Ackerbau in Australien

Wie ich als Veganerin Landwirtin wurde

Hofheld-Bloggerin Janne ist Quereinsteigerin: früher war sie Veganerin, heute Landwirtin.

Janne Richling

Hofheldin Janne berichtet für Dich aus der ganzen Welt.

Hallo Hofhelden,

Ich bin ein Quereinsteiger. Eine grüne Ex-Veganerin sogar und stehe dazu.

In meinen drei Jahren in denen ich vegetarisch und vegan gelebt habe, habe ich mich irgendwann gefragt, ob denn diese ganzen Bilder aus den Ställen von verschiedenen Organisationen im Internet der Standard sei. Auf dem Dorf aufgewachsen wusste ich natürlich, wie die Kühe, Hühner, Schafe und Pferde auf den umliegenden kleinen Höfen lebten. Aber ist das überall so? Wie sieht es denn bei größeren Betrieben aus? Ich wollte mehr wissen.

Über ein freiwilliges Praktikum in den Schulferien auf einem Hof von Freunden in Schleswig-Hostein habe ich dann das erste Mal so richtig auf einem Bauernhof gearbeitet und gelebt.

Janne Richling war früher Veganerin und ist heute leidenschaftliche Landwirtin.

Ich wollte wissen, wie Tiere auf Betrieben wirklich gehalten werden.

Man was war das eine anstrengende Woche. Um 5 Uhr aufstehen, Kühe wecken und zum Melken schicken. Danach erst gab es Frühstück. Dann ging es wieder raus und auf dem Hof wurden Arbeiten jeglicher Art erledigt: Futter ran schieben und neues Futter mischen, Ausmisten, Kälberbuchten reinigen, Strohbereiche einstreuen, Unkraut im Garten jäten, Himbeeren für den Nachtisch pflücken und so weiter. Nach dem Mittag essen gab es eine Mittagspause, in der die Azubis und der Chef ins Bett gingen. “Pha, Mittagsschlaf. Das fande ich als Kind schon immer ätzend. Sowas brauche ich nicht.”, dachte ich und schlief kurz darauf beim Lesen in der Hängematte ein …

Die Stunde verging wie im Flug und anschließend hieß es Kälber tränken, weitere anfallende Arbeiten erledigen und wieder Melken. Nach dem Abendessen war ich dann reif für’s Bett, denn am nächsten Tag ging es wieder früh raus.

Janne Richling war früher Veganerin und ist heute leidenschaftliche Landwirtin.

Wenn ein gesundes Kalb das Licht der Welt erblickt: unbezahlbar!

Die eine Woche verging ziemlich schnell und ich musste wieder zurück nach Hause und zur Schule.

Während meiner drei Jahre Oberstufe bin ich immer wieder zurück auf den Hof gefahren. Ja, Ferien zu haben wäre entspannter gewesen, aber ich bin lieber aktiv als gelangweilt Zuhause herumzuhängen. So hatte ich etwas zu tun, habe ein bisschen Geld verdient (ok, es hat nur für das Bahnticket gereicht) und habe es genossen draußen zu arbeiten.

Das letzte Jahr vor dem Abitur stand an. Alle wussten sie so ziemlich was sie studieren wollten und hatten große Pläne mit großen Karrieren. Und ich? Keine Ahnung. Die Zeit auf dem Hof war immer toll, aber nach spätestens zwei Wochen hat es mir dann doch erst mal gereicht. Ich war so platt und müde und habe mich gefreut einfach mal nichts zu tun. Aber trotzdem war da irgendwas in mir, das nicht studieren und mit dem Strom schwimmen wollte. Drei weitere Jahre nur sitzen und lernen?! Um Gottes Willen.

Auf ein Jahr Ausland hätte ich Lust. Aber das machen ja auch alle nach dem Abi. Trotzdem habe ich mich dazu entschieden. Aber erst nach meiner landwirtschaftlichen Lehre.

Janne Richling war früher Veganerin und ist heute leidenschaftliche Landwirtin.

Ich liebe die Vielfalt an der Landwirtschaft.

Für die habe ich mich dann nämlich doch entschieden und übrigens aus verschiedenen Gründen nicht als Vegetarier begonnen. Ich dachte mir, da ich durch mein Abitur die Lehre auf zwei Jahre verkürzen konnte, geht das doch ziemlich flott, ich habe eine Ausbildung in der Hand, kann ins Ausland und danach Geographie studieren, weil ich das in der Schule echt spannend fand.

Anfangs war das mit der Ausbildung echt anstrengend. Ich habe es geliebt, keine Frage, aber Freizeit? Fehlanzeige. Neben der Schule konnte ich noch so viel anderes machen und jetzt? Quasi nur noch Melken. Jedes zweite Wochenende musste ich ebenfalls arbeiten, also kein Shoppen mehr mit Freunden und kein Ausschlafen am Wochenende nach einer Party.

Warum man sowas freiwillig macht? Das habe ich mich manchmal schon gefragt. Mit einem Job im Büro würde ich viel mehr Geld verdienen ohne körperlich so hart arbeiten zu müssen. Aber da ist eben noch viel mehr als das Geld.

Janne Richling war früher Veganerin und ist heute leidenschaftliche Landwirtin.

Es ist ein tolles Gefühl, wenn alle an einem Strang ziehen, wie zum Beispiel bei der Ernte.

Was ich am aller meisten Liebe? Die Vielseitigkeit!! Als Landwirt bist du quasi alles. Von Maurer über Elektriker, Tierarzt, Kaufmann bis hin zum Manager. Es wird nie langweilig, jeder Tag ist anders und es gibt unglaublich viel zu lernen. Das hat mich wirklich sehr beeindruckt, was ein Betriebsleiter so alles können muss.

