Frau ist sauer

Böser, böser Bauer

Jetzt reicht’s: Wenn Landwirte als „Heimatverräter“ und „Lebewesen- und Naturmisshandler“ beschimpft werden, dann geht das zu weit. Doch leider sieht das nicht jeder so, wie Gastbloggerin Elisabeth weiß.

Mir geht es heute wie Uli Hoeneß bei seiner legendären Wutrede auf der FC Bayern Jahreshauptersammlung – nur ohne Vorstrafe und Wurstimperium.

Aus der Politik und den Verbänden heißt es doch immer, dass Landwirte und Verbraucher einen offenen Dialog führen sollen. Es soll ein friedlicher Konsens mit beiderseitigem Verständnis entstehen. Das bedeutet aber, dass auf beiden Seiten gehandelt und ein Umdenken stattfinden muss. Die Realität sieht leider anders aus. Und wisst Ihr was? Das liegt sicher nicht nur an den Landwirten.

Seitens der Bauern passiert nämlich schon viel: Es werden gläserne Ställe gebaut, Agrarblogs zur Aufklärung geschrieben, Schulklassen auf den Hof eingeladen usw. – und das alles nur, um den eigenen Beruf zu rechtfertigen. Es ist doch wirklich traurig, dass man sich für einen Beruf, vom dem wirklich jeder abhängig ist, weil hierbei Nahrung produziert wird, verteidigen muss. Natürlich hat Tier- und Naturschutz höchste Priorität und hier geschehen wirklich manchmal unschöne Dinge. Aber seien wir mal ehrlich: Schwarze Schafe gibt es leider überall.

Doch was trägt nun der Verbraucher zum Dialog bei? Wir leben in einer Gesellschaft, in der es der Landwirt nicht leicht hat. Da werden die eigenen Kinder für den Beruf der Eltern gemobbt, da wird einem von Tierschützern in die Ställe eingebrochen, da lassen Spaziergänger ihre Hunde in der Wiese, die als Futter für die Tiere dient, ihr Geschäft verrichten. Da wird man von wildgewordenen Veganern auf dem Feldweg angegangen und die Umweltministerin hat nichts Besseres zu tun, als mit Anti-Landwirtschaftskampagnen das eigene Nest zu beschmutzen. Und immer werden die Standardparolen ausgegraben und auf die profitgeilen, übersubventionierten Bauern geschimpft. Ich habe das Gefühl, dass der Dialog eher ein Monlog seitens der Landwirte ist.

Hier würde ich dann gerne Uli Hoeneß zitieren: „Die Scheißstimmung, für die seid ihr doch zuständig und nicht wir. Es kann nicht sein, dass wir uns jahrelang den Arsch aufreißen und dann so kritisiert werden. Was glaubt ihr denn, wer ihr seid?“

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Die Landwirte sollen einerseits ihren Beruf der Gesellschaft näher bringen. Aufklärung bedeutet aber eben auch, dass man auf die Schattenseiten und die Probleme hinweist. Da heißt es dann aber gleich wieder, dass Landwirte nur auf hohem Niveau jammern und Subventionen kassieren können.

Ich schreibe gerne, weil ich Aufklärungsarbeit leisten möchte. Ich hoffe, dass mit jedem Beitrag auf Hofheld oder anderen Plattformen wieder ein paar mehr Menschen verstehen, weshalb die Landwirtschaft so produzieren muss, wie sie es tut. In der Theorie und von außen betrachtet hört sich nämlich alles ganz einfach an: Auf Bio umstellen, die Tierzahlen reduzieren, mehr Klasse statt Masse. Doch so einfach ist das eben nicht – Veränderung braucht Zeit.

Letzte Woche hat der Musiker Hans Söllner auf seiner Facebookseite die Landwirte auf’s Übelste beschimpft. Er bezeichnete sie als „Heimatverräter“ und „Lebewesen- und Naturmisshandler“. Seiner Meinung nach sind alle Bauern nur „geldgierige Lügner“, die die Natur mit ihrem „verseuchten Kuhscheissdreck“ zerstören.

Herr Söllner ist bekannt dafür, dass er gerne schimpft und hierbei auch kein Blatt vor den Mund nimmt. Er hat schon des Öfteren negativ über die Landwirtschaft geschrieben, doch dieses Mal ging das einfach zu weit. Leider haben das bei weitem nicht alle, die diesen Post gelesen haben, so empfunden. Er erfuhr viel Zustimmung und in den Kommentaren wurden die Beschimpfungen oft noch fortgesetzt.

Hans Söllner ist als Musiker (Schuster, bleib bei Deinem Leisten) bekannt geworden und hat auf seiner Facebookseite über 200.000 Fans, von denen höchstwahrschinlich nur ein geringer Prozentsatz landwirtschaftliches Fachwissen besitzt und seine Aussagen nicht wirklich einordnen kann. Agrarblogs haben im Vergleich viel weniger Reichweite, weil die Zielgruppe spezifischer ist. Da kann ein Hofheld-Beitrag, der die Landwirtschaft in ein positives Licht rücken möchte, einfach nicht mithalten.

Ich habe auf diesen Post reagiert und kommentiert. Doch die Landwirte wurden leider von den Söllner-Fans dermaßen an den Pranger gestellt und mit den üblichen Subventions- und Massentierhaltungsvorwürfen konfrontiert, so dass einfach keine Diskussion entstehen konnte. So etwas ist wirklich entmutigend.

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Immer und immer wieder predigen wir in unseren Beiträgen, dass allein der Verbraucher am Regal und vor der Kühltheke entscheidet, wie produziert wird. Die einzige Aufgabe des Konsumenten besteht darin, mehr Geld auszugeben und auf die Qualität sowie die Herkunft der Lebensmittel zu achten. Beim Lebensmitteleinkauf darf es keine Ausnahmen geben – nur wenn konstant auf die qualitativen Aspekte geachtet wird und der Preis nicht mehr im Vordergrund steht, ist es möglich, dass die Landwirte anders produzieren. In dem Fall bestimmt nämlich die Nachfrage das Angebot.

Wir dürfen uns nicht entmutigen lassen, weil die Öffentlichkeitsarbeit so wichtig ist. Man muss es sich nicht gefallen lassen, pauschalisiert für den eigenen Beruf beschimpft zu werden. Es ist wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und auf Angriffe mit vernünftigen Argumenten zu reagieren.

Ach und noch etwas zu Herrn Söllner: Ein paar Tage nach dem bereits erwähnten Post veröffentlichte er Bilder von Schafen auf einem Laster, die er auf der Autobahn gemacht hat. Diese sollten wieder ein Hinweis auf die bösen, bösen Bauern sein. Es stellte sich heraus, dass die Schafe auf dem Weg zu einer Alm waren. Lieber Hans, frag doch in Zukunft einfach mal direkt bei den Landwirten nach, bevor du schimpfst.

 

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