Phillip Krainbring erläutert Verbrauchern, wie er im Feld arbeitet. Der CeresAward-Sieger will Vorurteile zwischen Konsumenten und Erzeugern abbauen. Wie er das macht und wie er es schafft Fungizide und Insektizide um die Hälfte zu reduzieren, liest Du hier.

„Mein Ziel: Hybridlandwirtschaft“

Erweiterte Fruchtfolgen, optimale Sorten, modernste Biostimulanzien: Phillip Krainbring wählt für die Bewirtschaftung seiner Felder „nur das Beste aus konventionell und bio“. Beim CeresAward wurde er als Ackerbauer des Jahres 2019 ausgezeichnet.

Originalbeitrag von Karl Bockholt, agrarheute.

Wer wissen will, wie Ackerbau heute funktioniert, ist bei Phillip Krainbring richtig. Der Agraringenieur sucht im Dorf und über soziale Medien den Dialog mit Verbrauchern, um seine Arbeit im Feld „ehrlich und anschaulich“ zu erklären. Dafür ist er gut gerüstet: Die Stärke des Holsteiners ist die offene Kommunikation; dafür hat er ein Händchen. Als Erklärbauer mit eigenem Blog oder als Agrarscout beim Forum moderne Landwirtschaft bringt er der Öffentlichkeit seine Arbeit nahe. „Ich suche den Dialog mit den Verbrauchern, um zu verstehen, welche Sorgen und Ängste sie haben“, sagt Phillip. „Sie sind Kunden und wir müssen auf ihre Wünsche eingehen.“

In exklusiven Führungen über den Acker oder in persönlichen Gesprächen gibt er Einblick in seine Bestände, den Boden, die Kulturlandschaft. Sein Anliegen ist der „Dialog auf Augenhöhe“ mit den Konsumenten. Und seine tägliche Arbeit kann sich sehen lassen: In der fruchtbaren Magdeburger Börde bewirtschaftet er als Verwalter rund 440 ha. Dabei tauscht er alle Maschinen mit dem 220-ha-Marktfruchtbetrieb bei Wolfsburg, auf dem sich die Tochter der Besitzerin der Landwirtschaftsunternehmen derzeit in die Betriebsführung einarbeitet.

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Das Handy zum Filmen, Fotografieren oder Aufnehmen hat Krainbring im Acker immer dabei. Foto: Jaworr

Fruchtfolge ordentlich aufgelockert

Der 33-Jährige erklärt alle Arbeitsschritte von Hohendodeleben aus, wo er seit 2016 lebt. Auf sein Konto gehen erweiterte Fruchtfolgen, optimale Sorten und modernste Biostimulanzien – alles neu im Betrieb eingeführt, alles erfolgreich. Auch die vormaligen Berater hat er bald nach dem Start seiner Arbeit gewechselt, weil sie nicht zu seinem Konzept passten. Seine Intention ist, „nur das Beste aus konventionell und bio“ zu wählen, ohne vorsorglich „doppelte Absicherung durch viel Chemie“. Sein „Ziel Hybridlandwirtschaft“ hat die klare Ambition, künftig weniger Pflanzenschutz einzusetzen.

Zum Beispiel favorisiert der Betriebsleiter bei Getreide und Mais heute Saatgut, das mit Elektronen behandelt ist. „Bei Mais klappt das schon zu 100 Prozent.“ Die Elektronenbehandlung tötet samenbürtige Krankheitserreger zum großen Teil ab. Die Mikroorganismenbeize verdrängt bodenbürtige Erreger oder bekämpft sie sogar. Als Starthilfe enthalten die Beizen mit Mikroben oft auch Nährstoffe. So nutzt Phillip Krainbring moderne Biostimulanzien und verzichtet öfters auf synthetische Präparate. Sein Ziel ist es, künftig nur noch rund die Hälfte an Fungiziden und Insektiziden zu spritzen und auf Wachstumsregler komplett zu verzichten.

Phillip Krainbring erläutert Verbrauchern, wie er im Feld arbeitet. Der CeresAward-Sieger will Vorurteile zwischen Konsumenten und Erzeugern abbauen. Wie er das macht und wie er es schafft Fungizide und Insektizide um die Hälfte zu reduzieren, liest Du hier.

