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Einzigartig nachhaltig – mit Direktvermarktung in die Zukunft

Unverwechselbare Produkte, neue Anbauverfahren, direkter Draht zum Kunden – Luc Emering, Gewinner des CeresAward 2018 in der Kategorie Junglandwirt, entwickelt seinen Betrieb im Luxemburgischen Sprinkange gezielt weiter. Wir zeigen nehmen Euch auf seinen Betrieb mit.

Quantität für den Weltmarkt oder Qualität für die Region – für Luc Emering und seine Familie ist die Richtung klar: „Man muss dem Kunden etwas bieten, das er sonst nirgendwo kriegt, dann hat man auch als kleinerer Betrieb eine gute Chance“, erklärt der 22-jährige CeresAward-Finalist, während er mit der Hand ein paar Nudeln auffängt, die aus einer seiner Hand fallen. Und tatsächlich sind diese Nudeln etwas ganz Besonderes. Das liegt einerseits an dem Dinkel, aus dem sie gemacht sind. Der kommt nämlich ausschließlich von den Äckern rund um Emerings Hof in Luxemburg.

Nudelmaschinen in Richtung Trockenschale

Spannender aber sind die Eier. Die produziert Emering nicht selbst – er hat schließlich nur Masthähnchen in seinen Ställen. Aber regional sind sie trotzdem und noch viel wichtiger: Sie sind Ausschussware. In die Dinkelnudeln kommen nur Eier von umliegenden Biolegehennenbetrieben, die der Lebensmittelhandel nicht klassifiziert, sprich die nicht in das Größenmuster S, M, L, XL passen. „Würden wir sie nicht verarbeiten, würden sie entsorgt werden – welch eine Verschwendung.“  Vor sechs Jahren haben Emering und seine Familie mit der Nudelproduktion auf dem Hof angefangen. Mittlerweile produzieren sie 500 kg in der Woche. Davon geht ein Drittel über den Zusammenschluss der Luxemburger Biobauern unter der Marke „BIOG“ an den Großhandel. Den Rest verkaufen die Emerings als „Dudel-Magie“ direkt ab Hof. Langfristig wollen Vater und Sohn die Nudeln aber zu 100 Prozent direkt vermarkten.

Seid sechs Jahren erzeugt die Familie Nudeln auf dem Betrieb. Sie produzieren rund 500 kg pro Woche. Quelle: Jaworr

Weg vom Großhandel

„Die Produktion hat ihr gesundes Maximum erreicht. Nur mit Menge können wir den Umsatz nicht mehr steigern. Die Wertschöpfung ist bei unserer Eigenmarke etwas höher. Darum wollen wir vom Großhandel weg.“ Ob eine eigene Eierproduktion die Wertschöpfung erhöhen würde? „Ja, aber das verstößt gegen unsere Prinzipien. Wir verarbeiten ja aussortierte Eier, die sonst keiner will. Wo sollen die denn dann hin?“, antwortet der Junglandwirt. Es gehe ja schließlich um die Nachhaltigkeit.

Dieser Aspekt spielt auch im Hähnchenstall oder viel mehr in den Hähnchenställen auf dem „Bio-Haff An Dudel“ eine große Rolle. In drei Hallen verbringen je 4.000 Hähnchen der langsam wachsenden Rasse „Sasso“ den Großteil ihrer 80 Tage Lebenszeit. Zum Vergleich: Der deutsche Durchschnitt liegt bei rund 35 Tagen. Was beim Blick durch das Tor sofort auffällt: Im Stall ist es ruhig. „Das kommt daher, dass wir weibliche und männliche Tiere zusammen halten. Das macht die Herde entspannter“, sagt der Junglandwirt. „Die Weibchen sind zwar etwas kleiner als die Männchen, aber wir haben viele Kunden, die genau das schätzen. Für eine oder zwei Personen passt die Größe gut.“

Auf dem Betrieb von Luc Emmering ist es sehr ruhig im Stall. Sie halten männliche und weibliche Tiere zusammen –  das macht die Herde entspannter. Quelle: Jaworr

