Auf der grünen Insel

Hofheld-Gastbloggerin Antonia Küter stammt von einem Ackerbaubetrieb. Bereits letztes Jahr lernte sie in Irland das Melken und den Alltag auf einer Milchviehfarm kennen. Jetzt zog es sie wieder auf die grüne Insel. Sicher bekommst Du bei den tollen Bildern auch Lust, im Ausland zu arbeiten.

Antonia Küter

Unsere Hofheld-Gastbloggerin: die Agrarstudentin Antonia Küter.

Hallo ihr Lieben,

ich möchte Euch gerne an meinen irischen Erlebnissen teilhaben lassen. Sie sollen zeigen, wie unterschiedlich Landwirtschaft sein kann, und wie wertvoll es ist, die Erfahrung zu machen, andere Wirtschaftsweisen kennenzulernen.

Im Februar des vergangenen Jahres stand ich zum ersten Mal in meinem Leben vor der Aufgabe eine Kuh zu melken. Aufgewachsen auf einem Ackerbaubetrieb, war die irische Milchviehfarm, auf der ich für vier Monate leben und arbeiten sollte, völliges Neuland für mich. Nach drei Jahren Studium sehnte ich mich nach einem Tapetenwechsel. Um gleichzeitig meine Englischkenntnisse aufzufrischen und Stallluft zu schnuppern, bewarb ich mich bei der irischen Organisation Equipeople für ein Farm-Praktikum.

Meine Gastfamilie bewirtschaftete im County Tipperarry eine ca. 150 ha große Farm. Wie fast überall in Irland, leben die Milchkühe der Rasse Holstein Friesian den Großteil des Jahres auf der Weide. Die Weideflächen sind in der Nähe der Farm, sodass die Kühe morgens und abends zum Melkstand laufen können.

Farm_weidende_Kühe

Holstein Friesian verbringen den Großteil des Jahres auf der Weide.

Nur in den regenreichen Wintermonaten bleiben die Tiere im Stall. In dieser Zeit wird ein Großteil der Kühe nicht mehr gemolken, da sie sich auf die Geburt des Kalbes vorbereiten. Die Abkalbesaison beginnt dann Mitte Januar und dauert bis Mitte April an. Die Kühe können mit steigendem Grünlandaufwuchs im Frühjahr wieder auf die Weide.

Stall_Bauweise

Die Ställe sind meist aus einfachen Blechmaterialien.

Typisch für Irland ist die einfach Bauweise der Ställe. Aufgrund der milden Temperaturen, die selbst im Winter fast immer über 0°C bleiben, genügen einfache Blechmaterialien, die vor allem vor Wind und Regen schützen.

In den ersten Monaten des Jahres hat man als Praktikant am wenigsten Freizeit. Ab Mitte Januar beginnen die Geburten. In separierten Einzelboxen können die Kühe hier in Ruhe gebären. Über eine Kamera und Bildschirme im Haus, kann man auch nachts immer ein Auge auf die Schützlinge haben.

Kälberstall

Die Kälber sind in eingestreuten Einzelboxen untergebracht.

Immer zum nächsten Melken wurden die Kälber von den Müttern getrennt. Es wurde sichergestellt, dass sie ausreichend mit dem wertvollen Kolostrum der Mutter vorsorgt wurden. Anschließend wurden sie in eingestreuten Einzelboxen untergebracht, die in einem vor Wind und Regen schützenden Stall standen. Dort sicherte die Bretterbauweise der Seitenwände eine ausreichende Frischluftzufuhr.

Kalb in EInzelbox

Können diese Augen lügen?

So kurz wie möglich, etwa drei bis fünf Tage, verbrachten die Kälber in den Einzelboxen, um dort das Trinken am Nuckeleimer zu lernen. Die Hereford, Angus und Friesian Kälber wurden mit der gepoolten, tagesfrischen Vollmilch der kürzlich abgekalbten Kühe gefüttert.

Kälber Gruppenhaltung

Nach dem Absetzen der Nuckel kommen die Kälber in Gruppenhaltung.

Hatten die Kälber das Trinken am Nuckel gelernt, wurden sie in eine Gruppenhaltung umgesetzt. Die Einzelboxen wurden im Anschluss mit dem Hochdruckreiniger gesäubert und desinfiziert. Auch die Abkalbeboxen wurden nach jeder Kuh komplett mit Hochdruck-Heißwasser gereinigt und desinfiziert.

Kälber auf Weide

Sobald wie möglich geht es nach draußen auf die Weide.

So früh wie möglich werden die Kälber an die irische, regnerische Weidehaltung gewöhnt. Mit zehn Wochen kommen Sie tagsüber auf die Weide. Die ist mit einem besonders feinmaschigen Zaun umzogen, sodass die Kälber beim ersten Weidegang die Grenze besser wahrnehmen und am Ende nicht über das ganze Farmgelände rennen.

Ein Spezialanhänger hilft beim Füttern der bis zu 40 Kälber großen Gruppe.

Allmählich werden sie dann von der Milch entwöhnt. Die Fütterung der bis zu 40 Kälber großen Gruppe erfolgt mit einem speziellen Anhänger. In dem Trichter wird beim Melken die Milch der frisch abgekalbten Kühe separiert. Über spezielle Hähne kann in die blauen Seitenbehälter Milch eingeleitet werden. Schließlich können die Kälber die Milch über die Nuckel aufnehmen.

Am schönsten war es, die Kühe morgens und abends von der Weide zu holen. Die jüngsten Kühe warteten meistens am Tor, in Vorfreude auf das Kraftfutter, das sie im Melkstand erwartete. Den Rest der Herde trieb der Hütehund zuverlässig zusammen.

Auch beim zweiten Besuch hat mich die grüne Insel wieder in ihren Bann gezogen. Besonders als Mensch, der Landwirtschaft wertschätzt, genießt man den Anblick der vielen kleinen Farmen und der Kühe und Schafe auf den grünen Weiden. Neben den wunderschönen Naturgestalten, von steil in den Ozean abfallenden Klippen, bis hin zu hohen, schroffen Geröllbergen und sanften Flüssen hat Irland viel zu bieten. Vor allem die freundlichen Iren und die leckeren Kartoffelchips, sind einen Billigflug wert.

Bis bald

Eure Antonia

Antonia_Ausblick_CliffsofMoher

Bis bald, grüne Insel!

Fotos: Antonia Küter

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