Eier ohne CO2-Fußabdruck

Fabian Häde setzt auf die Null. Der Geflügelhalter und CeresAward-Gewinner 2019 in der Kategorie Geflügelhalter will Eier ohne CO2-Fußabdruck erzeugen.

Originalbeitrag von Martina Hungerkamp, agrarheute

Eier an sich sind schon eine halbwegs runde Sache. Fabian Häde will sie ganz rund machen. Er möchte Bioeier erzeugen, die keinen CO2-Fußabdruck hinterlassen. Während andere also über Regionalität und Bio sprechen, ist er bereits einen Schritt weiter. Er hat ein gutes Gespür für das, was Verbraucher beschäftigt: Klimawandel und Ressourcenschonung.

Den Verbraucherwünschen ganz nah – Fabian Häde und sein Vermarktungskonzept. Foto: Jaworr

Null CO2 pro Ei

„Um 0g CO2 pro Bioei zu realisieren, müssen wir in regionalen Kreisläufen denken“, sagt der 32-jährige Geschäftsführer des Familienbetriebs Mustergeflügelhof Leonhard Häde in Alheim (Hessen), den er zusammen mit seinem Vater Leonhard führt. Sein Vater hat die Erfahrung und er die Visionen und den Tatendrang.

„Zusammen sind wir ein unschlagbares Team“, sagt er. „Wenn mir die nötige Ruhe fehlt, kommt er mit seiner Coolness.“ Der Junglandwirt ist in den Betrieb hineingewachsen. Seine Stärken sind das Entwickeln von Konzepten und Visionen. Das Ergebnis sind hochwertige Bioprodukte rund ums Ei und Geflügel.

Fabian Häde ist Geschäftsführer des Betriebs, den er mit seinem Vater Leonhard führt. Foto: Jaworr

Seine Arbeit fängt ganz vorn im Stall bei den Hennen an. Jeden Tag schaut Fabian Häde dort nach dem Rechten. „Das läuft wunderbar. Morgens steht meist die Büroarbeit an. Nachmittags habe ich Zeit für die Tiere. Meine Arbeit ist auch mein Lebensinhalt und macht mich sehr zufrieden“, sagt Fabian Häde.

Fabian Häde ist nicht nur Geflügelhalter, sondern auch Energielandwirt und Manager – das passt zum CO2-Projekt und zur strategischen Ausrichtung. Er betont, dass der Betrieb nichts aus Gründen des sogenannten Greenwashings macht. „Bei uns ist alles gläsern. Jeder soll nachvollziehen können, wie wir diesen geringen Foodprint erreichen wollen.“ Einen Ausgangswert zu bennen, fällt trotzdem schwer. Ganz grob kann man für ein Bio-Freilandei einen CO2-Foodprint von 200 g angeben. Aber Eier werden unterschiedlich erzeugt und der Wert hängt sehr davon ab, was man mit reinrechnet. Deshalb überlegt Fabian Häde genau, was alles zu einem CO2-neutralen Ei gehört und wo man sich abgrenzen muss. „Klar ist, dass wir das Futter und den Wirtschaftsdünger mitbetrachten und versuchen, die Kreisläufe möglichst regional zu schließen.“

In der betriebseigenen Packstelle werden pro Jahr rund 15 Mio. Bioeier verpackt. Foto: Jaworr

Fabian Häde hat auch mit dem Anbieter der Eierverpackungen gesprochen. Erfolgreich, denn die Umstellung auf eine CO2-neutrale Verpackung kostet ihn nur 0,7 Prozent mehr. So will Fabian Häde das nachhaltigste Ei Deutschlands erzeugen und ist auf einem guten Weg, einen Fußabdruck von 0 g CO2 pro Ei zu erreichen. „Unser Ziel ist es, über Transparenz und Rückverfolgbarkeit der Erzeugnisse den Kunden gegenüber glaubwürdig auftreten zu können“, sagt Fabian Häde. Deshalb pflegt er die eigene Homepage www.mustergefluegelhof.de und betreibt den Facebook- und Instagram-Kanal.

