Allein uter Männern

Allein unter Männern

Agrarstudentin Anna arbeitete als einzige Frau bei einem Lohnunternehmer. Hofheld-Gastbloggerin und Antonia Küter fühlte ihr ein bisschen auf den Zahn.

Antonia Küter

Unsere Hofheld-Gastbloggerin Antonia Küter studiert Agrarwissenschaften

Hallo zusammen,

in Deutschland sind die weiblichen Arbeitskräfte in der Minderheit – das zeigt zumindest die Statistik. Laut dem Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes sind 38 % der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft, sowohl Familienarbeitskräfte als auch ständige Angestellte, weiblich.
Insgesamt stehen 634.500 männlichen Beschäftigten 386.100 weibliche Beschäftigte gegenüber. Wirklich düster sieht es mit den Frauen auf Führungspositionen aus. Nur neun Prozent der 2013 gezählten 285.000 landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland werden von Frauen geführt.
Die Gründe für diese Konstellation sind vielfältig. Die körperlich anstrengende Arbeit, familienunfreundliche Arbeitszeiten und vergleichsweise geringe Gehälter im Agrarsektor sollen hier nur beispielhaft genannt werden.

Meine Freundin, Agrarstudentin Anna E., arbeitete für mehrere Monate bei einem Lohnunternehmer in der Uckermark. Dort war sie die einzige Mitarbeiterin. Ich habe ihr hierzu ein paar Fragen gestellt.

Anna, wo hast Du bisher gearbeitet?
Ich habe auf mehreren landwirtschaftlichen Betrieben in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern gearbeitet. Die jeweiligen Mitarbeiterzahlen schwankten zwischen zehn und fünfzehn Angestellten.

Hast Du mit mehr Männern als Frauen zusammen gearbeitet?
Vor allem im Ackerbau waren meine Kollegen fast ausschließlich männlich. In der Tierhaltung hatte ich auch Kolleginnen.

Hattest Du den Eindruck, dass es männliche Praktikanten oder Auszubildende leichter hatten als Du?
Generell kann ich diesen Eindruck nicht bestätigen. Es gab zwar Situationen, in denen männliche Praktikanten schneller auf den Schlepper durften, sie mussten dann aber auch höheren Erwartungen gerecht werden.

Bei dem Lohnunternehmer in der Uckermark warst Du die einzige Schlepperfahrerin. Wurde es still, wenn Du den Pausenraum oder die Werkstatt betreten hast?
Ja, es wurde insofern still, als dass meine Kollegen einige Witze für sich behalten haben, deren Mehrwert ohnehin zweifelhaft war. Im Allgemeinen hatte meine Anwesenheit eine positive Wirkung auf das Team. So hat mein natürlicher Redebedarf die Kommunikation unter den Mitarbeitern wesentlich verbessert.

Welche Unterschiede sind Dir während der täglichen Arbeit aufgefallen?
Mir ist nur aufgefallen, dass es leider keine Unterschiede gab, zwischen den Toiletten oder Umkleiden.

Musstest Du Dir dumme Kommentare anhören, wenn Du am Steuer warst?
Nein, ganz im Gegenteil. Ich war mir der Aufmerksamkeit und dem Staunen der Kollegen und Passanten sicher, wenn ich geschickt mit der großen Maschine fuhr.

Gibt es Spielregeln, also Dinge, die man als Frau tut, und solche, die man besser lässt?
Generell sollte man in Bezug auf seine tatsächlichen Fähigkeiten immer ehrlich zu sich selbst und den Kollegen sein. Härte zeigen und sich körperlich überarbeiten, nur um den Männern etwas zu beweisen, führt im schlimmsten Fall nur zu Verletzungen und Unfällen. Es zeugt genauso von Stärke, nach Hilfe zu fragen, wenn die eigene Kompetenz nicht ausreicht.

Was ist zu tun, wenn man merkt, dass man nicht ernst genommen wird?
Das Gefühl hatte ich bisher noch nicht, habe es aber bei anderen Kolleginnen beobachtet. Hier muss man nach den Ursachen fragen: Ist mein Verhalten unangemessen oder liegt es an den überholten Vorstellungen des Kollegen?

Und dann?
In jedem Fall sollte man immer den direkten Kontakt mit dem jeweiligen Kollegen suchen. Probleme sollten klar und offen angesprochen werden.

Welche beruflichen Ziele hast du Dir gesteckt?
Auf kurz oder lang will ich in der Leitung eines Betriebes meine eigenen Ideen umsetzen. Ich freue mich dabei besonders darauf, gemeinsam mit meinen Kollegen, sowohl weiblich als auch männlich, hochwertige Agrarprodukte zu erzeugen.

Vielen Dank für Deine Zeit, liebe Anna!

Bis bald,

Eure Antonia

 

Schreibe einen Kommentar