Landwirtstochter Christina befindet sich gerade im Hofübernahme-Prozess. Heute schildert ihre Schwester die Situation aus Sicht der weichenden Erbin.

Was die weichende Erbin zur Hofübergabe sagt

Landwirtstochter Christina befindet sich gerade im Hofübernahme-Prozess. Heute schildert ihre Schwester Kathrin die Situation aus Sicht der weichenden Erbin.

Liebe HofheldInnen,

bisher hat meine Schwester Christina Euch von ihren Gedanken zur möglichen Hofnachfolge berichtet. Um das Bild um eine weitere Perspektive zu ergänzen, erzähle ich Euch heute ein wenig aus der Sicht der „weichenden Erbin“. Denn dass ich den Hof einmal übernehme habe ich für mich ausgeschlossen, nachdem ich einige Zeit voll auf dem Hof mitgearbeitet habe. Dass ich in der Zwischenzeit nach Berlin gezogen und einen anderen Berufsweg eingeschlagen habe, trägt sicherlich nicht unerheblich dazu bei, dass die Frage der Hofübernahme für mich abschließend geklärt ist.

Vor ihrer Entscheidung für oder gegen eine Hofübernahme will Christina weitere Erfahrungen sammeln. Während eines Urlaubssemesters arbeitet sie als Vollzeit-Angestellte auf dem elterlichen Betrieb. Ob das gut geht, berichtet sie hier.

Für Kathrin (2.v.r.) ist die Hofübernahme ausgeschlossen. Foto: Karin Poltoraczyk

Das bedeutet aber nicht, dass der Hof und dessen Zukunft mir nichts mehr bedeuten. Ganz im Gegenteil: eben dadurch, dass ich nicht mehr in der Heimat wohne, sind mir meine Wurzeln besonders wichtig und schätze ich es sehr, für Besuche auf den Hof und in meine Heimat zurückkehren zu können. Dass ich mich auch beruflich dem ländlichen Raum zuwende, trägt dazu bei, dass ich meiner Familie in der aktuellen Phase auch beratend zur Seite stehe und so aktiv in den Übergabeprozess eingebunden bin und diesen indirekt mitgestalten kann. So habe ich u.a. den Workshop vorbereitet und geleitet, von dem Christina im letzten Beitrag berichtet hat.

Christina kommt von einem landwirtschaftlich-gastronomischen Hof, hat ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre in der Tasche und steht nun vor der Frage aller Fragen: "Soll ich den Betrieb übernehmen oder nicht?" Auf Hofheld nimmt sie Dich mit auf den Weg zu ihrer Entscheidung.

Die Zukunft des Betriebs ist auch der weichenden Erbin nicht egal. Foto: privat

Als sich die Zusammenarbeit von Christina und unseren Eltern abzeichnete, war mir klar, dass beide Seiten dabei unterstützt werden sollten, der Zusammenarbeit einen professionellen Charakter zu geben. Nur so konnten Voraussetzungen dafür geschaffen werden, dass sich die nachfolgende Phase von der vorherigen losen Aushilfstätigkeit unterscheiden und für beide Seiten einen Mehrwert bieten konnte. Denn Christinas Traineeship, wie wir es genannt haben, war kein Selbstzweck, sondern sollte für beide Seiten ein Testlauf sein, ob eine professionelle Zusammenarbeit als Arbeitgeber und Angestellte möglich ist.

Vor ihrer Entscheidung für oder gegen eine Hofübernahme will Christina weitere Erfahrungen sammeln. Während eines Urlaubssemesters arbeitet sie als Vollzeit-Angestellte auf dem elterlichen Betrieb. Ob das gut geht, berichtet sie hier.

Kathrin (2.v.r.) half ihrer Familie, ihre Erwartungen zu formulieren. Foto: privat

Deswegen hat der Workshop auch darauf abgestellt, beiden Seiten zu verdeutlichen, dass sie nun nicht mehr als Eltern und Tochter agieren, sondern in professionellen Rollen und dass diese mit Pflichten und Erwartungen des Gegenübers einhergehen. Durch die im Vorfeld des Workshops ausgefüllten Fragebögen ist klar geworden, dass beide Seiten Wert daraufgelegt haben, klare Aufgabenverteilungen und Strukturen zu schaffen. So haben wir im Workshop gemeinsam einen Aufgabenkatalog und Verantwortungsbereich für Christina erarbeitet und einen wöchentlichen Jour Fix vereinbart. So hat der Workshop dazu beigetragen, einen professionellen Rahmen für das Traineeship festzulegen, ohne den die Zusammenarbeit, so vermute ich, (noch) schwieriger geworden wäre.

Wenn ihr noch mehr über den genauen Inhalt und die Wirkung des Workshops wissen wollt, meldet euch bei Hofheldin Dagmar, sie stellt dann den Kontakt zu mir her. Ich freue mich, wenn ich die eine oder den anderen von Euch dabei unterstützen kann, den Übergabeprozess für alle Beteiligten erfreulich zu gestalten.

Christina hat auf ihrem Weg zur Hofübernahme erstmal überlegt, wo eigentlich ihre Stärken liegen. Auf dieser Basis hat sie dann mit etwas Hilfe ihre Vision für den Familienbetrieb entwickelt.

Die aktive Gastronomie bzw. Landwirtschaft ist nicht Kathrins Ding. Foto: privat

Der Workshop ist ein gutes Beispiel dafür, wie ich meine Rolle als „weichende Erbin“, die nicht für die aktive Gastronomie bzw. Landwirtschaft gemacht ist, verstehe. Da ich nicht mehr in der Heimat wohne, mich beruflich nach wie vor mit der grünen Branche im weitesten Sinne befasse und ich meine Eltern und meine Schwester sehr gut kenne, kann ich den Prozess beratend begleiten. So bin ich oft Sparringspartnerin für Christina, wenn sie über ihre Ideen für den GeHo reden mag oder ich stehe als eine Art Übersetzerin für beide Seiten zur Verfügung. Voraussetzung dafür, dass ich diese Rolle, die mir große Freude bereitet, einnehmen darf ist, dass alle Beteiligten offen miteinander umgehen und auch ihre Ängste und Sorgen aussprechen, und dass besonders Christina mir vertraut, dass ich bei meiner Entscheidung gegen die Hofnachfolge bleibe.

Christina kommt von einem landwirtschaftlich-gastronomischen Hof, hat ihren Bachelor in Betriebswirtschaftslehre in der Tasche und steht nun vor der Frage aller Fragen: "Soll ich den Betrieb übernehmen oder nicht?" Auf Hofheld nimmt sie Dich mit auf den Weg zu ihrer Entscheidung.

Für Kathrin ist es wichtig, jederzeit zu ihren Wurzel zurückkehren zu können. Foto: privat

In unserem Fall sind diese Voraussetzungen gegeben und ich habe den Eindruck, dass alle Beteiligten ihre Stärken in den Prozess einbringen und diesen mitgestalten können. Das hilft auch mir sehr, denn so kann ich weiter Teil des GeHos sein, ohne auf die Verwirklichung meiner Vorstellungen für mein Leben verzichten zu müssen. Dafür bin ich sehr dankbar und deswegen freue ich mich ungemein auf die weiteren Schritte und bin sehr auf die zukünftigen Entwicklungen gespannt.

Eure Kathrin

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Beitragsbild: Karin Poltoraczyk

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