Das 1×1 der Bodenbearbeitung

Den dritten Teil seines Sommerberichts widmet Niko der Bodenbearbeitung. Was die Stoppelbearbeitung von der Saatbettbereitung unterscheidet und was „den Acker schwarz machen“ bedeutet, erklärt er Dir in seinem Blogbeitrag.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Quereinsteiger Niko aus Baden-Württemberg.

Moin Hofhelden,

nach einer Woche Getreideernte ging es für mich dann runter vom Abfuhrgespann und rein in die Bodenbearbeitung. Die anderen würden noch etwa eineinhalb Wochen für die restliche Ernte brauchen. In den vergangenen Tagen war der Case Quadtrack mit einem 12 m Horsch Cruiser Flachgrubber bereits tagsüber unterwegs und hatte die Drescher stets verfolgt.

Nach einer Woche Ernte war der Vorsprung der vier Drescher allerdings sehr gewachsen, weshalb der „Quaddi“ nun auch nachts laufen musste. Insgesamt vier Wochen sollte ich nun in der Nachtschicht auf dem Quadtrack in den verschiedenen Arten der Bodenbearbeitung verbringen. Im heutigen Beitrag gibt es einen Grundkurs zum Thema Bodenbearbeitung.

Stoppelbearbeitung  oder auch Stoppeln

Der erste richtige breitflächige Bodenbearbeitungsgang nach der Ernte ist die Stoppelbearbeitung. Sie findet auf den meisten Betrieben direkt nach dem Dreschen statt und hat das Ziel, dass das Ausfallgetreide beziehungsweise der Ausfallraps (also die Körner, die als Verlust beim Dreschen auf dem Feld bleiben) mit Erde vermischt und so zum Keimen angeregt werden.

Außerdem wird durch die Stoppelbearbeitung die Kapillarität (also der senkrechte Wasseraufstieg im Boden) gehemmt und so eine unnötig hohe Transpiration (Verdunstung) von der Bodenoberfläche verhindert, also Wasser gespart. Darüber hinaus werden die auf dem Feld verbliebenen Erntereste (Stroh und Spreu) in den Boden eingemischt und in Kontakt mit den Bodenlebewesen und dem Bodenwasser gebracht, um den Umsatz zu Humus einzuleiten.

Die Arbeitstiefe bei der Stoppelbearbeitung ist „so tief wie nötig, so flach wie möglich“ zu wählen und bei der Einstellung der Geräte sind die eben genannten Arbeitsziele oftmals gegeneinander abzuwägen. Bearbeitet man beispielsweise auf Rapsstoppel circa 5 cm tief, hat man zwar in einem Arbeitsgang alle Erntereste eingemischt, allerdings die lichtkeimenden Rapskörner zu tief vergraben, sodass sie nicht keimen und dann zu späterem Zeitpunkt zu einem Problem werden können.

Generell lässt sich sagen, dass man im Raps sehr flach (0,5-2 cm) und im Getreide auf etwa 5-7 cm Arbeitstiefe einstellen sollte. Zum Einsatz in der Stoppelbearbeitung kommen oftmals Kurzscheibeneggen, Flachgrubber, Schwerstriegel oder Kettenscheibeneggen. Im Raps werden vermehrt Striegel aus dem Grünlandbereich oder Güttlerwalzen eingesetzt.

Bei der Grundbodenbearbeitung mit dem Horsch Tiger entsteht der sogenannte „schwarze Acker“. Foto: Tako Bannas

„Den Acker schwarz machen“ – Grundbodenbearbeitung

Nach der oftmals mehrmaligen Stoppelbearbeitung folgt die Grundbodenbearbeitung. Wie der Name bereits sagt, stellt sie das zentrale Element dar wenn es darum geht, den Boden für die nächste Kultur tief zu lockern. Grundbodenbearbeitung kann entweder mit dem Grubber oder mit dem Pflug erfolgen. Bei pfluglosen System, spricht man auch von konservierender Bodenbearbeitung.

Diese hat einige Vorteile: Zum einen erreicht man mit einem Grubber eine höhere Schlagkraft kann somit kostengünstiger arbeiten, zum anderen schont man das Bodenleben. Für den Pflug spricht wiederum das sichere Vergraben von Unkrautsamen (die in der Folgekultur somit nicht mehr keimen können) und das tiefe Einmischen von möglicherweise mit Krankheiten befallenen Ernteresten.

Wir haben beispielsweise von Weizen zu Weizen ungefähr 30 cm tief gepflügt, um das eventuell mit Pilzen befallene Stroh tief einzuarbeiten. Nach Raps zu Weizen sowie vor Raps grubberte der Horsch Tiger zwischen  23 und 25 cm tief. Das Ergebnis einer guten Grundbodenbearbeitung sollte ein „schwarzer Acker“ sein, also ein von Ernteresten möglichst freier, tief gelockerter, intensiv gemischter und leicht wieder angedrückter Boden.

Saatbettbereitung mit Kreiselegge nach dem Pflug. Links im Bild grobe Pflugschollen, hinter der Maschine feiner Boden. Und, typisch für den Norden, die vielen Möven… Foto: Niko Ziegler

Und abschließend die Saatbettbereitung

Sie ist der dritte und letzte Bestandteil der Bodenbearbeitung und erfolgt unmittelbar vor der Aussaat. Mit einer Scheiben-, Kreisel- oder Federzinkenegge erfolgt kein tiefer Eingriff in den Boden mehr, sondern nur oberflächlich eingeebnet und gekrümelt, um optimale Bedingungen für die folgende Aussaat zu haben. Das Saatbett soll möglichst feinkrümelig sein, allerdings nicht zu fein, da dann die Gefahr von Erosion besteht. Die Tiefe der Saatbettbereitung orientiert sich an der Saattiefe der Folgekultur. Neben der Saatbettbereitung unmittelbar vor der Aussaat der Folgekultur gibt es die Möglichkeit einer sogenannten „Scheinbestellung“.

Dies wird gemacht, um vor der Saat noch einmal möglichst viele Unkrautsamen zum Keimen anzuregen (durch Herstellen eines optimalen Saatbetts ungefähr zwei Wochen VOR der eigentlichen Aussaat der gewünschten Kulturpflanze), um diese dann vor der Aussaat entweder mechanisch oder chemisch beseitigen zu können. So sind weniger Unkrautsamen im Boden vorhanden, die dann in der Folgekultur keimen und aufwändig chemisch bekämpft werden müssten.

Nun habt ihr einmal einen groben Überblick über Methoden der Bodenbearbeitung erhalten. Im nächsten Beitrag soll es dann um den Grundstein für die kommende Ernte gehen: Die Aussaat von Raps und Getreide!

Bis dahin, bleibt gesund!

Niko

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