Bei den Stadtwerken Nürtingen gibt es seit letztem Jahr den Stromtarif "Bienenstrom". Was dahintersteckt, erklärt Projektleiter Dr. Manfred Albiez.

Strom aus Blumen

Bei den Stadtwerken Nürtingen gibt es seit letztem Jahr den Stromtarif „Bienenstrom“. Was dahintersteckt, erklärt Projektleiter Dr. Manfred Albiez.

Ein Interview von Nicolette Emmerich, agrarheute

Was steckt hinter ihrem Bienenstrom?

Das ist ein Stromtarif der Stadtwerke Nürtingen, bei dem Stromkunden Blühflächen finanzieren. Anstelle von Mais baut der Blühpaten-Landwirt Wildpflanzen an, die anschließend in seiner Biogasanlage in Strom umgewandelt werden. Die Grundidee war, den Maisanbau durch den Anbau von Wildpflanzen zu ersetzen. So soll die Biodiversität gefördert werden. Das bedeutet, dass die Blühmischungen nur auf Ackerflächen ausgesät werden dürfen.

Was hat der Landwirt davon?

Die Landwirte erhalten pro Hektar Anbaufläche, die durch blühende Energiepflanzen ersetzt wird, einen festgelegten Betrag. Damit können sie die erhöhten Anbaukosten und die Ertragsminderung gegenüber dem Maisanbau auffangen. Prinzipiell finanziert sich das Projekt darüber, dass 1 Cent/kWh in den Aufbau und die Pflege der Blühflächen fließt. Da kommt schon was zusammen: Bei einem 3-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3.600 kWh entspricht das einer Fläche von 500 m2.

Wie viele Landwirte und welche Fläche haben Sie unter Vertrag?

In diesem Jahr sind es 14 Landwirte aus der Region Schwäbische Alb. Deren Blühfläche beläuft sich insgesamt auf 20 ha. Das sind pro Landwirt 0,5 bis 2,5 ha Blühfläche. Gegenüber dem Vorjahr haben wir uns damit um 6 ha erweitert und drei Landwirte dazugewonnen. Die Verträge laufen normalerweise über fünf Jahre, da der Acker danach umgebrochen werden muss. Allerdings kann der Landwirt jährlich kündigen.

Welche Blühmischungen werden eingesetzt?

Die mehrjährige Blühmischung hat das Unternehmen Saaten Zeller gemeinsam mit der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau entwickelt. Der Anspruch an die Blühmischung war, die Biodiversität zu optimieren und gleichzeitig eine möglichst hohe Biogasausbeute zu erreichen. Mit den Wildblumen sollen 50 bis 70 Prozent der Masse von Mais erzeugt werden. Das ist allerdings erst ab dem zweiten Jahr nach der Aussaat möglich. Der Gasertrag liegt bei etwa 50 Prozent im Vergleich zum Mais.

Wie zufrieden sind die Landwirte mit der Blühmischung?

Einige Landwirte, mit denen wir zusammenarbeiten, hatten bereits früher Blühmischungen ausprobiert. Dort hatte sich die Aussaat schwierig gestaltet, da die Körner heterogen und dadurch schwierig auszubringen waren. Zudem verstopfte der Häcksler bei der Ernte beispielsweise durch mehrköpfige Sonnenblumen. In der Weiterentwicklung haben wir daher sowohl die Blühmischung als auch die Mähtechnik wurden verbessert. Wir setzen inzwischen keine mehrköpfigen Sonnenblumen mehr ein und vornehmlich mehrjährige Wildpflanzen. Außerdem bekommen die Landwirte Tipps für die Aussaat.

Wie nehmen die Kunden das Produkt an?

Derzeit versorgen wir umgerechnet rund 450 Haushalte mit Bienenstrom. Das entspricht in etwa 1, 5 Mio. kWh pro Jahr.

Hatten Sie sich da nicht mehr erhofft?

Ja, schon. Allerdings sind wir ja auch erst im letzten Jahr gestartet. Durch die Auszeichnung des Projekts im Rahmen der UN-Dekade Biologische Vielfalt hat es etwas an Fahrt aufgenommen.

Das ganze Interview sowie weitere spannende Artikel zu Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung, Politik und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

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