Biostimulanzien fördern das Wurzelwerk vom Mais. Foto: Jaworr

Und sein Konzept verfolgt er geradlinig: Die Fruchtfolge im Betrieb hat er schnell durch Mais erweitert. „Das gelang durch die Zusammenarbeit mit der Biogasanlage im Ort“, so der Landwirt. Damit hat er auch Zwischenfrüchte in den Anbau integriert, um künftig Direktsaat zu testen. Zudem hat er mit Getreide für Ganzpflanzensilage (GPS) „quasi eine fünfte Kultur“ im Feld – neben Weizen, Körnerraps, Silo- und seit neuestem Zuckermais, den er direkt verkaufen will, um mit der Kundschaft vor Ort in unmittelbaren Kontakt zu kommen.

An Ideen mangelt es dem Manager nicht. Wegen des „derzeit schwierigen Rapsanbaus“ denkt der CeresAward-Sieger über Bohnen als Begleitpflanzen nach. Oder er weitet den Zuckermais zur Direktvermarktung aus. Oder er probiert Beizung mit Wasserdampf. Oder er dehnt den Anteil an Biologicals aus.

Das Bodenleben zählt

„Biologicals sind für das Bodenleben und die Fruchtbarkeit bei meinem Ansatz sehr wichtig“, sagt Phillip. Deswegen arbeitet er mit Biostimulanzien in allen Kulturen. Vor allem das Produkt Quaterna der Firma Sobac, bei der er als Verkaufsberater gearbeitet hat, steht bei ihm oben auf der Liste. Mehr Bodenleben soll die Nährstoffe mobilisieren und helfen, mineralische Dünger zu reduzieren. 30 Prozent Stickstoff habe er zum Teil schon gespart, „ohne dass die Erträge leiden“, sagt der Ackerbauer.

Bei Mais verzichtet er ganz auf Unterfußdüngung mit Diammonphosphat. „Die Pflanze ernährt sich so mehr aus dem Boden. So ist sie gleichmäßiger mit Nährstoffen versorgt. Das macht sie robuster“, sagt er. Mehr Vitalität bei den Einzelpflanzen – auch bei Wintergetreide – spart Mineraldünger und Wachstumsregler ein, aber auch Fungizide. Bei Getreide liegt Krainbring schon bei „20 bis 30 Prozent weniger Fungiziden“ als zu Beginn seiner Arbeit in der Börde.

Phillip Krainbring erläutert Verbrauchern, wie er im Feld arbeitet. Der CeresAward-Sieger will Vorurteile zwischen Konsumenten und Erzeugern abbauen. Wie er das macht und wie er es schafft Fungizide und Insektizide um die Hälfte zu reduzieren, liest Du hier.

Seit 2016 ist Philip Kleinbring Verwalter der Magdeburger Börde. Foto: Jaworr

Bei den Zwischenfrüchten legt der Verwalter Wert auf blühende Mischungen, die Boden und Insekten dienen. Zur Blüte lockt er auch Schulen und Vereine vor Ort ins Feld. Krainbring tauscht sich auch mit dem Imkerverein Magdeburg rund ums Thema Honig- und Wildbienen aus. So hat er etwa die Blütenspritzung in Raps umgestellt. „Seither spritze ich keine Ammonium-Harnstoff-Lösung mehr in die Blüte.“ Der Grund: „Die Bienen nehmen den Geruch auf. Sie werden von den Wächterbienen nicht mehr erkannt und nicht mehr in den Bienenstock gelassen oder am Eingang getötet.“ Das hat er im Erfahrungsaustausch mit den Imkern gelernt.

Dieser Austausch, das Wissen und Verstehen ist für ihn eine enorme Bereicherung. Phillip Krainbring versucht, sein eigenes Wirtschaften „durch besseres Verständnis an die Verbraucher anzupassen“. Das Beispiel zeigt, wie transparent seine Arbeit durch Facebook oder Instagram ist, aber ebenso vor Ort Projekte mit Schulen oder Imkern bereichert. „Öffentlichkeitsarbeit wird so Teil meiner Unternehmensstrategie.“

Die gesamte Reportage sowie weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben der Januarausgabe findest du in der akutellen Ausgabe der agrarheute.

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