Den elterlichen Betrieb wiederaufbauen – ja oder nein?

Jonas ist neu bei den Hofhelden und erzählt Dir heute von seinen Zukunftsplänen, seinen Bedenken über die Planungssicherheit bei Stallbauten und wie er Öffentlichkeitsarbeit betreibt.

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Azubi Jonas aus Niedersachsen.

Hallo Zusammen,

Mein Name ist Jonas, bin 18 Jahre alt und komme aus dem schönen Osnabrücker Raum. Am 01. August 2020 beginne ich mein zweites Ausbildungsjahr als Landwirt. In meiner Freizeit engagiere ich mich bei „Land schafft Verbindung“ in der Fachgruppe Öffentlichkeitsarbeit. Ich bin mit der Landwirtschaft aufgewachsen, denn Zuhause hatten wir bis 2018 einen kleinen Milchviehbetrieb mit Anbindehaltung und Weideaustrieb. 2018 entschied sich mein Opa dazu den Betrieb aufzugeben, da durch die schlechten Milchpreise und der zu dieser Zeit herrschenden Dürre der Hof nicht mehr wirtschaftlich war. Seitdem ich nun meine Ausbildung als Landwirt begonnen habe, werde ich gelegentlich gefragt, ob ich nach der Ausbildung unseren Betrieb nicht wiederaufbauen möchte.

Wie beantworte ich diese Frage?

Ich bin immer wieder zwiegespalten, was ich darauf antworten soll. Wenn ich mir unsere Betriebsdaten so anschaue, dann ist es wahrscheinlich eher Wunschdenken als realistisch einen Neustart zu wagen. Die Stallungen sind zum größten Teil ausgebaut, die Melkanlage verkauft und das Land verpachtet. Wenn ich nun den Neustart des Betriebes in Betracht ziehe, wäre es effizienter einen Boxenlaufstall für 40 Kühe zu bauen als die vorhandenen Ställe zu renovieren. Und genau das würde ich auch gerne tun. Doch wer garantiert mir, dass die Investition dann auch zukunftssicher ist? Unternehmerisches Risiko ist bei jeder Investition wie einem Stallbau vorhanden. Schlechte Milchpreise, Inflationen oder ein sich änderndes Nachfrageverhalten gehören außerdem zum Wagnis eines Stallbaus dazu. Aber wer sagt mir, dass die Haltungsvorschriften für Milchkühe in ein paar Jahren immer noch dieselben sind?

Jonas ist unsicher ob es sich lohnt, den elterlichen Betrieb aus der Verpachtung zu nehmen. Foto: Privat

Mangelnde Planungssicherheit

Wenn ich ein Wohnhaus baue, dann habe ich Bauvorschriften, an die ich mich halten muss. Das ist verständlich und macht Sinn. Bei einem Stallbau sind diese Bauvorschriften genauso vorhanden, allerdings sind diese auch an die jeweiligen Haltungsvorschriften gekoppelt. Bei neugebauten Boxenlaufställen muss beispielsweise die Boxenbreite (Achsmaß) bei freitragenden Abtrennungen mindestens 1,20 m messen. In Altbauten sind geringere Boxenbreiten (Richtwert bis 1,10 m) möglich, sofern keine hierdurch bedingten Schäden an den Tieren auftreten und sie ungestört aufstehen und abliegen können. Grade in unserer heutigen Zeit mit stehts wachsenden Anforderungen an den Tierschutz und Tierwohl ist es schwer zu wissen, ob solche Vorschriften sich nicht in einigen Jahren wieder ändern. Ein Umbau des Liegebereichs kann schnell sehr teuer werden, aber wer sagt einem, dass es nur bei den Boxen bleibt? Anforderungen an Fressgitter, Spaltenboden oder einen Freizeitbereich können sich über die Jahre ändern und bringen Kosten mit sich, die einige Betriebe zum Aufgeben zwingen. Tierschützer, NGOs und Privatleute protestieren und fordern immer mehr Tierwohl. Viele Landwirte fragen sich, ob es noch Sinn macht, überhaupt weiter zu machen und ich frage mich, ob es Sinn macht wieder anzufangen.

Nutzt Eure Plattform zur Öffentlichkeitsarbeit!

Jonas war auch bei der Mahnwache in Münster dabei und hat viele Eindrücke gesammelt. Foto: Privat

Die mangelnde Öffentlichkeitsarbeit in den letzten Jahren hat zu einer Entfremdung der Öffentlichkeit von der Landwirtschaft geführt. Ich, genauso wie viele andere Landwirte auch, fühle mich nicht verstanden und von Politik und Bevölkerung übergangen. Jedoch sind wir teilweise selbst daran schuld, dass es so gekommen ist. Die Verbraucher, dazu zählen Politiker, Tierschützer und Privatpersonen, haben schlichtweg nicht das Fachwissen, um die Zusammenhänge in der Landwirtschaft zu verstehen. Wenn in den Nachrichten über die Landwirtschaft berichtet wird, hängen diese oft mit Skandalen und Anschuldigungen zusammen. Die Medien sind oft das Mittel der Wahl, um sich eine Meinung über ein bestimmtes Thema zu bilden. Daher ist es wichtig, dass wir uns für die Öffentlichkeitsarbeit einsetzten und so das Bild der Landwirtschaft ändern. Denn der Verbraucher kann erst verstehen, dass es den Tieren nicht schlecht geht so wie wir sie halten, wenn er ein bestimmtes Fachwissen besitzt!

Wie könnt ihr euch engagieren?

Gemeinsam mit seinen Freunden verbrachte Jonas fünf Tage bei der Mahnwache in Münster, wo sie die SPD – Zentrale besetzten. Foto: Privat

Viele haben sich sicher schon gefragt, was man tun kann, um das Bild in der Landwirtschaft zu ändern. Zahlreiche engagieren sich bereits. Doch für diejenigen die noch nicht wissen was sie machen können, hier ein paar Ideen:

  • Nutzt euer Socialmedia! Eine Story bei Whatsapp oder Instagram in der ihr etwas erklärt oder zeigt ist schon genug. Viele unterschätzen ihre eigene Reichweite.
  • Engagiert euch auf Demonstrationen ¬¬- Sei es bei einer Trecker-Demo, Mahnwache oder einem Infostand. Dort lernt ihr den Verbraucher vor Ort kennen und kann auch die ein oder andere Konversation betreiben.
  • Für die Personen mit einem Betrieb: Seid offen und bietet Hofrundgänge an, zeigt dem Verbraucher direkte Einblicke in einen wirtschaftenden landwirtschaftlichen Betrieb.

Das sind ein paar Ideen, die ich so auch praktiziere. 😊

So das war es jetzt erstmal von mir! Ich hoffe Euch hat der Beitrag gefallen und den ein oder anderen auch zum Nachdenken bewegt.

Mit diesen Worten – Munter Bleiben!

Euer Jonas

 

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