Schnell selbstgemacht, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen wie es geht.

Bienenwachstücher statt Plastikfolie

Schnell und einfach selber machen, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen Schritt für Schritt wie es geht.

Der Originalbeitrag ist im Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt erschienen.

Derzeit sind sie der Hit. Die Rede ist von Bienenwachstüchern. Damit kann man Brot einpacken oder Schüsseln abdecken, auch angeschnittenes Gemüse hält länger frisch. Die Tücher schmiegen sich beim Verpacken durch die Handwärme an und haften an nahezu allen Oberflächen – sozusagen eine Frischhaltefolie ohne Plastik.
Das Geschäft mit den Wachstüchern boomt, doch sie sind teuer. Eine Packung mit drei Tüchern bekommt man bei regionalen Herstellern ab 20 €. Ein großes Tuch zum Einwickeln von Brot kostet knapp 30 €. Stellt man die Wachstücher stattdessen selbst her, ist das erstens wesentlich günstiger und zweitens eine tolle Verwertung von Stoffresten. Noch ein Punkt: Bienenwachs wirkt von Natur aus antibakteriell. Zudem sind die Tücher pflegeleicht und lange wiederverwendbar.

Schnell selbstgemacht, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen wie es geht.

Bienenwachstücher sind eine nachhaltige und praktische Alternative zur Frischhaltefolie. Foto: Carmen Vitzthum

Diese Materialien braucht man:

  • 100 % Bienenwachs, entweder in Form von Pastillen oder als Platten (etwa 50 g für drei mittelgroße Tücher), am besten direkt vom Imker. In Ba­stelläden oder online wird man aber auch fündig. Alte Bienenwachskerzen gehen ebenso, wenn man weiß, dass sie zu 100 % aus Bienenwachs sind. Dafür die Kerze mit einer Küchenreibe grob raspeln. Vorsicht: Keine alten, „normalen“ Wachskerzen verwenden, sie enthalten häufig Paraffin.
  • Stoff aus 100 % Baumwolle, besonders gut eigenen sich dünn gewebte Stoffe oder Stoffreste.
  • Zackenschere, eine einfache Stoffschere geht auch, denn das Wachs versiegelt den Stoff, dadurch franst er nicht mehr aus. Das Zackenmuster peppt die Tücher aber optisch auf.
  • Zusätzlich braucht man: Bügeleisen, Backpapier, einen kleinen Kochtopf, eine alte Schüssel oder ein großes Marmeladenglas, Pinsel, Zeitungspapier sowie eventuell Stift und Lineal.
Schnell selbstgemacht, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen wie es geht.

Diese Materialen braucht man zur Herstellung der Bienenwachstücher. Foto: Carmen Vitzthum

Noch ein paar Tipps bevor es losgeht: Die Wachsreste lassen sich später nicht mehr beziehungsweise nur sehr schwer von der Schüssel entfernen. Daher besser altes Geschirr oder ein Glas, das nicht mehr genutzt wird, verwenden. Für den Pinsel gilt das Gleiche. Die Stoffe vor dem Zuschneiden ohne Weichspüler vorwaschen und an der Luft trocknen lassen. Sie müssen sauber und schadstofffrei sein, schließlich wickelt man Lebensmittel damit ein.

So klappt es Schritt für Schritt:

Beim Zuschneiden der Stoffe gibt es keine Regeln. Jede individuelle Größe ist möglich. Große Rechtecke eignen sich gut für ganze Brotlaibe, kleine zum Beispiel für eine angeschnittene Gurke. Als Anhaltspunkt: Für belegte Brote funktioniert eine Größe von ca. 23 mal 23 cm gut. Zum Abdecken von Schüsseln: Schüssel kopfüber auf den Stoff stellen und 3 bis 4 cm Stoff zugeben, dann ausschneiden. Nach dem Zuschneiden die ausgeschnittenen Teile glatt bügeln. Nun einen Tisch oder das Bügelbrett mit zwei bis drei Schichten Zeitungspapier auslegen; das schützt den Untergrund vor Wachsflecken. Darauf zwei Blätter Backpapier legen. Weitere zwei Blätter griffbereit zurechtlegen. Bügeleisen auf Baumwoll- oder Leinenstufe (ohne Dampf) aufheizen.

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Mit einer Zackenschere den Stoff zuschneiden. Foto: Carmen Vitzthum

Jetzt das Wachs im Wasserbad schmelzen. Dafür einen Topf mit Wasser auf den Herd stellen. Darauf die Schüssel stellen oder das Glas darin platzieren. Das Wasser heiß werden lassen, aber nicht kochen. Das Bienenwachs stückchenweise hineingeben und mit dem Pinsel unter ständigem Rühren langsam erwärmen bis es flüssig ist und sich alle Klumpen aufgelöst haben. Wie bei jedem Wasserbad gilt: Es darf kein Wasser in den Inhalt der Schüssel kommen.

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Wenig Bienenwachs über einem Wasserbad schmelzen. Foto: Carmen Vitzthum

Nun sollte es fix gehen, da das Wachs schnell wieder fest wird. Es bleibt länger flüssig, wenn man die Schüssel mit dem Wachs samt Topf auf den vorbereiteten Tisch stellt – Hitzeunterlage verwenden! Auf das Backpapier ein Stück Stoff legen. Mit dem Pinsel grob die komplette Oberfläche des Stoffs mit Bienenwachs einstreichen.

