Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Mit A2-Milch der Laktoseintoleranz trotzen

Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Originalbeitrag von Markus Pahlke, agrarheute

Am Anfang standen Bauchschmerzen. „Ich würde die Milch ja kaufen, wenn ich sie vertragen würde“, sagte ein Kunde zu Andreas Kraus. Der Mann wollte bei dem Landwirt Eier kaufen und wartete vor dessen Milchautomaten. Das brachte Kraus auf eine Idee. Kurz zuvor hatte er von einem Besucher aus Neuseeland erfahren, dass dort für den chinesischen Markt eine besser verträgliche Milch erzeugt wird: die sogenannte A2-Milch, benannt nach einer Kaseinvariante. Warum sollte er das nicht auch probieren?

Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Das Melken übernimmt bei Andreas ein Robotersystem mit vier Boxen. Foto: Timo Jaworr

Andreas Kraus begann Ohrstanzproben von seinen Tieren zu nehmen, um zu überprüfen, wie viele Kühe in der Herde das reinrassige A2/A2- Merkmal haben. Bei einem guten Drittel war dies der Fall. Nur von diesen Tieren vermarktet er die Milch entsprechend. „Der nächste Schritt war, Menschen mit einer Laktoseunverträglichkeit dazu zu bringen, es noch einmal mit unserer Milch zu versuchen“, schildert Andreas Kraus. Ihn und seinen Vater Georg Kraus überzeugte es, als ein Neffe von Andreas Kraus, der ebenfalls eine Laktoseintoleranz hat, die Milch problemlos vertrug.

Mit A2-Milch in die Supermärkte

Der Betrieb hatte schon 2016 begonnen, Milch an einem Abfüllautomaten ab Hof zu vermarkten. Rund 60 l holen die Kunden täglich direkt ab. Vor mehr als einem Jahr begann Andreas Kraus, seine A2-Milch in Supermärkten zu vermarkten. Bis Juni letzten Jahres hatte er schon 3.000 l verkauft und es wurde immer mehr.

Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Die A2-Milch von Andreas wird in verschiedenen Supermärkten angeboten. Foto: Timo Jaworr

Dabei sei die Vermarktung kein Zuckerschlecken. „Die A2-Milch ist vor allem für Menschen interessant, die Laktose nicht vertragen. Die muss man erst einmal erreichen“, erläutert Andreas Kraus. Er ist für diese Mission häufig unterwegs. Rund zwei Tage in der Woche veranschlagt er für die Organisation und Werbung in Sachen A2-Milch. Daher hat er sich auch dazu entschlossen, die Milch nicht selbst zu verarbeiten, sondern mit einer Molkerei zusammenzuarbeiten. Dort wird die Milch pasteurisiert, abgefüllt und anschließend an den Einzelhandel ausgeliefert. Kraus erfasst die Milch getrennt und lagert sie in einem Extra-Tank. Die getrennte Erfassung übernimmt sein automatisches Melksystem.

Kollegen sind kritisch

Das ist wichtig, denn A2-Milch ist ein geschützter Begriff, den man sich nicht einfach auf die Milchverpackung schreiben kann. Die neuseeländische Molkerei A2-Company hat sich die Markenrechte sehr umfassend geschützt, doch Kraus hat sich von den Neuseeländern zertifizieren lassen und darf damit werben.

Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Für den Wohlfühleffekt der Tiere sorgt auch der Anteil an Strukturfutter in der Ration. Foto: Timo Jaworr

Nicht alle Berufskollegen finden die neue Unterscheidung in A1- und A2-Milch gut. Einige finden, dass damit dem Produkt Milch eher Schaden zugefügt werden könnte. Andreas Kraus kann das nicht verstehen. „Wir schaffen letztlich einen Markt für Verbraucher, die bisher keine Milch trinken konnten. Damit machen wir die Nachfrage breiter“, argumentiert der 35-jährige Milchviehhalter.

Auf dem Markt wirbt er mit dem Begriff „Wohlfühl-Milch“. Damit will er zum Ausdruck bringen, dass die Milch keine Probleme beim Trinken macht, aber auch, dass sich die Kühe bei ihm wohlfühlen.

Zucht auf A2

Dass sie das tun, ist beim Gang durch den Stall gut zu erkennen. Im Stall sind nur die großen Deckenventilatoren zu hören. Die Tiere lassen sich durch nichts aus der Ruhe bringen. Das Liegeangebot umfasst Tiefliegeboxen im Stall und Freiliegeboxen in einem Cucettenanbau, der den Laufhof zum Roboter abgrenzt. Die drei Ställe, die in den letzten 20 Jahren nach und nach gebaut wurden, fassen sowohl das Milchvieh und die Aufzuchtkälber als auch die Rinder.

Jetzt sind Vater und Sohn dabei, die Zucht noch stärker auf A2-Milch zu optimieren. Das sei auch kein großes Risiko. Es gebe genügend A2-Bullen, die man einsetzen könne. Damit habe man jedoch noch keine Gewissheit auf Reinerbigkeit, da A2 rezessiv weitervererbt werde. Dazu komme noch, dass nicht jedes reinerbige A2-Tier für die Zucht interessant sei.

Nicht jeder kann Milch unbeschwert genießen. Hier hat Landwirt Andreas Kraus, CeresAward-Preisträger aus Deubach bei Augsburg, seine Nische gefunden und vermarktet die sogenannte A2-Milch.

Andreas Kraus schafft mit seiner A2-Milch einen Markt für Verbraucher, die bisher keine MIlch trinken konnten. Foto: Timo Jaworr

Kurzum: Das Durchzüchten der Herde ist ein langwieriges Unterfangen. Einen Markt für A2-Tiere gebe es derzeit auch noch nicht. Eine kleine Nachfrage nach A2-Deckbullen bestehe in Österreich und den Niederlanden. „Wenn wir einen A2-Bullen mit einem Zuchtwert von über 115 haben, lässt der sich in aller Regel gut vermarkten“, erläutert der Senior Georg Kraus.

Wenn Andreas Kraus an die Zukunft denkt, steht vor allem das Optimieren im Vordergrund. Das gilt sowohl für den Betrieb und die Haltung als auch die Zucht und die Vermarktung der A2-Milch. Auch wenn bei Letzterer die Investitionen noch nicht verdient sind, glaubt er an den langfristigen Erfolg. Angst hat er nur davor, dass andere Betriebe ebenfalls in den Markt einsteigen und durch Schlamperei das Produkt A2-Milch in Misskredit bringen könnten.

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