In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Reisanbau in Indonesien

Hofheld-Bloggerin Janne hat in Indonesien herausgefunden, warum Reispflanzen die typische Bewässerung eigentlich gar nicht brauchen.

Janne Richling

Hofheldin Janne berichtet für Dich aus der ganzen Welt.

So liebe Hofhelden,

Bekanntlich wird in den asiatischen Ländern viel Reis angebaut. Ich habe Wayun in Jatiluwih auf Bali getroffen und er konnte mir die traditionelle Anbauweise erklären. Wayun selbst ist Landwirt und ist auf der elterlichen Farm aufgewachsen. Früh musste er bereits mit anfassen und helfen. Nach der Schule ist er jedoch in die Stadt gegangen, denn da ist die Perspektive auf einen Job in dem man mehr Geld verdienen kann deutlich größer.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Wayun ist Landwirt auf Bali. Foto: privat

Dadurch, dass er englisch sprechen kann (in ländlicher Region spricht normalerweise keiner englisch), wurde er gebeten in den UNESCO Weltnaturerbe Reisterrassen in Jatiluwih nebenbei zu arbeiten. Für mich kam es sehr gelegen, denn er hatte wirklich Ahnung über den Anbau.

Okay, wo fangen wir an. Am Besten mit der Aussaat.

Da die Reisterrassen ziemlich kleine Felder sind, ist es absolut nicht möglich die Arbeitsschritte durch Trecker zu mechanisieren. Es ist also Handarbeit gefragt. Vor der Saat wird der Mist der Kühe untergepflügt. Dies geschieht mit den Kühen und einem Einschaar Pflug oder dem „walk behind“, einem Einachser mit Motor und einer Art Schaufelrad.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Mit dem ‚walk behind‘ wird der Mist der Kühe untergepflügt. Foto: privat

Die durchschnittliche Größe einer Reisfarm beträgt einen Hektar. Mit den Kühen (Rasse: Banteng / Sudan-Ochse) dauert das Pflügen der Felder mehrere Tage, mit dem „walk behind“ ist ein Hektar in 4 Tagen schaffbar, so Wayun.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Auf Bali werden Sudan-Ochsen eingesetzt. Foto: privat

Die Saat wird dann in einen „Paddy“, also einen Abschnitt der Terrasse, per Hand gestreut. Nach 10 – 14 Tagen ist der Reis aufgelaufen und etwa 7 cm groß. Zeit für das ordentliche Setzen.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

10 bis 14 Tage nach der Aussat ist der Reis aufgelaufen. Foto: privat

Jede Reispflanze wird aus der Erde gezogen und auf der gesamten Anbaufläche einzeln in Reih und Glied gesetzt. Dies ist der mit Abstand größte Arbeitsaufwand und vor allem der körperlich Härteste. Kleinlaut gibt Wayun zu, dass am Ende des Tages der Rücken schon etwas steif sei. Kein Wunder…

In dieser Zeit helfen alle verfügbaren Hände und dennoch dauert es fast einen Monat bis alles fertig ist (vom Pflügen bis zur fertig gesetzten Reispflanze). Dann sind etwa zwei Monate Pause in denen viele Landwirte auf dem Bau arbeiten, um Geld dazu zu verdienen. Dann wird das Unkraut bekämpft. Manuell versteht sich.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Nach dem Auflaufen werden die Reispflanzen in Reih und Glied gesetzt. Foto: privat

Wieder in gebückter Haltung werden alle „Paddys“ abgelaufen, das Unkraut per Hand gerupft und mit den Füßen in die Erde getreten. Unkraut ist eine große Konkurrenz zum Reis, da es Nährstoffe und Platz „klaut“. Würde man das Unkraut wachsen lassen, entwickelt sich die Reispflanze nicht gut und sie bleibt kleiner als normal. Chemische Mittel zur Unkrautbekämpfung werden hier nicht verwendet. Das zweite Mal wird das Unkraut im vierten Monat beseitigt.

