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Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

„Der Betriebskauf war eine emotinale Achterbahnfahrt“

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Glücklich steht Magdalena Zelder vor dem neugeborenen Jersey-Kalb und strahlt ihren Mann an. Bald wird in der schwarzbunten Herde eine weitere Jerseykuh mitlaufen. Genauso hat sie sich das gewünscht. So langsam wird der Berlingerhof zu ihrem Hof. Der Weg dahin war eine emotionale Achterbahnfahrt. Das Ehepaar hat den Betrieb 2013 mit Haus, Herde und Hofhund gekauft.

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Magdalena und Christoph Zelder sind mit ihren Kindern auf dem Berlingerhof mittlerweile zuhause. Foto: Eberstein

Sie stammen beide vom Betrieb. Den Hof seiner Eltern hat Christophs Bruder übernommen und bei dem Betrieb von ihren Eltern war der Investitionsstau einfach zu groß, um ihn zu übernehmen. Also haben sie erstmal als Angestellte in der landwirtschaftlichen Branche gearbeitet. „8-Stunden-Job, gutes Geld, Wochenende und Firmenwagen“, zählt die Landwirtin auf. Glücklich waren sie damit allerdings nicht und begannen, einen Hof zu suchen.

Erste Hofübernahme gescheitert

Bevor sie ihr Glück auf dem Berlingerhof fanden, ging eine Betriebsübernahme aber ersmal schief. „Geplant war, dass der Betriebsleiter den Hof in Erbpacht an Magdalena und Christoph abgibt. Nach einem Jahr Probezeit haben aber alle Beteiligten gemerkt, dass Wunsch und Realität nicht zusammenpassen. „Der Landwirt konnte das mit der externen Hofnachfolge doch nicht. Außerdem hätte er weiterhin auf dem Betrieb gewohnt, was für uns nicht infrage kam. Danach war uns klar, dass wir den Betrieb sofort kaufen wollen. Eine Erbpacht kam für uns nicht mehr infrage, auch wenn das finanziell viel leichter gewesen wäre.“

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Bevor Magdalena und ihr Mann ihr Glück auf dem Betrieb in Rheinland-Pfalz gefunden haben, ist zunächst eine Betriebsübernahme gescheitert. Foto: Eberstein

Zudem war ihnen wichtig, dass der Vorbesitzer nicht auf dem Hof wohnt. Sie wollten sicherstellen, dass sie vom ersten Tag an nach ihren eigenen Vorstellungen wirtschaften können, ohne sich selbst mit dem Vorbesitzer einen außerfamiliären Generationenkonflikt zu konstruieren. „Das ist dem Abgebenden gegenüber nicht negativ gemeint. Er hat sein Leben lang sein Herzblut in den Betrieb gesteckt und dann kommen wir als Fremde, die andere Ansichten und Pläne für sein Lebenswerk haben. Hätte der Abgebende weiterhin Berührungspunkte mit dem Betrieb, würden sich unüberwindbare Mauern und Fronten aufbauen.“

Ärger um Pachtflächen

Den Betrieb im rheinland-pfälzischen Wittlich-Bombogen, der heute die von Magdalena, Christoph und ihren Kindern ist, hat das Ehepaar letztendlich durch Zufall über ein lockeres Gespräch in einer Kneipe im Februar 2013 gefunden. Am 1. Juli 2013 sind sie auf dem Berlingerhof eingezogen. Mit dem Vorbesitzer wurden sich die zwei schnell einig: sie kaufen alles, wie es ist, und er zieht mit seiner Frau vom Hof. Doch natürlich ergaben sich unerwartete Herausforderungen. „Die meisten Flächen hat der Vorbesitzer von der Stadt gepachtet. Und weil die Landwirte in der Region wussten, dass ihm der Hofnachfolger fehlt, haben sie die meisten Ausgleichsflächen auf seine Flächen gelegt.“ So haben die Existenzgründer im dritten Jahr nach dem Hofkauf 20 Prozent ihrer Flächen verloren. Das Problem haben sie gelöst, indem sie den Betrieb ihrer Eltern im Saarland gepachtet haben, wo sich nun ein Lohnunternehmer um die Feldarbeiten kümmert.

