Der härteste Job der Welt befindet sich in Indonesien. Genauer auf der Insel Java in einem Vulkan. Hofheld-Bloggerin Janne hat sich’s angesehen.

Schwefelabbau im Vulkan

Du bist der Meinung, dass Dein Job schon echt hart ist? Dann hast Du absolut keine Ahnung. Der härteste Job der Welt befindet sich in Indonesien. Genauer auf der Insel Java in einem Vulkan. Hofheld-Bloggerin Janne hat sich’s angesehen.

Janne Richling

Hofheldin Janne berichtet für Dich aus der ganzen Welt.

Hallo Hofheld,

„Schwefel und Landwirtschaft?! Schwefel kann man doch gar nicht essen, was soll das miteinander zu tun haben?“, denkst Du jetzt vielleicht. Ich will es Dir erklären.

Mein Ausflug zum härtesten Job der Welt begann um 2 Uhr morgens. Der Bus holte mich und 5 weitere abenteuerlustige Backpacker ab und wir fuhren über eine Stunde lang durch Schlaglöcher und über unbefestigte Straßen zum Parkplatz, von wo aus der Aufstieg zum Vulkan Ijen auf der Insel Java begann.

Gut gelaunt und motiviert wanderten wir im stockdunklen mit Kopflampe bewaffnet los. Wir überholten die ersten Minenarbeiter mit ihren Karren welche uns anboten uns hinauf zu ziehen. „Taxi, Taxi“, riefen sie aber wir sind ja jung und voller Elan, also liefen wir weiter.

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Beim Aufstieg auf den Vulkan Ijen überholten wir schon nach kurzer Zeit Minenarbeiter, die ihre Kärren nach oben zogen. Foto: privat

Der unbefestigte Weg wurde immer steiler, der Wind stärker und irgendwann konnte man nur noch mit Tuch vor dem Mund und zusammengekniffenen Augen den Anstieg bestreiten. Ab und zu mussten wir stehen bleiben, um nicht über die Kante gepustet zu werden und in den Abgrund zu stürzen, die Augen tränten vor Staub und es war wirklich ein Akt den Kraterrand auf 2799 m ü.N.N. zu erreichen.

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Ab und zu mussten wir stehen bleiben, um nicht über die Kante gepustet zu werden. Foto: privat

Nach einer Stunde endlich oben angekommen die erste Erleichterung. Geschafft. Hier standen ein paar Karren der Minenearbeiter, dann konnte es ja nicht mehr weit sein. Tja, falsch gedacht.

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Nach einer Stunde Aufstieg sind wir endlich oben angekommen. Foto: privat

200 m ging es nun in den Krater hinunter, einer nach dem Anderen über Steine und Geröll, die Gasmaske auf der Nase. Einen richtigen Weg gab es nicht – deswegen mussten die Karren auch oben bleiben, macht irgendwie Sinn.

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Danach ging es 200 m in den Krater hinunter. Foto: privat

Nach der nächsten Biegung sah ich es dann, die riesige Rauchwolke und das berühmte „blue fire“. Wenn sich das 240 Grad heiße Schwefelgas überhitzt und entzündet entsteht eine blaue Flamme. Genau die wollten wir im Dunklen sehen. Eine halbe Stunde dauerte der Abstieg in den Krater und dann rief unser Guide uns zu, wir können jetzt weiter hinunter, er bleibe hier und in 15 Minuten treffen wir uns hier wieder.

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Das „blue fire“ entsteht, wenn sich das 240 Grad heiße Schwefelgas überhitzt und entzündet. Foto: privat

15 Minuten im lebensfeindlichen Schwefelgas. Trotz Gasmaske verschlug es mir das Atem, wenn der Wind drehte und die giftige Gaswolke mich umhüllte und in den Augen brannte. Es stank erbärmlich nach faulen Eiern! Die Minenarbeiter haben meistens keine Gasmaske. Sie benutzen ein nasses Stofftuch welches sie sich in den Mund stecken und den Schwefel rausfiltern soll. Richtige Schutzkleidung wäre zu teuer.