Das ganze Tier

Luc Emering und seinem Vater Marc ist es wichtig, dass das ganze Tier verarbeitet wird. Während die Weibchen meist als ganze Tiere verkauft werden, werden die Männchen eher zerlegt und unter anderem als Hälften, Filets, Schenkel, Flügel, Burger-Pattys oder Bestandteil von Bolognese-Sauce auf Vorbestellung und im Hofladen verkauft. Das trifft auf etwa zwei Drittel der jährlich 37.000 Masthähnchen zu. Ein Drittel verkaufen die Emerings über lokale Supermärkte.

Auf dem Emering’schen Hof kümmert sich der 22-jährige Luc nicht nur gemeinsam mit seiner Tante um die Nudelproduktion. Er ist auch der Ackerbaustratege. Auf gut 60 ha wechseln sich hauptsächlich Dinkel, Brotweizen, Futtergetreide und Kleegras ab. Aber auch – zumindest für Luxemburger Verhältnisse – Exotischeres findet sich in unmittelbarer Nähe des Betriebs: Kürbisse und Soja. Erstere baut Emering auf 1 ha für den Direktverkauf an: „Das ist vom Aufwand her überschaubar. Die Kürbisse reifen ja nicht alle gleichzeitig ab. So müssen wir nur regelmäßig durchgehen, die reifen rausnehmen und direkt in den Laden bringen.“

In der Zukunft würde der Ceres-Finalist gerne noch in eine Ölfrucht investieren. Das wäre dann wieder ein neues Produkt für den Hofladen. Quelle: Jaworr

Sojaanbau in den Kinderschuhen

Der Sojaanbau befindet sich momentan im Versuchsstadium. Im Rahmen des Projekts LeguTec hat Luc Emering gemeinsam mit dem Luxemburger Institut für Biologische Landwirtschaft und Agrarkultur und weiteren Partnern ein Versuchsfeld mit mehreren Parzellen angelegt. „Die Sojabohne ist ein guter Eiweißlieferant. In Luxemburg gibt es aber nur wenig Erfahrung damit.“ Je einen Teil der Parzellen hat Emering mit Breit- und Mulchsaat angelegt und anschließend mit und ohne GPS-Hacke bearbeitet, um die beste Strategie zu finden.

Für die Zukunft liebäugelt Luc Emering auch mit einer Ölfrucht. „Raps würde gut in die Fruchtfolge passen. Das Öl wäre wieder ein neues Produkt für den Hofladen, das es so nirgends geben würde.“

In drei Hallen verbringen je 4.000 Hähnchen der langsam wachsenden Rasse „Sasso“ den Großteil ihrer 80 Tage Lebenszeit. Quelle: Jaworr

Zur Person

Obwohl Luc Emering erst 22 Jahre alt ist, übernimmt er schon viel Verantwortung – für sich, in der Familie, auf dem Betrieb und in der Gemeinde. Den „Bio-Haff An Dudel“ betreibt seine Familie in vierter Generation – der Junglandwirt Luc im Sommer in Vollzeit und im Winter in Teilzeit. Neben der Arbeit auf dem Hof studiert er jeweils im Wintersemester Landwirtschaft an der Fachhochschule in Bingen. Auf dem Betrieb kümmert sich der Junglandwirt vornehmlich um die Nudelproduktion und -vermarktung sowie den Ackerbau. Daneben ist er seit drei Jahren im Vorstand der Landjugend aktiv, Präsident der Umweltkommission der Gemeinde Sprinkange und seit Oktober 2017 Mitglied des Gemeinderats.

Weitere Informationen auch über den Ceres Award findest Du auf agrarheute.com und  in der Märzausgabe von agrarheute.

agrarheute Cover Magazin März 2019WhatsApp-LogoMelde Dich jetzt für den WhatsApp-Newsletter an und bekomme die aktuellen Beiträge von Hofheld bequem aufs Handy!

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