Allerdings muss ich ja ehrlich sagen, das Ding mit der Freizeit stört mich nach wie vor ein bisschen. Aber wenn man liebt was man tut und es unglaublichen Spaß bringt zu “arbeiten” vergisst man das alles – und das Geld sowieso. Es sind einfach die Momente die unbezahlbar sind, wenn z.B. ein gesundes Kalb das Licht der Welt erblickt, wenn die Ernte erfolgreich abläuft und alle gemeinsam an einem Strang ziehen.

Ich bin stolz mich Landwirtin nennen zu dürfen und kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen. Er hat meine Sichtweise auf viele Dinge vergeändert und dafür bin ich dankbar.

Es bringt mir Spaß Menschen davon zu berichten wie unsere hoch qualitativen Lebensmittel produziert werden und wie die Realität aussieht, quasi das was ich in den letzten Jahren selbst alles gelernt habe. Manchmal ist es erschrecken wie wenig sie wissen, aber das ist nur ein Grund mehr für mich mit der Landwirtschaft weiter zu machen.

Janne Richling war früher Veganerin und ist heute leidenschaftliche Landwirtin.

Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen.

Dies hat mich veranlasst einen Blog zu starten. Auf Exkursion Landwirtschaft berichte ich über die Höfe auf denen ich gearbeitet oder die ich besucht habe sowie über die Persönlichkeiten dahinter. Ich finde es super spannend sich mit Landwirten auszutauschen, egal wo auf der Welt, denn eins verbindet uns alle: Die Leidenschaft zur Landwirtschaft!

Was Janne im Ausland alles erlebt, findest Du hier heraus!

6 Comments

  • Jochen Voigt

    18. August 2017 at 15:16

    Hallo Janne! Vielen Dank für diesen schönen Bericht, er hat mich sehr angesprochen, weil ich 1985 auch als „Quereinsteiger“ ohne Hof-Hintergrund die Lehre als Landwirt begonnen habe. Das ist lange, lange her, und trotz aller Schwierigkeiten ist es für mich immer noch der schönste Beruf der Welt! Viel Spaß und viel Erfolg weiterhin. Grüße, Jochen

    Antworten
  • Klemens

    31. Dezember 2017 at 15:39

    Hallo Janne, ich bin selber als Quereinsteiger mit einer Lehre nach dem Abi gestartet, um dann ein Studium anzuschliessen. Das ist lange her und ich habe es nie bereut, auch wenn meine Motivation eine andere war, als bei Dir.
    Was zunehmend nervt, ist die ständige Kritik an der dt. Landwirtschaft. Damit mir um die Menschen in der Branche leid; ich kenne keine Berufsgruppe, die härter und Natur verbundenere arbeitet, als unsere Landwirte. Schon, dass Du jetzt dazu gehörst.

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    • Janne

      3. Januar 2018 at 14:37

      Hallo Klemes,
      schön, dass du auch gefallen an der Landwirtschaft gefunden hast. Es gibt einfach keinen wichtigeren Beruf 😉
      Leider hast du recht mit der Kritik und der Motivation. Das bremst unheimlich.
      In Australien habe ich eine deutsche Familie kennen gelernt die ausgewandert ist, hat hier Hab und Gut verkauft, sowie den Hof und mussten einfach weg. In Australien gibt es keine Subventionen, somit auch weniger Auflagen was der entscheidende Grund für sie gewesen ist.
      Abwarten ob sich hier etwas ändert..

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  • Thomas

    31. Dezember 2017 at 20:47

    Hallo Janne,
    Geschichten, wie Deine lese ich gern! Die sind so erfrischend anders, vielleicht, weil Menschen, wie Du sich nur selten in den „Neuen Medien“ zu Wort melden. Bashing, Diffamierungskapagnen und meist ahnungslose, dumpfe Pauschalkritik haben sich hingegen meiner Empfindung nach leider verselbstständigt.
    Dafür, daß Du diesem Trend, der scheinbar nur eine Richtung kennt, etwas entgegensetzt, gibt’s vom mir ein ganz großes Daumen hoch!
    Dein Blog-Eintrag lässt mich allerdings auch mit ein paar Fragen zurück. So wurde ich beim Lesen beispielsweise neugierig, was Dich ursprünglich zum Veganismus bewegt hat. Ein wenig im Abstrakten bleibt auch, wie sich diese Überzeugung durch Dein Leben in und mit der Landwirtschaft oder Deine internationale Erfahrung zerstreut hat. Das macht Lust auf mehr!
    Dir persönlich und auch Deinem Blog wünsche ich alles Gute und viel Erfolg!

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    • Janne

      3. Januar 2018 at 13:01

      Hallo Thomas,
      lieben Dank für dein positives Feedback. Ich finde es auch nicht gut, dass die Personen die sich für eine bestimmte Ernährungsweise entschieden haben, so strikt darauf beharren, sie wäre die einzige und idealste Weise.
      Ich habe vor einigen Jahren während der Fastenzeit einfach mal auf Fleisch verzichtet und vegetarisch gelebt. Dann kam eine Freundin auf die Idee, wir könnten doch auch mal vegan ausprobieren. Gesagt getan. Anschließend lernt man die Vielfältigkeit der Lebensmittel unglaublich zu schätzen,nachdem man sich so eingeschränkt hat.
      Für mich war es mehr ein Experiment als Überzeugung, welches ich aufgrund von Mangelerscheinungen nach einigen Wochen abbrechen musste.. Vegetarier bin ich dann aber doch noch eine ganze Zeit geblieben. Mit Beginn meiner Lehre habe ich dann wieder mit dem Fleisch essen begonnen. Zum Grillen gehört das doch irgendwie einfach dazu. 😉

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