Reiß dich zusammen

Tabuthema Depression: Warum wir endlich anfagen sollten, darüber zu sprechen, erklärt Gastbloggerin Elisabeth.

Hello darkness, my old friend.

Depression – das ist so ein Wort, bei dem man instinktiv wegschauen oder -hören möchte, wenn es einem im Alltag begegnet. Den meisten Menschen ist nicht wirklich bewusst, was diese Krankheit bedeutet und wie sehr Betroffene jeden Tag darunter leiden. Dabei bin ich mir sicher, dass jeder von uns mindestens einen kennt oder sogar selbst davon betroffen ist. Mama? Papa? Onkel? Freundin? Überlegt mal genau.

Laut der SVLFG leiden ca. 5  Millionen Menschen in Deutschland innerhalb eines Jahres an einer behandlungsbedürftigen Depression und trotzdem haben wir es hier mit einem Tabuthema zu tun.

Depression, das ist, wenn die eigenen Gedanken unterträglich werden, wenn jeder Tag gleich grau ist und man sich nur noch durch seinen Alltag schleppt. Man hofft auf den Abend, bis man sich wieder in  sein Bett verkriechen und dem Wahnsinn ein paar Stunden entfliehen kann. Wenn man erkrankt ist, dann gibt es kein Glück mehr im Leben und man kann sich über nichts mehr freuen. Bei der Depression gibt es kein einheitliches Krankheitsbild, weil die Auslöser so vielfältig sind. Manche müssen in die Klinik, andere nehmen ihr Leben lang Tabletten und wieder andere suchen einen Therapeuten auf – wenn sie sich überhaupt helfen lassen.

Allein in Deutschland nehmen sich laut WHO und DGS jedes Jahr rund 10.000 Menschen das Leben, rund 100.000 weitere versuchen es. In Deutschland sterben ungefähr genauso viele Menschen durch Suizid wie durch Verkehrsunfälle, AIDS, illegale Drogen und Gewalttaten zusammen. Wie verzweifelt muss man sein, dass man keinen anderen Ausweg mehr sieht, als sich das Leben zu nehmen?

Depression

Tabuthema Depression. Foto: pixabay

„Reiß dich zusammen“ – „Hör‘ auf zu jammern“ – „Lach doch einfach mal“, jeder der schon einmal an einer Depression erkrankt ist, kennt diese Sätze. Es ist für Außenstehende schwierig zu erkennen, ob jemand nur traurig ist oder bereits an einer Erkrankung leidet. Man selbst möchte sich das auch nicht eingestehen, weil man Angst davor hat, wie das Umfeld reagiert oder dass man vielleicht seinen Job verliert. Besonders Männern fällt es  schwer, darüber zu sprechen, da Depressionen oft mit Schwäche assoziiert werden. Auf die Dauer lässt sich die Krankheit aber nicht unterdrücken und man tut keinem einen Gefallen damit, wenn man den Helden spielt. Für Angehörige ist die Erkrankung ebenfalls eine hohe Belastung.

Als dieses Jahr der Film „Bauer unser“ in die Kinos kam, habe ich darüber für Hofheld einen Bericht geschrieben. Mich hat diese Doku tief bewegt. Es wird gezeigt, wie hart es ist, einen Beruf auszuüben,wenn man unter dem enormen Druck steht, wettbewerbsfähig sein zu müssen.

Besonders eins kann ich aus diesem Film nicht vergessen: Einen Schweinemäster, der im Film sagt, dass er eigentlich gerne Bauer ist. Doch pro Sau zahlt er mittlerweile nur noch drauf und so ist er tagtäglich mit Existenzängsten konfrontiert.

Die Landwirtschaft ist ein Berufsfeld, welches sehr stark von Depressionen betroffen ist. Angespannte Wirtschaftssituationen, das Leben im Mehrgenerationenhaushalt, keine geregelten Urlaubszeiten, hohe Verantwortung für sich und die eigene Familie – da kommt viel zusammen. Zudem arbeiten viele Landwirte, bis sie an ihre körperlichen Grenzen stoßen und ignorieren dabei alle Warnsignale.
Depressionen und andere psychische Erkrankungen sind laut der SVLFG  gerade bei Land- und Forstwirten sowie Unternehmern des Gartenbaus immer häufiger festzustellen. Sie stehen mittlerweile auf Platz zwei der Ursachenstatistik für Erwerbsminderungen.

Depression

Wenn nichts mehr geht. Foto: pixabay

Leider kenne ich Menschen, die sich das Leben genommen haben. Im Nachhinhein kommen Gedanken auf wie: Warum machen sie das? Wieso haben sie nichts gesagt? Hätte man etwas bemerken und das Ganze verhindern können? Doch diese Grübeleien führen zu nichts. Hat sich ein Mensch dazu entschieden, seinem Leben ein Ende zu setzen, kann man meist nicht mehr viel machen. Depressive können gute Schauspieler sein. Es muss im Vorfeld etwas gegen die Krankheit unternommen werden.

Lasst uns also darüber reden. Lasst uns in der Gesellschaft einen Platz für diese Krankheit schaffen. Nur so erreichen wir, dass sich Menschen helfen lassen. Wenn man merkt, dass man nicht alleine ist und verstanden wird, dann nimmt man auch Hilfe in Anspruch. Geht mit offenen Augen durch’s Leben und seht Euch Eure Mitmenschen genau an: Bei wem lacht nur noch der Mund, während der Blick vor Verzweiflung schreit?

Vergesst niemals, dass das Leben lebenswert ist. Es lohnt sich zu kämpfen, selbst wenn man glaubt, es geht nicht mehr. Wenn es Euch nicht gut geht, dann sprecht mit einer Vertrauensperson oder geht zum Hausarzt, damit dieser Euch an entsprechende Fachärzte überweist. Auch hier findet Ihr Hilfe. Niemand muss sich dafür schämen. Oder schämt Ihr Euch etwa für einen gebrochenen Arm? Eine Depression ist genauso behandlungsbedürftig. Es ist nicht schwach, Schwäche zu zeigen. Nur wirklich starke Menschen geben es zu, wenn sie nicht mehr können und lassen sich helfen. Es ist nicht schön, sich mit sich selbst konfrontieren zu müssen. Aber nur so wird das Leben wieder hell und bunt.

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