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Den Milchviehstall haben Magdalena und Christoph mit Mauerdurchbruch und Netz luftiger gestaltet. Foto: Eberstein

Eine weitere Herausforderung war, die Pachten neu zu verhandeln. Magdalena zog mit dem Vorbesitzer ihres Betriebs von Verpächter zu Verpächter. „Wir haben 74 Verpächter auf unserer Liste, das hat schon seine Zeit und auch echt viel Nerven gekostet“, blickt die Landwirtin zurück. Zusätzlich dazu hatte sie in der Phase des Betriebskaufs einen ganzen Berg Bürokratie zu bewältigen. Und die Bank musste überzeugt werden. „Der Businessplan muss dafür natürlich richtig gut sein.“ Unter anderem müsse man dabei berücksichtigen, dass man als Existenzgründer keinen Cent Förderung bekomme. „Das sind so Dinge, die man im Vorfeld nicht bedenkt und die einem auch keiner sagt.“

Das Verhältnis zu den anderen Landwirten

Als Magdalena und Christoph ihren Hof letztendlich bezogen hatten, ergaben sich neue Herausforderungen. Eine davon war das Verhältnis zu den anderen Landwirten. „Natürlich war uns bewusst, dass die Kollegen uns gegenüber erst mal skeptisch sein werden – wäre ich an ihrer Stelle ja auch gewesen.“ Doch weil sie „nicht gerade die verschlossensten Typen“ sind, sind sie offen auf ihre Kollegen zugegangen. „Als wir den alten Anbindestall umgebaut hatten, haben wir alle Landwirte und Nachbarn zum Glühwein- und Waffelabend eingeladen. Das hat uns, glaube ich, schon ein Türchen geöffnet.“

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Aus Platzmangel und aufgrund fehlender Alternativen hat das Ehepaar die Kälberiglus erstmal unter dem Carport untergebracht. Foto: Eberstein

Zudem fing das Ehepaar schon bald nach dem Kauf an, sich ehrenamtlich in der Gemeinde und für die Landwirtschaft in der Region zu engagieren. Mittlerweile pflegen Zelders zu allen Kollegen ein gutes Verhältnis. „Diese weichen Faktoren werden bei keiner Beratung berücksichtigt. Aber die entscheiden darüber, ob du es richtig schwer hast, oder ob man nach einem Jahr zur RWZ fährt und dich alle anderen freundlich begrüßen.“

Zwei Kinder, aber keine Oma

„Auch familiär gab es einige Dinge zu bewältigen“, berichtet die zweifache Mutter. „Wir haben den Hof gekauft, als wir noch kinderlos waren. Als sie noch ganz klein waren, konnten wir sie einfach in den Kinderwagen legen oder irgendwie umschnallen. Jetzt, mit drei und zwei Jahren haben sie ihren ganz eigenen Kopf und machen nicht immer ganz genau das, was wir ihnen sagen.“ Da wünscht sie sich manchmal eine Oma, die auf dem Hof lebt, so wie auf anderen Familienbetrieben. „Klar hätten wir dann andere Herausforderungen zu meistern. Doch ich müsste meine Kinder nicht zwingend bei minus 10 °C mit in den Melkstand schleppen.“ Und auch für die Beziehung ist so ein Hofkauf eine große emotionale Herausforderung. Das Ehepaar hat daher bereits während der Kaufphase einen Abend in der Woche eingeführt, an dem der Fernseher ausbleibt und die beiden darüber sprechen, was sie belastet.

Magdalena Zelder ist glücklich. So langsam wird der Hof, den sie und ihr Mann 2013 gekauft haben, zu ihrem Hof. Auf dem Weg dorthin mussten sie jedoch einige Hürden nehmen.

Egal, welche Arbeiten anstehen – Tochter Ida ist ebenso wir ihr Bruder Emil immer mit dabei. Foto: Eberstein

„Ich habe Respekt vor jedem, der in der Landwirtschaft weitermacht. Aber bei einer externen Hofübernahme sind die Steine, die einem von außen in den Weg gelegt werden, noch größer“, sagt sie. „Da braucht man einfach einen Tropfen mehr Herzblut.“ Trotzdem würde sie den Schritt zum Hofkauf wieder tun. Sie ist glücklich, mit ihrer Familie ihren Traum zu leben. „Und als wir am 1. Juli 2013 nach dem ganzen Tohuwabohu morgens aufgestanden sind, um unsere eigenen Kühe zu melken, war das ein Gefühl, das sich keiner vorstellen kann. Das werde ich mein Leben lang nicht mehr vergessen.“

Weitere Informationen zum Thema Betriebskauf findest Du auf agrarheute.com und in der Aprilausgabe von agrarheute.

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