Auch wird im vierten Monat gedüngt. Dazu muss die Bewässerung pausieren und der chemische Dünger welcher in granulat Form in Säcken gekauft wird, wird per Hand und pi mal Daumen verteilt. Eine Woche später kann die Bewässerung erneut starten.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Der Dünger wird per Hand und pi mal Daumen verteilt. Foto: privat

Der Reis bräuchte an sich keine permanente Bewässerung, jedoch dient sie dazu das Unkraut zu „ersticken“ und gar nicht erst keimen zu lassen. Es gibt auch einen Trockenreisanbau zum Beispiel in Australien.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Die permanente Bewässerung dient dazu, Unkräuter gar nicht erst keimen zu lassen. Der Reis bräuchte das gar nicht.

Im sechsten Monat wird dann der weiße Hybrid-Reis geerntet. Mit der Sichel werden die Ähren und Blätter geschnitten und die Bündel werden gedroschen. Von einem Hektar können durchschnittlich 2t geerntet werden, zwei Mal pro Jahr.

Ein paar Eckdaten für den weisen Hybrid-Reis:

  • Kosten Saatgut: 1kg – 1000 IDR (6ct)
  • Kosten Dünger: 25kg – 200.000 IDR wovon der Staat 50% zahlt (12,6€, also 6,3€)
  • Ertrag: 2t/ha
  • Erlös: 1kg – 16.000 IDR (1€)

Roter Reis ist die traditionelle Sorte, heißt, der geerntete Reis kann wieder ausgesät werden. Das geht bei dem Hybrid-Reis nicht, da er eine Kreuzung aus zwei Typen ist. Würde man ihn erneut sähen, kämen Bastarde heraus. Die Pflanze wäre genetisch „verkrüppelt“ und der Ertrag nicht gut. In einem Hybriden werden die guten Eigenschaften beider Eltern vereint.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Die einzelnen Abschnitte der Reisterassen heißen Paddy. Foto: privat

Der rote Reis benötigt 7 Monate bis zur Ernte, es kann also nur ein Mal im Jahr geerntet werden. Allerdings benötigt der rote Reis auch keinen chemischen Dünger und der Farmer erhält pro Kilogramm Ertrag 25.000 IDR (1,6€).

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

In ebenen Gebieten sind die Flächen etwas größer. Foto: privat

Wie Du siehst, ist der Aufwand enorm und eine Möglichkeit der Mechanisierung in den Reisterrassen begrenzt. Nicht überall gibt es diese kleinen Felder am Hang. In ebenen Gebieten sind die Flächen etwas größer, aber noch lange sind die Strukturen nicht groß genug, dass sich ein Tecker lohnen würde.

In Indonesien hat sich Hofheldin Janne den Reisanbau angeschaut.

Die Möglichkeiten einer Mechanisierung der Reisterassen ist begrenzt. Foto: privat

Wie ich in Bangkok erfahren habe, hat die indonesische Regierung ein Programm laufen, in dem sie massig Trecker kaufen und an die Landwirte schenken. Allerdings werde sie ohne Schulung oder sonstigen Seminaren vermittelt. Die Landwirte nutzen die Maschine und da sie ein Geschenkt sind, kümmern sie sich nicht sehr sorgfältig um sie. Ein professioneller Einsatz schlägt also fehl.

Ob es eine komplette Fehlinvestition ist oder eine Chance für den ländlichen Raum wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Bleibt neugierig,

Eure Janne

Was Janne im Ausland alles erlebt, findest Du hier heraus!

One Comment

  • Rolf Engels

    2. November 2017 at 12:14

    Tja, was soll man dazu sagen! Wayun heißt mit ziemlicher Sicherheit Wayan. „Sudan-Ochsen“ gibt es nicht, gemeint sind die Bali-Rinder, die aus den Sunda-Rindern gezüchtet worden sind. Der „Sudan-Ochse“ (unglaublich!) auf dem Foto ist kein Ochse, sondern eine Kuh, wie man am Gehörn leicht erkennen kann. Und für den „walk-behind“ habe ich bisher nur die ironische Benennung „japanese cow“ (weil die Geräte von japanischen Herstellern stammen) oder schlicht „tractor“ gehört. „Walk behind“ gilt ja schließlich auch für jedes Gespann, wie man in Jatiluwih auf manchen Feldern noch sehen kann …
    Und wenigstens ein Satz darüber, warum diese Terrassen zum Weltkulturerbe gehören, wäre ja auch ganz nett gewesen!

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