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Magdalena Zelder hat zusammen mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Betrieb gekauft. Anfangs mussten sie einige Rückschläge meistern. Doch sie haben es geschafft die Legehennenhaltung und die Öffentlichkeitsarbeit als neue Standbeine aufzubauen.

CeresAward: Die Junglandwirtin des Jahres 2019

Magdalena Zelder hat zusammen mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Betrieb gekauft. Anfangs mussten sie einige Rückschläge meistern. Doch sie haben es geschafft die Legehennenhaltung und die Öffentlichkeitsarbeit als neue Standbeine aufzubauen.

Beitrag zuerst erschienen in agrarheute März 2020.

Flimmernd bedeckt die heiße Luft den trockenen Boden. Es ist ruhig hier in Wittlich-Bombogen in Rheinland-Pfalz. Keine Motorengeräusche, keine Stimmen – es ist einfach zu heiß, um sich draußen aufzuhalten. Den Hennen von Magdalena Zelder bleibt nichts anderes übrig. Im Schatten unter ihrem Mobilstall suchen sie Schutz vor der Hitze. Ab und zu bequemt sich eine von ihnen zum Wasserbad, um sich etwas Abkühlung zu verschaffen.

Die Legehennenhaltung gehört erst seit 2015 zum Betriebskonzept der Junglandwirtin des Jahres 2019 und ihres Mannes. Der Schritt war wichtig, um den Hof zu ihrem Hof zu machen. Von den beiden ist keiner auf diesem Betrieb aufgewachsen. Statt klassischer, innerfamiliärer Hofnachfolge hieß es für Magdalena und ihren Mann Existenzgründung. Beide konnten die Betriebe ihrer Eltern nicht übernehmen. So haben sie sich im Februar 2013 dazu entschlossen, den Berlingerhof zu kaufen und als GbR zu führen.

Magdalena Zelder hat zusammen mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Betrieb gekauft. Anfangs mussten sie einige Rückschläge meistern. Doch sie haben es geschafft die Legehennenhaltung und die Öffentlichkeitsarbeit als neue Standbeine aufzubauen.

Magdalena Zelder hat mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Milchviehbetrieb gekauft. Foto: Jaworr

Die 31-Jährige tritt aus der Haustür des Wohnhauses, um nach ihren Hennen zu sehen. Sie überquert die kleine Straße, die die Hofstelle von der Wiese trennt, und geht geradeaus auf das selbstgebaute Legehennenmobil zu. „Angefangen haben wir hier nur mit den 48 Kühen vom Vorbesitzer“, erzählt sie. Deren Klauen waren in suboptimaler Verfassung und bei der Fütterung war noch einiges rauszuholen. Beides hat das Ehepaar angepasst. So konnten sie die Milchleistung ziemlich flott steigern. Dennoch fiel der Entschluss, den spezialisierten Betrieb breiter aufzustellen, wenige Monate nach dem Kauf des Betriebs.

Abenteuer Betriebsleiter

„Die ersten vier Jahre waren finanziell abenteuerlich“, gibt die dreifache Mutter zu und füllt – beim Mobilstall angekommen – frisches Wasser in das Bad ihrer Hühner. Zum einen war da die Milchkrise. Zusätzlich stellte sich heraus, dass ihre Milchviehherde nicht so gesund war, wie es trotz fachmännischer Herdenbeurteilung beim Kauf den Anschein hatte. Sie und ihr Mann mussten fast alle Jungrinder und Kühe schlachten lassen.

„Wir haben bei der Finanzierung unseres Betriebs natürlich nicht eingeplant, zusätzlich noch Milchvieh zu kaufen.“ Und es ging noch weiter: „Kurz nach dem Einzug mussten wir unvorhergesehen die komplette Elektrik auf dem Hof erneuern. Außerdem verloren wir 20 ha unserer Flächen wegen des Hochmoselübergangs.“ Die Ausgleichsflächen dafür wurden alle auf die Flächen des Berlingerhofs gelegt, da alle dachten, dass es hier mangels eines innerfamiliären Nachfolgers nicht weitergehen würde.

Magdalena Zelder hat zusammen mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Betrieb gekauft. Anfangs mussten sie einige Rückschläge meistern. Doch sie haben es geschafft die Legehennenhaltung und die Öffentlichkeitsarbeit als neue Standbeine aufzubauen.