Direkt ab Hof – Transparenz ist für den Ceres-Gewinner wichtig.  Foto: Jaworr

Schon seine Eltern und Großeltern waren Vorreiter: 1975 stellten seine Eltern auf bio um. Damals gab es noch keinen Verband, geschweige denn das EU-Biosiegel. Zusammen mit ihrem Abnehmer haben sie die Kriterien entworfen. Heute ist der Betrieb Naturland-zertifiziert, hält 36.000 Legehennen, betreibt eine eigene Packstelle und vermarktet 15 Mio. Bioeier im Jahr. Dazu kooperiert der Junglandwirt mit drei Legehennenhaltern in seiner Umgebung, die ebenfalls für ihn Eier erzeugen.

Der 32-jährige ist von Beginn an in den Betrieb hereingewachsen. Foto: Jaworr

Um in möglichst engen Kreisläufen zu wirtschaften und alles aus einer Hand anbieten zu können, kommen die Legehennen bereits als Eintagsküken auf den Hof von Fabian und Leonhard Häde. Das Getreide für seine Hennen erhält der Geflügelhalter direkt von den umliegenden Ackerbauern. Gut 90 Prozent des Hühnertrockenkots gehen erst durch eine biokonforme Biogasanlage, bevor die Gärsubstrate als Dünger für die Landwirte zur Verfügung steht. So schließt er auch hier den Kreislauf und macht eine runde Sache aus der Eiproduktion.

Hahn und Henne

Fabian Häde hat an der Freien Universiät (FU) in Berlin Betriebswirtschaft studiert und anschließend in Eberswalde Öko-Agrarmanagement. In seiner Masterarbeit beschäftigte er sich mit der Wirtschaftlichkeit des Zweinutzungshuhns. Ihn stört die gängige Praxis des Tötens männlicher Eintagsküken.

„Die Kunden müssen verstehen, dass es nicht reicht, die Eier zu kaufen, sondern auch das Fleisch der Hennen und Hähne“, weiß der Landwirt. Foto: Jaworr

Für ihn sind nicht nur die Leistungsdaten wichtig. „Die Tiere sollen sich auch wohlfühlen. Und die Kunden müssen verstehen, dass es nicht reicht, die Eier zu kaufen, sondern auch das Fleisch der Hennen und Hähne.“ Eine weitere Sache liegt ihm am Herzen. In seinem Projekt „’ne runde Sache – zurück zum Glück” versucht er, Hennen und Hähne aufzuziehen und wirtschaftlich zu vermarkten (www.ne-runde.sache.de). Derzeit zieht Fabian Häde wieder 4.000 Hennen und Hähne in einer gemischten Herde groß. Es ist der dritte Durchgang und – wie der Landwirt zugibt – noch nicht das Gelbe vom Ei. „Wer die männlichen Eintagsküken retten will, der muss Fleisch essen.“ Es sei sehr schwer, den ganzen Schlachtkörper zu vermarkten. Ceres-Gewinner Fabian Häde hat sich einer Genossenschaft angeschlossen, um die Bruderhähne zu vermarkten. „Bei aller Ideologie muss ich auch wirtschaftlich denken.“

Fabian Häde schaut täglich selbst nach den Hennen. Foto: Jaworr

Falls mal Eier übrigbleiben, veredelt die Familie sie in der hofeigenen Nudelmanufaktur. Diese steht dort, wo alles anfing: In der Lützelfelderstraße, dem Geburtshaus seines Vaters. „Alles in allem sind wir breit aufgestellt. Das ist mir wichtig, weil es das Risiko senkt und nicht zuletzt meine Arbeit interessanter macht“, sagt Fabian Häde.

JETZT NEU:Um Landwirte vor allem in Zeiten des Corona-Virus mit allen wichtigen Informationen zu versorgen, gibt’s das agrarheute-ePaper jetzt kostenlos. Klick Dich rein!

Cover-agrarheute-April-2020

Instagram-LogoFolge uns auch auf Instagram und werde Teil der Hofheld-Community!

Schreibe einen Kommentar