Bewegungsbuchten im Test

Bewegungsbuchten mit zeitweiliger Fixierung der Sau gelten als bester Kompromiss zum herkömmlichen Ferkelschutzkorb. Ein Praxis­betrieb hat vor dem Umbau seines Abferkelstalls vier ­verschiedene Modelle getestet und daraus die für sich optimale Bucht konzipiert.

Originalbeitrag von Anja Menzer (Agrargenossenschaft Beyern eG) für agrarheute

Die Agrargenossenschaft Beyern im südlichen Brandenburg modernisiert zurzeit bei laufender Produktion die Abferkelabteile ihrer 750er-Sauenanlage. Der Betrieb hat sich für den Einbau von Bewegungsbuchten entschieden, um die Fixierung der ferkelführenden Sauen auf das notwendige Minimum zu begrenzen. Dazu gehören der Zeitraum rund um die Geburt und die ersten Lebenstage der Ferkel.

Nach dieser kritischen Phase (fünf bis sieben Tage), in der auch das Risiko für Ferkelverluste am höchsten ist, kann der Sau für die restliche Säugezeit Bewegung ermöglicht werden. So lassen sich die Ansprüche der Tiere (Bewegungsfreiheit der Sau, Überleben der Ferkel) und des Menschen (Arbeitswirtschaft und -sicherheit) am besten miteinander verbinden.

Vier Varianten getestet

Vor dem umfassenden Einbau der Bewegungsbuchten wurden über einen Versuchszeitraum von einem Jahr vier verschiedene Bewegungsbuchten in einem Abferkelabteil der Sauenanlage unter Praxisbedingungen getestet. Dieses Projekt wurde wissenschaftlich begleitet und im Rahmen des europäischen EIP-Förderprogramms unterstützt.

Im Fokus standen insbesondere die Saugferkelverluste. Erhoben wurden zudem ­Daten zu den Leistungen (Zunahmen, Anzahl abgesetzter Ferkel), zur Tiergerechtheit (Kondition der Sauen, körperliche Unversehrtheit) und zur Praktikabilität der Buchten (Mitarbeiterbefragung, Arbeitszeitmessungen).

Die getesteten Bewegungsbuchten. Quelle: Menzer

Die getesteten Bewegungsbuchten haben eine Grundfläche von 6,1 bis 6,7 m², unterscheiden sich aber durch ihre Konstruktion deutlich in der Größe und Form der uneingeschränkt nutzbaren Fläche für die Sau. Zwei Bauvarianten sind eher schmal konstruiert (Trapezbuchten) und erinnern in ihrem Aufbau an die herkömmlichen konventionellen Abferkelbuchten. Die Grundflächen der anderen zwei Varianten sind quadratisch:

  • Variante 1: Trapezbucht breit mit 2,9 m² Bodenfläche für jede Sau
  • Variante 2: Trapezbucht schmal mit 3,1 m² Bodenfläche für jede Sau
  • Variante 3: quadratische Bucht mit kleinerer Freilauffläche und 3,0 m² Bodenfläche für jede Sau
  • Variante 4: quadratische Bucht mit größerer Freilauffläche und 3,7 m² Bodenfläche für jede Sau.

Weniger Verluste in Trapezbuchten

Der Ferkelschutzkorb wurde in allen Bewegungsbuchten am siebten Säugetag geöffnet. Im Ergebnis wurden in den schmaleren Buchten im Vergleich zu denen mit quadratischer Grundfläche signifikant weniger Ferkelverluste beobachtet (9,5 versus 13,4 Prozent).

Das größere Platzangebot für die Sauen in den quadratischen Buchten führte also zu höheren Ferkelverlusten. Der beste Wert wurde mit 7,2 Prozent in den schmalen Trapezbuchten mit der geringsten Breite erreicht.

In den Bewegungsbuchten mit quadratischer Grundform und größerem Platzangebot für die Sauen traten die höchsten Ferkelverluste auf. Quelle: Menzer

Es hat sich gezeigt, dass das Abliegeverhalten der Sauen in den quadratischen Buchten weniger kontrolliert abläuft als in den Trapezbuchten. Bei quadratischer Aktionsfläche ließen sich die Sauen mit der Hinterhand häufig abrupt fallen, wohingegen in den Trapezbuchten durch deren schmalen Aufbau eher die Seitenteile des Ferkelschutzkorbs zum Abliegen genutzt wurden.

