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Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Corona: Wie Christinas Familie ihren Spargelbetrieb über Wasser hält

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders dankbar ist.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hofübernehmerin Christina aus Nordrhein-Westfalen.

Hallo ihr fleißigen Hofhelden,

es folgt in diesem Blogbeitrag ausnahmsweise mal nur indirekt etwas zu meinem Entscheidungsweg „Hofübernahme: Ja oder nein?“. Denn heute möchte ich Euch einmal mit hinter die Kulissen nehmen. Hinter die Kulissen eines Familienbetriebes, in dem die Familie zur jetzigen Zeit normalerweise alle Kräfte bündelt, um sich auf die anstrengendste Zeit des Jahres vorzubereiten: Die Spargel- und Erdbeersaison. Aber ihr lest richtig: Normalerweise … Denn was ist in Zeiten von Corona schon „normal“?

Kurz habe ich mit mir gerungen, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben soll; Ob ich wirklich nach außen zeigen möchte, wie es uns derzeit hier geht, wenn wir zwischen Bangen und Hoffen stehen und nicht so ganz wissen, was der morgige Tag bringt. Doch nachdem ich nun genau ein Jahr meinen Entscheidungsweg mit euch, liebe Hofhelden, teile, möchte ich auch, dass ihr erfahrt, wie die derzeitige Situation und die Erfahrungen meinen Entscheidungsweg beeinflussen.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Der Spargel sprießt. Doch wer erntet ihn? Foto: privat

11. März

Seit zwei Tagen warten wir auf Saisonarbeitskräfte aus Rumänien. Bisher gibt es noch nicht so viel auf den Feldern zu tun, sodass wir nicht mehr als zwei Saisonkräfte zusätzlich zu unserem polnischen Festangestellten benötigen. Erst im Laufe des Tages erhalten wir die Nachricht, dass die beiden Männer vorerst nicht kommen können. Der Fahrer ihres Busses wurde an der österreichischen Grenze so verunsichert, dass er eine Weiterfahrt nicht verantworten konnte und umgekehrt ist. Wir sind wie vor den Kopf gestoßen – was heißt das für uns? Können wir jetzt mit keiner Unterstützung aus Rumänien und Polen rechnen? Gibt es andere Möglichkeiten, um einreisen zu können? Fragen über Fragen die uns in den nächsten Tagen beschäftigen werden …

16. März

Ich bin in meiner Wohnung, 7km vom Betrieb entfernt und erhalte nur eine kurze Nachricht meines Vaters: „Guten Morgen, die zwei rumänischen Männer sind gerade angekommen“. Puuhhh – kurzes Aufatmen… Sie haben einen zweiten Versuch gestartet und sind problemlos mit dem Bus über die österreichische Grenze gekommen – kurz vor knapp, wie sich herausstellen sollte …

17. März

Ich sitze morgens mit meinen Eltern zusammen – wir sind gerade Familie, Krisenstab und Unternehmer zugleich. Was machen wir mit den Saisonkräften, die wir für die Spargel- und Erdbeersaison benötigen? Was passiert mit unserem Saisonrestaurant / Bauernhofcafé? Können wir unsere für den 10. April geplante Spargelsaisoneröffnung problemlos durchführen? Wie können wir unserer Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern gerecht werden, dass sich niemand ansteckt? Schließlich möchten wir, dass sie ihr Einkommen zumindest noch in Teilen beziehen können. Weiterhin nur unbeantwortete Fragen während durchgehend das Telefon klingelt und Tisch- und Zimmerreservierungen abgesagt werden und der Lebensmitteleinzelhandel stets neue Ware bei uns bestellt. Was passiert hier gerade? Erstmal weiter abwarten …

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Christinas Eltern machen sich Gedanken über den Familienbetrieb. Foto: privat

18. März

Frühstücksbuffet für zwei Leute – können wir das, neben der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitern und Gästen, auch wirtschaftlich aushalten? Eher weniger. Zudem erhalten wir die Auflage, unser Café nur noch bis 15 Uhr zu öffnen. Wir entscheiden uns kurzerhand, das Café ab dem 19. März komplett vorerst für zwei Wochen zu schließen. Wer hätte zu diesem Zeitpunkt ahnen können, dass daraus einmal (mind.) 4,5 Wochen werden? Wohl niemand …

19. März

Wieder gemeinsames Zusammensitzen und Beratschlagen. Was machen wir mit den Saisonkräften, die wir in ca. einer Woche brauchen? Die Grenzen werden voraussichtlich komplett geschlossen und eine Einreise mit dem Bus nicht mehr möglich sein. Gleichzeitig stellt sich die Frage: Was machen wir mit unserer rumänischen Mitarbeiterin, die derzeit hier ist und uns in der Café Küche unterstützt und Anfang April nach Rumänien zurück wollte? Busse fahren definitiv nicht mehr – also muss ein Flug her. Den nächsten freien Platz in einem Flieger in die Heimat gibt es jedoch erst Ende April. Enttäuschung und Traurigkeit machen sich bei unserer Mitarbeiterin breit. Wer kann es ihr verübeln? Würden wir selbst in einer solchen Zeit nicht auch schnellstmöglich nach Hause zu unseren Familien zurückwollen? NATÜRLICH! Hier helfen nur Fürsorge und ein offenes Ohr. Der Flug Deutschland – Rumänien wird gebucht … Und wenn die Reise in die eine Richtung klappt, könnte es vielleicht auch eine Möglichkeit für die Einreise der Saisonkräfte sein? Anscheinend …