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Das flüssige Wachs mit einem Pinsel grob auf den Stoff auftragen. Foto: Carmen Vitzthum

Das bereitgelegte Backpapier darauflegen und das Wachs mit dem Bügeleisen gleichmäßig im Stoff verteilen. Durch das Bügeln saugt sich das Gewebe voll und imprägniert es vollständig. Falls an einer Stelle zu wenig Wachs war, kann man nachbessern. Zu viel Wachs kann man mit dem Bügeleisen vom Tuch ins Backpapier „herunterschieben“.

Schnell selbstgemacht, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen wie es geht.

Das Wachs mit dem Bügeleisen verteilen und fixieren. Foto: Carmen Vitzthum

Passt es, dann das mit noch flüssigem Wachs bedeckte Tuch sofort zwischen den Backpapierschichten herausziehen. Vorsicht heiß! Ein paar Sekunden hochhalten und warten, bis es kalt ist. Fertig, das Tuch ist jetzt einsatzbereit.

Schnell selbstgemacht, statt im Handel teuer einkaufen: Das klappt bei Bienenwachstüchern. Wir zeigen wie es geht.

Sofort nach dem Bügeln, das Tuch vom Backpapier abziehen. Vorsicht heiß! Foto: Carmen Vitzthum

Wissenswertes über Bienenwachstücher

Bienenwachstücher sind nachhaltig, das ist bekannt. Damit es so bleibt, muss man sie pflegen und hin und wieder aufbereiten. Außerdem: Was können sie und was nicht? Das wollen wir hier beantworten:

  • Wie nutze ich Bienenwachstücher? Die Tücher werden mit Handwärme weich und die Ränder bleiben aufeinander kleben. Zum Abdecken einer Schüssel das Tuch um die Öffnung legen und die Ränder mit den Händen ein paar Sekunden andrücken. Genauso funktioniert es mit dem Pausenbrot. Man legt es in die Mitte des Tuchs, schlägt die Ränder um das Brot und drückt diese ein paar Sekunden in den warmen Händen aneinander, bis das Tuch zusammenhält.
  • Wie pflege ich die Tücher? Bienenwachstücher können bei guter Pflege lange wiederverwendet werden. Das Tuch nach Gebrauch mit kaltem bis maximal lauwarmem Wasser und  gegebenenfalls etwas Spülmittel mit einem Schwamm abwischen. Das Wasser darf aber nicht zu heiß sein, da sich sonst der Wachsfilm löst. Natürlich darf das Tuch nicht in Spül- oder Waschmaschine. Nachdem sie an der Luft getrocknet sind, die Tücher flach liegend aufbewahren.
  • Wie kann ich sie aufbereiten? Nach längerem Gebrauch kann die Wachsoberfläche rau und porös werden. Das ist aber kein Grund das Tuch wegzuwerfen. Einfach wieder zwischen zwei Blätter Backpapier legen und aufbügeln und bei Bedarf etwas neues Wachs darauf geben. Alternativ das Tuch kurz auf ein mit Backpapier belegtes Backblech bei 90 °C in den Backofen legen. Das Tuch wird bei beiden Methoden wieder flach und das Wachs verteilt sich gleichmäßig. Es ist wieder wie neu und kann weiter verwendet werden.
  • Was darf ich damit verpacken? Von Käse über Brot, Gemüse und Obst gibt es keine Grenzen. Mit runden Tüchern kann man sehr gut Essensreste in Schüsseln oder Tellern abdecken und damit in den Kühlschrank stellen. Warme Lebensmittel sollten erst abkühlen, bevor man sie in das Tuch einpackt, da sonst die Wachsbeschichtung schmilzt. Für stark riechende Lebensmittel wie zum Beispiel Zwiebeln sollte man immer dasselbe Tuch verwenden; sozusagen ein „Zwiebeltuch“ benennen.
  • Was darf ich nicht damit verpacken? Auf keinen Fall sollte man rohes Fleisch oder rohen Fisch in die Tücher einpacken. Anhaftende Keime können auf das Tuch übertragen werden und sich dort vermehren, da man die Tücher nicht heiß reinigen kann.
  • Was tun bei Schimmelbefall? Es kann schon mal passieren, dass man das Pausenbrot im Tuch eingepackt vergisst und es anfängt zu schimmeln. Hier gilt: Das Tuch gut mit warmem Wasser und Spülmittel abwaschen und es im Nachhinein noch mal heiß zwischen Backpapier bügeln. Danach kann man es wieder weiterverwenden. Ist der Schimmel nicht nur oberflächlich, sondern schon in das Stoffgewebe eingedrungen, muss das Tuch entsorgt werden. Nicht mehr brauchbare Tücher eignen sich übrigens gut als Feueranzünder. Einfach Tuch einrollen und anzünden.
  • Nimmt mein Essen den Bienenwachsgeruch an? Nein. Die Tücher riechen zwar dauerhaft nach Bienenwachs, die Lebensmittel schmecken und riechen aber nicht danach.
  • Worauf sollte ich noch achten? Jegliche Wärme ist tabu. Das heißt: Vorsicht bei warmen Herdplatten. Im Sommer beim Picknick Hitze vermeiden und die Tücher, ob mit oder ohne Inhalt, nicht im heißen Auto liegen lassen. In der Kühlbox und im Schatten passiert nichts, Bienenwachs wird erst bei etwa 60°C flüssig.

 

Weitere spannende Berater zum Thema Leben und Arbeiten auf dem Land findest Du in der aktuellen Ausgabe des Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatts.

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