Bei Martin Volke steht Tierwohl an erster Stelle: viel Platz für die Mastschweine, eine ausgeklügelte Buchtenstruktur, Ringelschwänze und der Verzicht auf Antibiotika sind nur ein paar Punkte, die er umsetzt. Für sein Konzept belohnte ihn die Jury des CeresAward 2019 mit dem Sieg in der Kategorie Schweinehalter.

So geht moderne Mastschweinehaltung

Bei Martin Volke steht Tierwohl an erster Stelle: viel Platz für die Mastschweine, eine ausgeklügelte Buchtenstruktur, Ringelschwänze und der Verzicht auf Antibiotika sind nur ein paar Punkte, die er umsetzt. Für sein Konzept belohnte ihn die Jury des CeresAward 2019 mit dem Sieg in der Kategorie Schweinehalter.

Seit er 21 ist, er studierte noch, ist Martin Volke für die komplette Landwirtschaft auf dem traditionsreichen Familienbetrieb im hessischen Fritzlar zuständig. Dazu gehören mittlerweile neben 140 ha Land, davon 13 ha Gemüse, gut 1.800 Mastschweine und 2.400 Legehennen. Im Grunde genommen dreht sich aber alles um die Schweine. Das Besondere dabei: Der heute 28-Jährige mästet schwere Metzgerschweine mit einem Schlachtgewicht von bis zu 130 kg, die über den familieneigenen Hofladen und auf Wochenmärkten sowie über Catering und Schulverpflegung vermarktet werden.

Letztere Einkommensquellen sind derzeit allerdings aufgrund der Coronakrise weitgehend weggebrochen, was den Betrieb wirtschaftlich vor eine harte Belastungsprobe stellt. „Wir setzen aber alles daran, keinen unserer Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken oder gar zu entlassen. Schließlich haben wir auch in schlechteren Zeiten eine Fürsorgepflicht für unsere Angestellten“, betont der Landwirt. Er hofft, mithilfe von Eigenkapital und staatlichen Coronahilfen zumindest die größten Löcher stopfen zu können.

Tierwohlstall selbst geplant

Herzstück des Betriebs ist der neue Maststall für rund 1.200 Schweine. Martin Volke hat ihn im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der Fachhochschule Soest selbst geplant und bis auf die Erdarbeiten und das Dach auch weitgehend in Eigenleistung gebaut. Der 2016 in Betrieb genommene Stall steht für Tierwohl, Energieeffizienz und Transparenz und wurde zu 40 Prozent vom Land Hessen gefördert.

Der junge Landwirt bietet seinen Mastschweinen ab 80 kg ein großzügiges Platzangebot von 1,3 m² pro Tier. Bereits beim Aufstallen stehen den 30-kg-Ferkeln jeweils 1,1 m² zur Verfügung. Das liegt deutlich über den gesetzlichen Vorgaben. „Damit schaffen wir auch die Grundlage für eine gute Buchtenstruktur, sodass die Tiere zwischen verschiedenen Bereichen wie Fressen, Liegen, Spielen oder Abkoten wählen können“, erklärt Martin.

Bei Martin Volke steht Tierwohl an erster Stelle: viel Platz für die Mastschweine, eine ausgeklügelte Buchtenstruktur, Ringelschwänze und der Verzicht auf Antibiotika sind nur ein paar Punkte, die er umsetzt. Für sein Konzept belohnte ihn die Jury des CeresAward 2019 mit dem Sieg in der Kategorie Schweinehalter.

In gut strukturierten Buchten können die Schweine zwischen verschiedenen Bereichen wie Fressen, Spielen, Liegen oder Abkoten wählen. Foto: Timo Jaworr

Hierzu experimentiert er auch viel. So hat er zum Beispiel Stichwände in die Buchten eingebaut, um einen extra Kotbereich zu schaffen oder neuerdings vier der ursprünglichen 25er-Buchten zu einer Bucht á 100  Tiere zusammengelegt. Die bisherigen Erfahrungen seien durchweg positiv.

Dass die Schweine sich wohlfühlen, dafür sorgt auch ein ausgeklügeltes Stallklima. Im Sommer gelangt die Zuluft über sogenannte Kühltürme an den Giebelseiten des Stalls in den Zentralgang und von dort in die Abteile. „Damit gelingt es uns, an heißen Tagen die Temperatur der Zuluft um bis zu 10 °C zu senken und so den Hitzestress für die Tiere zu mindern“, sagt er. Für ein gutes und vor allem auch energieeffizientes Stallklima sorgen zudem Luft-Luft-Wärmetauscher und eine zentrale Abluftführung mit Frequenzumrichtern.

Heu, Hafer und Ringelschwänze

Während in vielen Betrieben Stroh als Beschäftigungsmaterial für die Schweine genutzt wird, bietet Martin Volke seinen Tieren Wiesen- und Luzerneheu an, das er selbst anbaut. „Heu ist ernährungsphysiologisch besser und birgt im Gegensatz zu Stroh kein Risiko für Mykotoxine und Salmonellen“, betont der Landwirt. Gerade Letztere wären für den Betrieb, der mittlerweile rund 60 Prozent der Schlachtschweine selbst verarbeitet, ein Desaster.

Stichwort Metzgerschweine: Für eine bessere Fleischqualität setzt der Mäster auf ein gemäßigtes Wachstum mit Tageszunahmen von 830  bis maximal 870 g. „Das Fleisch der schwereren, nicht zu intensiv gewachsenen Tiere ist fester und rötlicher und hat auch eine bessere Safthaltefähigkeit“, erklärt der Schweinehalter.

Bei Martin Volke steht Tierwohl an erster Stelle: viel Platz für die Mastschweine, eine ausgeklügelte Buchtenstruktur, Ringelschwänze und der Verzicht auf Antibiotika sind nur ein paar Punkte, die er umsetzt. Für sein Konzept belohnte ihn die Jury des CeresAward 2019 mit dem Sieg in der Kategorie Schweinehalter.

Martin und sein Vater Erwin Volke vermarkten ihre Schlachtschweine zum Großteil selbst. Foto: Timo Jaworr

Um ein Verfetten zu verhindern und die angestrebten Magerfleischanteile von 60 bis 64 Prozent zu erreichen, füttert er in der Endmast sehr energiereduziert und spart auch bei Eiweiß und Phosphor. Neuerdings setzt er dazu auch Hafer ein, der noch mehr Rohfaser in die Ration bringt und sich nach seinen Erfahrungen positiv auf die Darmgesundheit der Tiere auswirkt.

Auf erste Erfolge kann Martin Volke bei der Haltung von Langschwanzschweinen verweisen. Hier zahlen sich seine umfangreichen Maßnahmen für mehr Tierwohl aus. Gleichwohl ist er ständig am Tüfteln, um die Risikofaktoren für Schwanzbeißen weiter zu minimieren. Hierzu trägt auch ein ausgefeiltes Hygiene- und Gesundheitsmanagement bei. Für ihn ebenso wichtig ist der Verzicht auf Antibiotika im Stall.

All dies will der junge Betriebsleiter auch der Öffentlichkeit vermitteln. Dazu hat er im neuen Stall einen Besucherraum eingebaut, in dem große Fenster einen guten Einblick in ein Mastabteil bieten. Regelmäßig – mit Ausnahme von Coronazeiten – bietet Martin Volke Stallführungen an, bei denen sich die Kunden des Hofladens, andere Interessierte und Schulklassen ein ungeschminktes Bild über die Haltung seiner Schweine machen können.

Beitragsbild: Timo Jaworr

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