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Trotz Gasmake verschlug es mir den Atem, wenn der Wind sich drehte – auch draußen! Foto: privat

Hier im Krater des Ijen befinden sich die aktivsten Solfataren (heiße Ausströmungen von Gasen). Seit 1968 wird offiziell Schwefel abgebaut. Durch Rohre leiten die Minenarbeiter die Dämpfe an eine Stelle, an der sie die kondensierten Schwefelkristalle mit Eisenstangen rausbrechen können.

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Die Minenarbeiter leiten heiße Gasauströmungen mit Rohren an eine Stelle, an der sie die kondensierten Schwefelkristalle mit Eisenstangen rausbrechen können. Foto: privat

Die Schwefelstücke werden in zwei Bambuskörbe gelegt, welche mit einer Stange verbunden sind. Etwa 60 – 70 kg werden geschultert, zum Kraterrand hinauf geschleppt, in den Karren umgeladen und zum Fuße des Vulkans gebracht, von wo aus wir gestartet sind. Die Arbeiter werden nach Gewicht bezahlt, für 60 kg bekommen sie ca. 3. Ihre Schicht geht 8 Stunden in denen zwei Auf- und Abstiege möglich sind, ihr Tagesverdienst liegt demnach bei 6€ – und ihre Lebenserwartung bei 50 Jahren.

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In den Körben schleppen die Minenarbeiter 60-70 kg Schwefel aus der Mine nach oben an den Kraterrand. Foto: privat

Doch wofür wird Schwefel nun gebraucht?

Eins vorweg: Schwefel ist nur gasförmig gesundheitsschädlich, in fester Form wird er sogar für medizinische Zwecke verwendet sowie in Seifen, Kosmetika und Salben. Desweiteren findet man Schwefel im Bauwesen, in Ziegelsteinen zum Beispiel da sie so saugfähig werden und verhindern, dass das Haus durchnässt. Schwefelsalz wird zum trocknen von Obst verwendet. Ebenso wird Schwefel für die Herstellung von Schwarzpulver und der Feuerwerkerei verwendet.

Für landwirtschaftliche Zwecke findet man Schwefel in Form von Schwefelsäure in Düngemitteln wie Ammoniumsulfat (schwefelsaures Ammonium (SSA)) und Kaliumsulfat wieder. Schwefel ist wichtig für die Pflanzen, da es in Wechselwirkung mit dem Stickstoff steht. Die Pflanze benötigt also Schwefel um Stickstoff effizienter zu verwerten. Besteht ein Mangel, verfärben sich die neuen Blätter der Pflanze wässrig hellgrün was bedeutet, dass nicht genug Chlorophyll (Blattgrün) vorhanden ist und somit die Photosynthese stark beeinträchtigt ist.

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Schwefelabbau im Vulkan Ijen auf der Insel Java. Foto: privat

Übrigens: Ammoniumsulfat finden wir auch in Lebensmitteln unter der Zusatznummer E 517 als Trägerstoff – wieder was gelernt! 😉

Schwefel ist also ein wichtiges Element in unserem Leben, aber es gibt auch andere Möglichkeiten daran zu kommen. Man findet es zum Beispiel in Verbindungen von Kohlewasserstoffquellen wie Erdöl, Erdgas und Kohle sowie als Sulfat in Gips. Bei der Entschwefelung von Erdöl und der Abtrennung von Schwefelwasserstoff aus Erdgasen fällt Schwefel als Abfallprodukt an und ist somit in großen Mengen verfügbar. Kanada, Russland und Saudi-Arabien sind die größten Exporteure. Der größte Importeur ist China.

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Der Schwefelabbau auf Java ist von großer Bedeutung für die Weiterverarbeitung und die Wirtschaft in der Region. Foto: privat

Auf der einen Seite ist der Schwefelabbau auf Java von großer Bedeutung für die Weiterverarbeitung und die Wirtschaft in der Region, jedoch ist es auch der härteste und gesundheitsgefährdendste Job der Welt. Meinen aller größten Respekt!

Bleib neugierig,

Deine Janne

Was Janne im Ausland alles erlebt, findest Du hier heraus!

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