Die Bürokratie ist des Landwirts täglich Brot. Und Dokumentieren lernen Landwirte schon in der Ausbildung. Brina ist im ersten Lehrjahr und erzählt Dir, was sie im Berichtsheft alles festhalten muss und was sie im ersten halben Jahr sonst noch so gelernt hat.

Täglich grüßt das Berichtsheft

Die Bürokratie ist des Landwirts täglich Brot. Und Dokumentieren lernen Landwirte schon in der Ausbildung. Brina ist im ersten Lehrjahr und erzählt Dir, was sie im Berichtsheft alles festhalten muss und was sie im ersten halben Jahr sonst noch so gelernt hat.

Brina berichtet über ihre Ausbildung und ihr Leben in der elterlichen Schäferei.

Brina berichtet über ihre Ausbildung und ihr Leben in der elterlichen Schäferei.

Hey Ho Hofhelden,

heute möchte ich euch mal ein bisschen darüber erzählen, was wir in der Ausbildung zum Landwirt außer der eigentlichen Arbeit noch alles so machen müssen. Dabei beziehe ich mich auf Hessen, weil ich schließlich aus diesem Bundesland komme und auch hier die Ausbildung mache.

Jeder kennt es, das lästige Berichtsheft. Bei uns ist es so, das wir nicht nur aufschreiben müssen, was wir so jeden Tag getrieben haben – also wieviel ha wir in einer Stunde bewirtschaftet haben oder die genaue Dokumentation, was die Tiere zu fressen bekommen haben – sondern wir müssen jede Woche auch genau aufschreiben, wie das Wetter war. Das soll dazu dienen, dass wir die Wetterentwicklung rückwirkend sehen können, denn damit müssen wir ja schließlich arbeiten. Außerdem müssen wir Arbeitspläne erstellen, Daten des Betriebes festhalten und einige Blätter zum Thema Unfallverhütung ausfüllen.

Generell ist unser Berichtsheft in zwei Bereiche unterteilt. Im Informationsteil steht beschrieben, wie ich das Berichtsheft führen muss, außerdem Informationen zu mir als Auszubildenden, meine Ausbildungsvergütung mit allen Abzügen und eine kurze Betriebsübersicht. Der zweite Teil, der Berichtsteil, ist unterteilt in:

  • Teil 1: Tages- bzw. Wochenberichte und Wochenarbeitspläne
  • Teil 2: Erfahrungsberichte, Leittexte, Arbeitvorhaben
  • Teil 3: Unfallverhütung
  • Teil 4: Überscht über den Ausbildungsbetrieb inklusive Pflanzen- und Tierproduktion

Das ganze auszufüllen und ordentlich zu führen ist schon viel Dokumentationsaufwand, aber wenn sich Auszubildener und Ausbilder Mühe geben und gut zusammenarbeiten, dann ist das eigentlich ganz gut zu schaffen.

Und die Schule?

In der Schule lernen wir dann zum Beispiel den Aufbau der Kuh oder des Schweins, Dinge die man im Ackerbau beachten muss und wie man ein Betriebsmanagement aufstellt und einen Betrieb führt. Dabei wird uns eingebläut, dass Planung alles ist, also dass man zum Beispiel für die Woche planen muss, was es alles zu tun gibt. Das sehe ich allerdings etwas skeptisch. Ja, in gewisser Weise kann man schon planen und muss das ja auch, aber mal Hand aufs Herz: in der Landwirtschaft funktioniert das mit dem Planen einfach nicht so ganz, weil immer etwas dazwischen kommt. Wenn wir Schüler das dem Lehrer dann sagen, bekommen wir oft die Antwort, das liege am Betriebsmanagement. Naja, gerade weil ich auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen bin, sehe ich manche Dinge eben etwas anders, als wir sie in der Schule beigebracht bekommen …

Aber natürlich habe ich in den letzten fünf Monaten auch schon sehr viel gelernt und da bin ich echt froh drum. Die drei für mich wichtigsten Dinge, die ich gelernt habe? Als erstes ist es mittlerweile normal für mich, auf einem großen Schlepper zu setzen und loszufahren beziehungsweise mit Situationen umzugehen, die ich früher umgangen wäre. Zum Beispiel durch enge Straßen zu fahren oder zu rangieren. Was ich auch gelernt habe, ist selbstständiger zu sein. Und zu guter Letzt habe ich gemerkt, wieviel Spaß mir das Arbeiten mit Tieren wirklich macht. Ich mochte das ja vor der Ausbildung schon, aber jetzt habe ich erst richtig gemerkt, wie sehr mir diese Arbeit liegt. Das merke ich auch ganz deutlich in der Schule, da mir der Pflanzenbau einfach ein bisschen schwerer fällt.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht und werde Euch natürlich auf dem Laufenden halten,

Eure Brina

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