Fräulein Deere als Lektorin

Eigentlich wollte Fräulein Deere in ihrer Kaffeepause nur ein bisschen in einem Kochbuch schmökern. Daraus wurde eine landwirtschaftliche Lehrstunde für die Herausgeber. Was lernen wir daraus? Über falsche Fakten zur Landwirtschaft muss man aufklären.

Julia Gillner alias Fräulein Deere, unsere Bloggerin!

Julia Gillner alias Fräulein Deere, unsere Bloggerin!

Hallo meine Lieben,

wie bestimmt auch einige von Euch liebe ich Fleisch in allen Variationen – so habe ich mir die Burger Bibel gekauft. Ein richtig gutes Buch mit genialen Rezepten. Wie ein kleines Kind habe ich mich dann gefreut, als das Buch ankam. Die Rezepte wurden gleich ausprobiert und meine Familie so mit Burgern versorgt.

In einer ruhigen Minute kam ich schließlich dazu, den Teil der Burger Bibel zu lesen welcher mit „Fleischkunde“ überschrieben war. Kennt Ihr das, wenn ihr was lest bzw. hört und Euch denkt „Jaaaa im Prinzip stimmt das schon, aber…“? So ging’s mir hier auch. Das Buch war, bis auf ein paar Details, echt super geschrieben, die wahrscheinlich nur fachkundigen Personen auffallen.

Burger mit Zwiebeln und Jalapenos

Dank der Burger Bibel gab’s für Fräulein Deeres Familie leckere Köstlickeiten. Foto: pixabay

Ich habe lange hin und her überlegt, ob ich dem Team schreibe. Ich wollte weder  eine kleinkarierte Meckerin sein, noch war ich mir sicher, ob ich eine Antwort erhalten würde und wenn ja wie sie wohl ausfallen würde. Doch wie soll jemand etwas ändern und verbessern können, wenn er es nicht weiß und man ihm nicht Bescheid gibt? Lange Rede, kurzer Sinn – ich hab‘ mich also hingesetzt und folgenden Brief geschrieben:

Hallo liebes Burger City Guide Team,

ich habe vor einiger Zeit Eure Burger Bibel geschenkt bekommen und bin vom Rezeptteil sehr begeistert. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Erklärteil zur Fleischkunde erst jetzt gelesen habe, da ich als Landwirtin dachte: „Das weißt du eh“. Gestern nahm ich mir aber die Zeit, ihn bei einem Kaffee zu lesen und freute mich auf die kleine Auszeit. Leider sind mir in dem Teil einige Fehler aufgefallen. Ich will jetzt nicht die Obermeckertussi sein und ich glaube auch nicht, dass ihr diese absichtlich eingebaut habt, jedoch ist es mir ein Bedürfnis, Euch auf diese aufmerksam zu machen.

Bei der Erklärung zum Eber schreibt ihr, dass Eber kaum einen Anteil auf dem Schweinefleischmarkt haben. Das stimmt. Es stimmt jedoch nicht, dass sie, falls sie doch geschlachtet werden, zwei Monate vorher kastriert werden. Ein Mäster bzw. Züchter entscheidet darüber, ob die männlichen Ferkel Eber oder Kastraten werden, nachdem sie bis spätestens sieben Tage nach der Geburt kastriert werden oder eben nicht.  Wenn Ferkel nicht kastriert werden und als Eber heranwachsen, werden diese bis zu einem Gewicht von ca. 90 kg geschlachtet, da der Ebergeruch hauptsächlich auf die Hormone Adrostenon und Skatol zurückzuführen ist. Sind diese ausgebildet hilft auch keine Kastration mehr.

Weiterhin schreibt ihr, dass das beliebteste Schweinefleisch das Fleisch von Sauen ist. Das ist ein bisschen irreführend, denn als „Sauen“ werden nicht automatisch alle weiblichen Schweine bezeichnet, sondern Zuchtsauen. Dieses Fleisch ist am Markt weder am beliebtesten, noch am meisten zu finden. Der Schweinefleischmarkt ist folgendermaßen aufgeteilt: Es gibt einen kleinen Anteil Eber- bzw. Sauenfleisch. Der Großteil stammt jedoch von Kastraten und weiblichen Schweinen.

Im Text schreibt ihr dann, dass die Intensivmast 200 Tage dauert, dass hierbei ein Schwein 0,6 m² Platz hat und, dass die Fettbildung durch die Temperatur beeinflusst wird. Die Intensivmast dauert jedoch ca. 112 Tage und gesetzlich sind 0,75 m² vorgeschrieben. Die Fettbildung ist nur zu einem kleinen Teil durch die Temperatur beeinflussbar. Den größten Einfluss haben jedoch das Futter und das Alter der Schweine. Weiter schreibt ihr, dass die Intensivmast einen Anteil von 90% an der Schweinefleischproduktion hat. Im Handel stammen jedoch 99,5% des Schweinefleisches aus konventioneller Haltung und diese wird normalerweise immer in „Intensivmast“ betrieben.

Im Schafteil schreibt ihr, dass Schafe weibliche, kastrierte Schafe sind. Unter dem Begriff „Schaf“ sind jedoch alle Tiere (egal, ob Bock, Lamm oder Aue) zusammengefasst. Weibliche Schafe nennt man je nach Region Au/e, Zibbe oder Mutterschaf. Des Weiteren werden weibliche Schafe nicht kastriert. Warum sollten sie auch? Mästet man Schafe ist das Geschlecht für die Lämmer und Jungschafmast irrelevant und für die Zucht wäre kastrieren schädlich, da das Schaf ja „fruchtbar“ sein muss.

Mein Brief soll kein Angriff sein – ich finde Euer Buch im Großen und Ganzen echt super. Meiner Meinung nach sind die fachlichen Fehler jedoch recht gravierend und sollten in einer eventuell zweiten Auflage unbedingt ausgebessert werden.

Liebe Grüße,

Julia Gillner

Ich muss zugeben, dass ich nicht wirklich daran geglaubt habe, dass ich eine Antwort bekomme. Aber keine vier Tage später habe ich eine richtig nette und gute Rückmeldung vom Burger City Guide Team bekommen. Sie werden meine „Kritikpunkte“ weitergeben und prüfen. Des Weiteren bedanken sie sich, dass ich mich gemeldet habe, da man nur mir konstruktiver Kritik etwas verbessern kann. Ich habe mich sehr gefreut und kann Euch mit ruhigem Gewissen die Burger Bibel empfehlen!

 

Liebe Grüße,

Eure Fräulein Deere

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