Ein Liefertag mit Dänu

Hofheld-Blogger Daniel alias Dänu aus der Schweiz berichtet heute vom ganz normalen Wahnsinn: ein Auslieferungstag seiner Hofprodukte.

Daniel_Hasler_Porträt

Junglandwirt Daniel Hasler aus der Schweiz bloggt regelmäßig für Hofheld.

4 Uhr, Samstagmorgen, draussen -12°C.

37 Gemüsetaschen, 15 kg Käse, 144 Eier, 133 Joghurt, 20 Brote, 20 Butterzöpfe.

Budgetierte Tageskilometer: ca. 1000.

Das sind meine ersten Gedanken, als die kuschelige Liebesgeschichte von mir und meiner warmen Bettdecke durch einen Song von Fleedwood Mac aus meinem IPhone rasant beendet wird. Gefühlte 2 Liter Kaffee später (am Morgen gebe ich Zeit nicht in Minuten, sondern in Tassen Kaffee an), rede ich mir schon wieder ein, dass ich Freitagabend gefälligst NICHT mehr bis 1 Uhr nachts ausgehen soll, wenn ein Liefertag bevorsteht.

Nun denn, ich bin ein geübter Frühaufsteher und geniesse die ersten Morgenstunden eigentlich sehr. Denn in diesem Blog dreht sich alles über meinen Tagesablauf und ich bin ziemlich überzeugt Ihr werdet euch an irgendeiner Stelle wiedererkennen. Ich habe einen Tag ausgewählt, von dem ich sicher bin, dass es viel zu erzählen gibt: Ein Auslieferungstag unserer Hofprodukte.

Als erstes fülle ich den Backofen bis obenhin mit „Pfünderli“ (500g) aus dem vorbereiteten Brotteig. Daneben füllen ich und meine Freundin die Papiertaschen bereits mit den selbstgemachten Joghurts, Eiern, Käse und halt allem, was die Leute so bestellt haben.

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Hier habe ich kurz Zeit, unsere Idee und Konzept des Onlinehofladens zu präsentieren. Mir persönlich ist es sehr wichtig, dass wir Landwirte uns sehr für einen fairen Produktpreis einsetzten. Und zwar konsequent! Deshalb habe ich mich entschieden, dieses Motto aufzunehmen und Produkte direkt zu vermarkten. Da wir aber ziemli im Caco (auf Hochdeutsch: sehr abgelegen) wohnen, kam für mich nur einen Onlinehofladen mit Auslieferung in Frage. Zudem habe ich mit dem Onlineshop ein „Ladenlokal“ für 249 Franken (etwa 230 Euro) pro Jahr, welches man aus dem ganzen Land besuchen kann. Nicht schlecht oder?

Die Kunden können bei uns keine Einzelartikel bestellen. Zum Beispiel steht nur der Baustein „Joghurt“ oder „Gemüsetasche“ zur Verfügung. Das bedeutet, der Kunde kann nur die Menge bestimmen, die Sorte bzw. den Inhalt richten wir genau nach dem jetzigen Angebot. Diese Vermarktungsweise ist ganz zugeschnitten auf die nachhaltige, landwirtschaftliche Produktion. Ich glaube kein Landwirt kann exakt 1,2 kg Schweinsfilet, 52 Broccoli oder 57,5 Liter Milch produzieren. Als Landwirt möchte ich mir diese Vermarktungsflexibiltät schaffen, um nachhaltig produzieren zu können. Dieses Bewusstsein müssen wir ganz klar beim Konsumenten wieder stärken.

Nach diesem kurzen Input und zwei Tassen Kaffee später, trifft der erste Helfer zum Ausliefern ein. Er bekommt die Route Richtung Hauptstadt Bern. Die anderen zwei Helfer fahren ins Berner Oberland oder klappern unsere lokalen Kunden ab.

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Nach circa 8 Stunden einpacken und produzieren, ist tatsächlich Mittag geworden. Jetzt geht’s bereits ums aufräumen und abwaschen. Ich bin nicht so gut im Abwaschen – ausser mit einer Abwaschmaschine der Marke Kärcher. Ich glaube aber letztere würde unserer Teigmaschine nicht gut bekommen 😉

Hier an dieser Stelle muss ich erwähnen, was für viele ausserhalb der Landwirtschaft nicht selbstverständlich ist: 8:00 gemeinsames Frühstück, 10:00 gemeinsamer Kaffee mit Lagebesprechung, 12:20 gemeinsames Mittagessen, 16:00 kurz Kaffee vor dem Beginn der Stallarbeit und dann am Abend 18:30 gemeinsames Abendessen. Ich schätze das sehr und sehe das als riesiges Privileg der Landwirtschaft.

Am Nachmittag wird schnell eine Stunde geschlafen. Ich liebe den Mittagsschlaf.

Danach werden unsere 35 Schafe gefüttert. Und da beginnt ein kleines Instant-Abenteuer: Der Schafbock hat sich den Kopf im Futtertrog eingeklemmt.

Facepalm

Nur der beherzte Einsatz der Eisensäge kann ihn befreien.

Nach dieser wolligen Rettungsaktion schulde ich euch noch eine Antwort auf die Frage, weshalb jeder der nach mir in den Schlepper steigt einen Gehörschaden bekommt.

  • Erstens: Ich habe unserem Fendt einen neuen DAB Radio mit einer neuen Pioneer Soundanlage spendiert.
  • Zweitens: Zu jeder Arbeit brauche ich immer den passenden Soundtrack. Hier ein paar Beispiele: Auf der Strasse Kings of Leon, zum Pflügen MUSE oder zum Schwaden Monster Truck. Im nächsten Blog gibt’s den Link zu meiner öffentlichen Spotify Playlist.

Habt Ihr auch eure eigene Schlepperplaylist? Schreibt ein paar Songs und Bands in die Kommentare, ich bin immer froh um neue Ideen.

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Nach diesem musikalischen Abschweifer kommen wir dem Tagesende langsam nahe. Und den Gedanken zum nächsten Blog: Warum ich mir einmal im Monat einen Vorführschlepper hole uns weshalb ich politische Arbeit, und Arbeit in Verbänden spannend und befriedigend finde.

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Dazu die passende Frage: Wie geniesst man den Abschluss eines anstrengenden Tages? Genau – Ein kühles, regional hergestelltes Bier in der warmen, schaumigen Badewanne. So geht das!

Bis zum nächsten Mal,

Dänu

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