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Die Spargelsaison startet auf den Genohlter Hof am 10. April. Foto: privat

20. März

Ständiges hin- und her Telefonieren bestimmt nun unseren Alltag. Haben wir Saisonkräfte, die nach Deutschland fliegen würden? Welche Unterlagen werden dafür benötigt? Was müssen wir beachten? Unter diesen Umständen bedeutet fliegen auch, nur wenige persönliche Sachen mitnehmen zu können. Also auch hier: Was bräuchten die Saisonkräfte zusätzlich noch von uns? Wir brauchen einen langen Atem, da viele Unterlagen von unterschiedlichen Stellen benötigt werden – erhalten aber nach einem ganzen Tag Bangen das Go, Flugtickets buchen zu können.

22. März

Ansprache der Kanzlerin: Kontaktverbot für mehr als 2 Personen, Restaurantschließung nun in Gänze, etc. Herr Laschet übermittelt hinterher, dass dies für NRW bis mind. 19.04.2020 gelte. Für uns war alles klar: die Spargelsaisoneröffnung am 10.04.2020 ist hinfällig …

23. März

Ein warmes, sonniges Wochenende liegt hinter uns. Was heißt das für den Spargel im Treibhaus? Er wächst und wächst und wächst. Wohin jedoch mit der Menge, wenn wir schließen müssen und auch die Menschen, unsere Kunden, angehalten sind, das Haus nicht mehr als nötig zu verlassen? Kurzerhand entscheiden wir uns gemeinsam, auch nach Rücksprache mit meiner Schwester Kathrin, mit der wir eine Videokonferenz geschaltet haben, für folgenden Plan: Wenn die Gäste und Kunden nicht zu uns kommen können, müssen wir eben zu ihnen kommen. Es muss ein Lieferservice her, der aber ohne großen Aufwand betrieben werden soll. Unsere Mitarbeiter aus der Gastronomie, die es gerade aushalten müssen, untätig zu sein, sind Feuer und Flamme und unterstützen uns wo sie können.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Kurzerhand hat der Genholter Hof einen Lieferservice eingerichtet. Foto: privat

29. März

Die erste ganze Woche ohne Café ist rum. Wir atmen kurz auf: Unsere zwei rumänischen Mitarbeiter sind eingeflogen und heil bei uns angekommen. Welch aufregende Situation auch für die beiden, sind sie doch noch nie geflogen … Auch hier stellen wir uns wieder die Frage: Hätten wir das Ganze auf uns genommen, wären die Rollen vertauscht gewesen? Wären wir das erste Mal geflogen, ohne zu wissen, ob sich der ganze Aufwand lohnt und wir nachher nicht doch wieder zurückgeschickt werden, weil eine Bescheinigung o.ä. fehlt? Aber solche Gedanken lassen wir nicht zu. Wir wissen nicht, was die nächsten Wochen auf uns zukommt, gerade auch im Hinblick auf die nun beschlossene Einreisebeschränkung der Saisonkräfte, und rückblickend ist es auch gut so. Wir verspüren nach dieser Woche vorerst nämlich nur eines: Dankbarkeit.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weitreichend. Auch vor den Hoftoren der landwirtschaftlichen Betriebe macht sie nicht halt. Christina packt aus, wie es dem Spargelbetrieb ihrer Familie gerade wirklich geht und warum sie ausgerechnet jetzt besonders Dankbar ist.

Christina ist dankbar; für die treuen Mitarbeiter, für die Kunden, für ihre Familie. Foto: privat

Dankbarkeit, für unsere Saisonkräfte und insbesondere die beiden Männer, den Weg gemeinsam mit uns zu gehen und uns unterstützen zu wollen. Dankbarkeit, für unsere weiteren Mitarbeiter, die wir stets und ständig anrufen und um Hilfe beten können: Egal ob beim Ausliefern oder Spargelsortieren. Dankbarkeit, für unsere Gäste und Kunden, die uns so positive Rückmeldung geben und uns auch weiterhin unterstützen wollen – egal ob durch den direkten Einkauf in unserem Hofladen (den wir unter größten Sicherheitsvorkehrungen weiter betreiben) oder durch unseren neu eingerichteten Lieferservice. Dankbarkeit, für die vielen Menschen, die sich unbekannterweise bei uns melden und ihre Hilfe und Unterstützung bei der Ernte anbieten. Und vor allen Dingen Dankbarkeit darüber, diese Ausnahmesituation gemeinsam als Familie durchstehen zu können und einander zu haben. Denn wir sind sicher, dass, auch wenn wir in manchen Momenten gerne alles hinschmeißen würden und völlig verzweifelt sind, wir gerade aus den genannt positiven Erfahrungen unsere Kraft schöpfen können und auch werden! Und das vielleicht genau diese Erfahrungen, meine Entscheidung die Nachfolge anzutreten, nur positiv beeinflussen und festigen können!

Danke Mama und Papa!

Eure Christina

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