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Die zweite Schließung der Gastronomie aufgrund der Coronapandemie trifft Christina und ihre Familie sehr. Aber sie geben nicht auf. Was die Hofheldin während der verführten Winterpause dennoch plant, liest Du in ihrem Blogbeitrag.

Der zweite Corona-Lockdown: frostige Aussichten mit etwas Sonnenschein

Die zweite Schließung der Gastronomie trifft Christina und ihre Familie sehr. Aber sie geben nicht auf. Was die Hofheldin  während der verfrühten Winterpause plant, liest Du in ihrem Blogbeitrag.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

eigentlich würde ich euch nun an dieser Stelle im dritten und letzten Teil von meiner Inspirationsreise berichten. Doch fühlt es sich gerade nicht richtig an, einfach so weiter zu machen und unsere derzeitige Situation, wie wir Sie hier auf dem Hof erleben, ganz unkommentiert zu lassen.

Wie ihr sicher im ersten Lockdown schon mitbekommen habt, hat uns die Schließung unseres Saisonrestaurants im Frühjahr zu unserer Hauptzeit, der Spargelsaison, hart getroffen. Ist diese Zeit doch definitiv unsere umsatzstärkste Zeit… Doch jeder Einzelne von uns hat seine Kräfte gebündelt und damit ermöglicht, dass nicht nur wir als Familie stärker zusammengewachsen sind, sondern auch die Mitarbeiter und ja sogar die Kunden und Gäste sich noch bewusster für uns als Familienbetrieb entschieden habe. Dazu beigetragen haben neben unserer Mutter- und Vatertagsaktionen, auch mein Auftritt im Mai gemeinsam mit Hofheld beim WDR.

Es ist kein Déjà-Vu, sondern erneut Realität.

Doch nun ist Herbst und das, was sich für uns wie ein Déjà-vu anfühlt, ist leider erneut Realität. Der Lockdown hat uns im Restaurant, in welchem wir gerade erreicht hatten, dass Gäste sich bei uns sicher fühlten und wir unsere Abläufe in Sachen Hygienekonzept verinnerlicht hatten, mit voller Wucht getroffen. Ich sehe meinen Vater noch im Sommer bei uns im Hofladen stehen und zu einem Gast sagen „Meiner Meinung nach, wird es keinen zweiten Lockdown für die Wirtschaft geben – das wird sich die Regierung nicht leisten können.“ In diesem Moment war ich wohl wieder die kleine 5-jährige Christina, die einfach nur glauben wollte, dass das, was mein Vater gerade sagte, stimmte. Schließlich hat mit 5 Jahren der eigene Papa schließlich immer Recht – so bitte doch auch in diesen Zeiten.

Am Montag vor dem zweiten Lockdown, sitzen wir wie im Frühjahr wieder morgens zusammen und überlegen, wie lange wir die Aufbereitung eines Frühstücksbuffet für weniger als 10 Leute, neben unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Gästen, wirtschaftlich aushalten können. Nicht allzu lange, aber bieten wir nicht unseren Gästen damit auch eine Art „Normalität“? Es ist zum Haare raufen. Nebenher spitzen sich die Fallzahlen in unserem Kreis und in ganz Deutschland weiter zu. Also heißt es nun, sich langsam auf das vorbereiten, was schon seit Wochen gemunkelt wird: Der Lockdown rückt näher…

„Wir haben doch alles erdenklich Mögliche gemacht…“

Es ist Mittwoch, der 28.10.2020: Während eines Zoom-Calls gemeinsam mit CoworkLand, in welchem wir als Genholter Hof bei einer sogenannten Masterclass zum Thema „Hoftransformation“ teilnehmen dürfen, verfolge ich gleichzeitig die Pressekonferenz von Angela Merkel. Ab dem Moment, in dem die Restaurantschließung für November angekündigt wird, höre ich dem Zoom-Call gar nicht mehr richtig zu. Dreht sich in meinem Kopf doch nun eigentlich alles um die eine Frage „Und jetzt?“…
Später am Abend sitze ich erneut mit meinen Eltern zusammen. Unfassbarkeit und auch ein gewisses Unverständnis machen sich breit. Haben wir doch alles erdenklich Mögliche gemacht, um unserer Verantwortung gegenüber Mitarbeitern und Gästen gerecht zu werden. Durchatmen, jeder entscheidet sich dazu, erst einmal eine Nacht darüber zu schlafen. Können wir doch gerade ohnehin nichts ändern.

Am nächsten Morgen fühlen wir uns wieder ein wenig gestärkt. Die Rollen in unserem Trio um meine Eltern und mich verteilen sich ständig: Mal muntert meine Mutter meinen Vater und mich auf, mal umkehrt. Auch spielt Kathrin aus der Ferne weiterhin eine große Rolle, versorgt sie uns immer wieder mit Informationen der Bundesregierung oder auch mit Motivationsboostern. Schnell kommen wir aber gemeinsam zu dem Entschluss: Ein Plan muss her, mit dem wir in den kommenden Monaten wenigstens ein bisschen Umsatz machen können, den wir auch kurzerhand unseren Gästen mit an die Hand geben können und vor allen Dingen, mit dem wir motiviert bleiben und nicht in ein tiefes, tiefes Loch von Traurigkeit fallen.