Die Trapezbuchten zeichnen sich im Vergleich zu den quadratischen Buchten dadurch aus, dass das Ferkelnest nahe dem Liegebereich der Sau angeordnet ist. Ein erschwerter Zugang zum Nest infolge einer ungünstigen Position in der Bucht bedingt, dass sich mehr Ferkel bei der Sau ablegen. Dadurch steigt für sie das Risiko, erdrückt oder bei einem Positionswechsel der Sau von ihr überrollt zu werden.

Die fertige Bucht

Auf der Grundlage der Leistungsdaten, der Ergebnisse zur Tiergerechtheit und der Mitarbeiterbefragungen zur Praktikabilität der Buchten wurde dann die für den Umbau geeignete Bewegungsbucht konzipiert. Ziel war es dabei auch, die Arbeitsabläufe bei der Bewirtschaftung zu vereinfachen.

Als optimale Bucht wurde letztlich eine schmale Variante gewählt. In diesen Buchten ist der Aktionsbereich der Sau hauptsächlich von den Seitenteilen des Ferkelschutzkorbs begrenzt. In Verbindung mit der schmalen Konstruktion der Buchten führt dies dazu, dass das Abliegeverhalten der Sauen optimal unterstützt wird.

Bei der Gestaltung der Sauenliegefläche hat man sich bewusst für einen Gussrost entschieden. Aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften bieten die verwendeten Gussroste mehr Standsicherheit und Temperaturkomfort für die Sauen als die im Rest der Bucht überwiegend verbauten Kunststoffroste. Gleichzeitig ist das Ferkelnest nahe der Sauenliegefläche angeordnet und nicht im Kopfbereich der Sau. So entstehen kurze Wege für die Ferkel. Sie sind schneller aus dem erdrückungsgefährlichen Aktionsbereich der Sau heraus und haben ein geringeres Risiko, zu unterkühlen.

Gut zu bewirtschaften

Aus den Erfahrungen bei der Arbeit mit den Bewegungsbuchten wurden verschiedene Punkte umgesetzt, um auch die Arbeitsabläufe zu optimieren. So sind die Futter­tröge der Sauen kippbar, damit das Reinigen schnell und sicher möglich ist. Jede Bucht ist mit einer verschließbaren Kotabwurf­öffnung ausgestattet, um das Entmisten zu erleichtern. Aufgrund des ­erhöhten Aufwands beim Reinigen der Buchten nach dem Ausstallen wurden alle Stallabteile mit einer Einweichanlage ausgestattet.

Den Mitarbeitern ist der Zugang zur Bucht auch über eine niedrige Seitenwand möglich. Beachtet wurde, dass der Verschluss der Buchtentür leichtgängig und möglichst mit einer Hand zu bedienen ist. Auch das Öffnen und Schließen beziehungsweise die Arre­tierung des Ferkelschutzkorbs kann mit wenigen Handgriffen erfolgen. Die Buchtentüren wurde hinter dem Ferkelschutzkorb angeordnet, um bei der Geburtshilfe den Gangbereich mitnutzen zu können.

Im Ergebnis des Tests wurden die Abferkelbuchten mit einer verschließbaren Kotabwurföffnung ausgerüstet, um das Entmisten zu erleichtern.  Quelle: Menzer

Fazit

Bei der Konzipierung der Bewegungsbuchten ist darauf zu achten, dass das Abliegeverhalten der Sauen durch den Buchtenaufbau optimal unterstützt wird. Das Verhältnis von Aktionsraum für die Sau und Aktionsfläche für die Ferkel (Fluchträume) sollte nicht zu weit gestaltet sein. Die Projektergebnisse zeigen ein höheres Verlustrisiko in den größer dimensionierten Bewegungsbuchten und den Buchten mit quadratischem Aufbau. Die niedrigsten Ferkelverluste wurden in schmalen trapezförmigen Buchten beobachtet.

Werden einige wesentliche Punkte bei der Buchtengestaltung berücksichtigt, erleichtert dies das Bewirtschaften der Bewegungsbuchten erheblich. Dazu zählen verschließbare Kotabwurföffnungen, die Anordnung der Buchtentüren hinter dem Ferkelschutzkorb oder ein guter Zugang zur Bucht.

Die im Projekt entwickelte Bewegungsbucht entspricht den Anforderungen an besonders tiergerechtes Bauen der in Brandenburg bestehenden einzelbetrieblichen Investitionsförderung (EBI), die die Agrargenossenschaft Beyern für den Umbau der Sauenanlage in Anspruch nimmt. Dazu zählt unter anderem eine Buchtengrundfläche von mindestens 6 m².

Fotos: Anja Menzer

Mehr Informationen zu Bewegungsbuchten sowie weitere spannende Artikel zu Technik, Pflanzenbau, Tierhaltung, Politik und Management liest du in der Augustausgabe von agrarheute.

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