Der Roboter und die Zuckerrüben

Selbstfahrende Roboter sind nicht mehr reine Zukunftsmusik, sondern bereits auf deutschen Äckern im Einsatz. Charlotte testete den dänischen Farmdroid FD 20 in ihren Zuckerrüben und zieht ein Fazit.

Moin liebe Hofhelden,

wie ich bereits vor einiger Zeit berichtet habe, testen wir derzeit einen selbstfahrenden Roboter für die Zuckerrüben auf unserem Biobetrieb. 
Jetzt ist die Arbeit des Farmdroid FD 20, bei uns kurz Robby genannt, auf dem Feld für diese Saison abgeschlossen und am 10. September 2020 werden die Zuckerrüben geerntet. Also ist‘s Zeit für ein Fazit, ob sich die Investition in die neue Technik lohnt und ob Robby bleiben darf.

Der Roboter kann nicht nur zwischen, sondern auch in den Reihen das Unkraut hacken. Foto: Meyer

Vorab: In diesem Jahr hat der Roboter noch nicht den gewünschten Erfolg gebracht, um unsere Öko – Zuckerrüben rentabel zu machen. Denn der Einsatz des FD 20 war mit verschiedenen Schwierigkeiten gespickt. Erste Probleme gab es schon bei der Aussaat. Die Coronapandemie lähmte die Welt, die Ländergrenzen waren wegen des Lockdowns geschlossen. Zwar half uns die deutsche Vertriebsfirma des Farmdroid, Solar-Energie Andresen, so gut es ging, trotzdem übernahmen wir das Drillen mit dem Roboter mehr oder weniger in Eigenregie. Außerdem ist die Aussaat am 21. April 2020 relativ spät erfolgt. Wir wollten die Rübenpillen dabei auf drei Zentimeter ablegen, „Robby“ legte sie jedoch wesentlich flacher in den trockenen Acker und auch die Andruckrollen haben nicht ausreichend gearbeitet. Nachdem es anschließend trocken blieb, keimte ein Teil der Zuckerrüben gar nicht erst.

Robby köpfte einige unserer Zuckerrüben

Auch während der eigentlichen Hackarbeit ist es immer wieder zu Problemen gekommen, die zugegeben jedoch vorrangig auf Bedienerfehler zurückzuführen sind. Ein Beispiel: Rund um die Zuckerrübe ist am meisten Bedarf zur Unkrautregulierung. Bei einem Versuch den Hackroboter möglichst scharf einzustellen, sind einige unserer Zuckerrüben geköpft worden. Aber das gehört wohl zum technischen Lernprozess dazu. Einen gewisser Anteil müssen wir da wohl in Kauf nehmen, um bei den Handarbeitsstunden zu sparen.

Zwischen den Reihen reguliert der dänische Hackroboter das Unkraut mithilfe von Gänsefußscharen. Foto: Meyer

Ich sehe aber das Potential des Farmdroids für die Öko – Zuckerrübenbranche. Nur nicht mit dem Anspruch, dass er das ganze Unkraut allein regulieren kann. Der Plan für die Zukunft ist, dass der Roboter uns Biolandwirten hilft auf das Level der in den Deckungsbeitragsberechnungen veranschlagten 100 bis 150 Handarbeitsstunden pro Hektar zu kommen. In den ersten zwei Anbaujahren haben die Zuckerrüben 250 Handarbeitsstunden pro Hektar in Anspruch genommen – ein nicht unerheblicher finanzieller Aufwand.

Darf der FD 20 bleiben?

Zugegeben, die Probleme mit dem Farmdroid in diesem Jahr sind teilweise auch auf innerbetriebliche Abläufe zurückzuführen. Auf dem Betrieb hat sich niemand „richtig reingekniet“ und mit dem FD20 auseinandergesetzt. Dadurch, dass ich in der Woche oft für die LAND & FORST unterwegs bin kann ich mich leider auch nicht darum kümmern und man muss schon eine gewisse technische Affinität haben und den Roboter stundenlang bei der Arbeit begleiten, um alle Einstellungen korrekt vorzunehmen.

Diesem Prozess wollen wir in der kommenden Saison mehr Zeit einräumen. Außerdem ist der Einsatz der anderen Hackroboter im Norden vielversprechend gewesen. Also bleibt mir nur zu verkünden: „Robby darf bleiben.“ 🙂

Beste Grüße,

Charlotte

 

Weitere Top-News zu Pflanze, Technik, Tier und Betrieb aus Niedersachsen gibt’s im aktuellen Digitalmagazin der LAND & FORST.

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