Der Fahrplan ist erstellt – die Reise geht weiter

Das Hofcafé schließt im November und öffnet seine Hoftore erst wieder zum Februar 2021. Dies liegt in erster Linie daran, dass wir ohnehin am 12.12.2020 unseren letzten Tag vor unserer Winterpause (13.12.20-01.02.2021) gehabt hätten und sich – nach ausführlicher Kalkulation – ein Öffnen für zwei Wochen, incl. weihnachtlichem Schmücken des ganzen Hofes, nicht rentiert. Gerade auch im Hinblick darauf, dass zum jetzigen Zeitpunkt nicht abzusehen ist, ob die Restaurants überhaupt am 01.12.2020 ihre Türen wieder öffnen dürfen und selbst wenn, viele Gäste – im Mai konnte man es besonders gut sehen – wahrscheinlich unsicher sein und erst einmal abwarten werden. So haben wir uns also gegen die Öffnung im Dezember entschieden. Das jedoch nicht, weil wir das Geld nicht bräuchten oder gar, weil wir lieber einen „Chilligen“ machen möchten, sondern viel mehr, weil wir Kraft tanken müssen. Kraft, die uns nicht nur im Frühjahr extrem abverlangt worden ist, sondern auch in den letzten Monaten. Denn auch wenn es zuletzt weniger stressig war, hat die tägliche Unsicherheit doch auch an unseren Nerven gezerrt. Und das nicht zu knapp… Das wird uns erst in dieser neuerlichen Ausnahmesituation so richtig bewusst.

Gleichzeitig möchten wir aber auch wieder unsere Aktionen nach vorne bringen. Haben die Verteilung unserer kleinen Körbchen zu Mutter- und Vatertag nicht nur unseren Gästen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert, sondern auch unser Herz erwärmt. Und DAS ist es, was wir und unsere Gäste jetzt wieder brauchen. Eine Portion Liebe, Freundlichkeit, ein Lächeln! Somit werden wir zum 6.12. selbst zum Nikolaus und liefern wieder auf Bestellung kleine Körbchen zu unseren Gästen aus. Damit unterstützen wir in erster Linie auch die kleinen Anbieter, die ihre Produkte in unserem Hofladen platzieren und nun weniger davon verkaufen können – es sind ja schließlich auch weniger Kunden dort unterwegs.
Um aber auch Gäste, die dafür teilwesie weite Strecken auf sich nehmen, auch weiterhin mit winterlichen Gerichten verwöhnen zu können, haben wir kurzerhand unsere „Genholter Hof Genussmomente“ ins Leben gerufen. Mit einer wöchentlich wechselnden Karte möchten wir saisonale Gerichte aus regionalen Produkten zaubern und damit eine kleine Portion Seelenglück für unsere Gäste anbieten.

Zwischen Generationswechsel und Kochkurs

On Top werden wir die Zeit aber tatsächlich indirekt auch für uns als Familie und für den Generationswechsel nutzen. Wann werden wir wohl jemals wieder so viel Zeit gemeinsam haben? So haben mein Vater und ich seit dieser Woche immer morgens von 08:00 – 10:00 Uhr ein Date, bei dem er mir weitere wichtige Infos über den Betrieb und die Landwirtschaft gibt. Die Zeit mit meiner Mutter werde ich dahingehend nutzen, dass wir nicht nur gemeinsam unsere Gästezimmer einmal auf Links ziehen und einem Herbstputz unterziehen, sondern auch gemeinsam kochen. Und mit kochen meine ich nicht Nudeln warm machen und dazu eine Soße kreieren (ja ich weiß, für manche ist Nudeln warm machen auch kochen *zwinker*), sondern WIRKLICH kochen. Möchte ich meinen Kindern doch auch einmal Grünkohl mit Opas Kartoffeln nach Omas Rezept zeigen oder das Rezept von Mamas Mayonnaise einmal endlich festhalten!

Ihr seht, wie beschissen die Situation derzeit auch zu sein schein mag: wir versuchen gerade das Beste für uns rauszuholen. Und das auch nach außen zu kommunizieren. Denn ja, auch wenn manche unserer Berufskollegen unsere Entscheidung, in diesem Jahr das Hofcafé nicht mehr zu öffnen für falsch halten, möchten wir doch aus dieser Zeit motiviert herausgehen und weiterhin Freude an unserem Job haben. Und diese halten wir in erste Linie nur aufrecht, in dem wir auch auf uns achten und nicht bis zum letzten möglichen Zeitpunkt arbeiten und uns aufreiben.

Ähnliches wird auch in der aktuellen agrarheute Ausgabe deutlich, in welcher Dagmar ein tolles Interview mit Christoph Rothhaupt zum Thema Depression geführt hat.

Bleibt gesund,

Eure Christina

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