 287 kWel. Im Winter ist der Wärmebedarf ­wesentlich höher, weil prioritär drei Wohnhäuser geheizt werden müssen und die Gärresttrocknung durch die kältere Ansaugluft mehr Wärme benötigt. ­Deshalb wird die Biogasanlage wärmegeführt betrieben. Der Gärrest kommt mit circa 10 Prozent Trockensubstanzgehalt, also mit 90 Prozent Wasser in den Trockner. Das Material wird dann bis auf etwa 15 Prozent Wassergehalt heruntergetrocknet.

Die Trocknungsanlage arbeitet mit einem Rückmischverfahren. In der Trocknungswanne befinden sich zwei liegende Rührwerke, die sich langsam gegenläufig drehen (2 bis 4 U/min) und den Gärrest permanent durchmischen. Wenn das Material den eingestellten Trocknungsgrad erreicht hat, wird ein Drittel ausgetragen. Durch stetiges Mischen, bei Zugabe von kleinen Mengen frischem Trockengut, entsteht eine homogene Masse. Das Trocknungsverfahren ist somit kontinuierlich, der Materialaustrag geschieht jedoch diskontinuierlich.

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Auf einer neu gebauten Halle isntallierte der 28-Jährige die dachintegrierte Photovoltaikanlage. Foto: Timo Jaworr

Eine Staubfilteranlage oberhalb der Trocknungswanne reinigt die Abluft. Der Staub bleibt an Filterschläuchen hängen und bildet dort einen Filterkuchen. In gewissen Abständen werden die Filterschläuche automatisch abgerüttelt. Dabei fällt der Filterkuchen zurück in die Trocknungswanne.

GmbH für die Düngerproduktion

Bei der Wahl der Trocknungstechnik legte der 28-Jährige Wert auf eine hohe Energieeffizienz und wenig Wartungsaufwand. Pro eingesetzter Kilowattstunde Wärme verdampft die Anlage 1 bis 1,4 l Wasser. Die Wärmenutzung des Gärrestetrockners wird gemäß EEG 2009 mit dem KWK-Bonus gefördert. Außerdem erhält Falter den Güllebonus, denn er setzt über 30 Prozent zugekauften Rindermist ein. Sein eigener Betrieb ist viehlos.

Für die Düngerproduktion hat er die Falter Naturdüngerhandel GmbH gegründet. „Das getrocknete Material wird gesiebt und dann zu Granulat oder Pellets weiterverarbeitet“, schildert er. Die Pellets gebe es mit 4 und 6 mm Durchmesser. „Das Granulieren funktioniert gut wegen des hohen Rohfasergehalts im Gärrest“, so der Ökoland- und Energiewirt. Ansonsten hält er sich über die Herstellungsprozesse bedeckt: „Betriebsgeheimnis.“

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Um den selbst produzierten Dünger zu verkaufen, hat Falter die Naturdüngerhandel GmbH gegründet. Foto: Timo Jaworr

„Unser Dünger ist für Hobbygärtner geeignet, aber auch für Gartenbaubetriebe, im Obst- und Weinbau und natürlich ist er für den ökologischen Landbau zugelassen“, sagt Falter. Acht verschiedene Produkte stellt die Naturdünger GmbH her. Zum Teil wird der Dünger mit Schafwolle versehen. Auch reine Schafwollpellets bietet er an. Die Wolle bezieht er von Schäfern aus der Region. Der fertige Dünger wird in Papiertüten in Größen von 1 bis 20 kg abgefüllt.

Falter macht auch ein „Private Labeling“ für Großhändler oder Endverkäufer im Düngemittelbereich. Sie beziehen Dünger bei ihm, verkaufen ihn aber unter ihrer Eigenmarke. Großhändler, die wiederum Unternehmen wie Gala-Bau-Betriebe, Bau- und Gartenmärkte beliefern, sind für Falter ein starker Vertriebszweig. An einige Hofläden, Supermärkte und Gartencenter in der Umgebung liefert Falter direkt. Die Aufträge werden überwiegend online über seine Webseite www.falter-naturduenger.de abgewickelt. Der Start-up-Unternehmer bedient sich dabei der Plattformen Ebay und Amazon.

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Beim Naturdünger muss Falter als Hersteller die Inhaltsstoffe angeben. Foto: Josef Koch

„Im Großhandel stehen wir in Konkurrenz zu allen möglichen Düngerprodukten, von denen Tausende Tonnen jährlich hergestellt werden“, lässt Falter einblicken. Zweifellos hat er hier ein Produkt mit starken Merkmalen zu bieten: ein Dünger aus Ökolandwirtschaft zum Humusaufbau, der CO2-neutral als Koppelprodukt zu regenerativer Energie hergestellt wird. „Ich möchte das Konzept unseres Betriebs mit vermarkten“, betont er. Außerdem ist ihm wichtig, einen regionalen Dünger, „Qualität aus Bayern“ anbieten zu können.

Hohe Hygienestandards

Die Düngerproduktion sei rentabel und ein wachsender Betriebszweig. Im Gegensatz dazu sei er mit der Biogasanlage auf die Bemessungsleistung und beim Ackerbau auf die Fläche begrenzt. Als großen Vorteil sieht er, dass der Dünger im Winter produziert werden kann, wenn es sonst wenig Arbeit gibt.

Den Gärrest aus der Biogasanlage so aufbereiten, dass er als Dünger in Verbrauchermärkten verkauft werden kann – Junglandwirt Johann Falter hat begonnen, seine Idee in die Tat umzusetzen.

Der Falter-Hof in Weiler-Ruhnsberg, Bayern, bewirtschaftet 200 ha. Foto: Timo Jaworr

Falter sucht noch Mitarbeiter für die Düngerproduktion, bei der man es mit enorm viel Bürokratie und gesetzlichen Vorgaben zu tun habe. „Wir müssen höhere Hygienestandards einhalten als in der Lebensmittelindustrie“, sagt Falter und schließt die Tore seiner innovativen Halle.

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