Den Betrieb führt Magdalena Zelder gleichberechtigt mit ihrem Mann als Gbr. Foto: Jaworr

Nachdem das Wasserbad gefüllt ist, schaut die Landwirtin noch unter den Mobilstall. Faul heben einige Hennen ihre Köpfe; die meisten schlafen. Magdalena Zelder ist zufrieden. Trotz aller Rückschläge haben sie und ihr Mann sich nicht unterkriegen lassen. Wegen des Flächenverlusts haben sie den Betrieb von Magdalenas Eltern im Saarland gepachtet. Dort kümmert sich nun ihr Vater um die tragenden Rinder und ein Lohnunternehmer bewirtschaftet die Flächen. Ihre Milchviehherde haben sie auf 90 Kühe aufgestockt und die Leistung von 5.500 auf 9.500 kg pro Kuh und Jahr gesteigert. „Außerdem fangen wir an, unsere Herde zu remontieren. Wir haben seit zwei Jahren keine Kuh mehr kaufen müssen; das macht echt Spaß.“

Standbein Legehennen

Um in Situationen wie der Milchkrise finanziell unabhängiger zu sein, sollte zusätzlich ein neues Betriebsstandbein her. Welches das sein soll, war schnell entschieden. Magdalena und ihr Mann haben sich am Bedarf der Verbraucher in ihrer Region orientiert und bauten sich 2015 den ersten Mobilstall für 120 Legehennen. Eier ab Hof gab es hier bisher noch nicht.

Die Entwicklung zeigt, dass sie richtig lagen. „Nur drei Monate nach dem ersten Hühnermobil bauten wir das zweite, weil die Eier hinten und vorne nicht reichten. Ein Jahr später haben wir dann ein drittes Hühnermobil gekauft“, sagt Magdalena Zelder, die mittlerweile Herrin über 720 Hühner ist.

Magdalena Zelder hat zusammen mit ihrem Mann vor sieben Jahren einen Betrieb gekauft. Anfangs mussten sie einige Rückschläge meistern. Doch sie haben es geschafft die Legehennenhaltung und die Öffentlichkeitsarbeit als neue Standbeine aufzubauen.

Ihre Eier verkauft Magdalena Zelder in ihrem Selbstbedienungshofladen. Foto: Jaworr

Davon überzeugt, dass es ihren Tieren gut geht, sucht sie im Nest nach Eiern. Diese vermarktet sie hauptsächlich in ihrem Selbstbedienungshofladen, ebenso wie Nudeln aus hofeigenen Eiern, Joghurt eines regionalen Betriebs, Wurst von Jägern aus dem Ort, Kartoffeln vom Nachbarbetrieb und eigener Milch. Dazu gibt es besondere Verkaufsaktionen. „Wenn wir ein Hühnermobil leer machen, gibt’s einen Tag lang Suppenhühner. Einmal im Quartal bieten wir auch Rindfleisch an.“

Weil der Laden bereits nach kurzer Zeit sehr gut lief, gründete sie zusammen mit der Grüngutannahmestelle, die sie vom Vorbesitzer übernommen hat, ein Gewerbe. Dazu gehört noch ein weiterer, neuer Betriebszweig: der Lernort Bauernhof. „Wir hatten von Anfang an Schulklassen auf dem Betrieb. Anfangs noch kostenlos, mittlerweile gegen Bezahlung. Hofführungen sind ja trotz allen Spaßes Arbeitszeit, die uns in den anderen Betriebszweigen fehlt. In Stoßzeiten vor den Sommerferien oder im Herbst haben wir immerhin drei bis vier Klassen pro Woche hier.“ Darüber hinaus betreut Magdalena Zelder drei individuelle Projekte mit Kitas, außerdem ist eine Bauernhofkita geplant.

Ein Motorengeräusch durchbricht die Stille. Magdalena Zelder schaut zur Hofstelle. Eine Kundin kommt, um sich mit Eiern einzudecken. Sie hebt die Hand und grüßt die Landwirtin. Diese winkt fröhlich zurück und sieht zufrieden zu, wie die Kundin im Hofladen verschwindet. Sie hat es geschafft, den fremden Hof zu ihrem Zuhause zu machen und zeigt, wie man mit Einfallsreichtum, Kundenorientierung und einer extra Portion Herzblut die Hürden einer Existenzgründung überwindet.

Weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

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