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Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Außenklimastall mit möglichst wenig Emissionen

Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Originalbeitrag von Martina Hungerkamp, agrarheute.

Auf den ersten Blick steht man in einem ganz normalen Maststall, aber dann riecht man – fast nichts. Schon gar nicht, dass man von 600 Schweinen umgeben ist. Der Maststall von Norbert Wimmer aus Eberstalzell in Österreich ist kein gewöhnlicher. An den kompakten, wärmegedämmten Stall schließt sich nämlich ein Außenklimabereich an. Und dort riecht man auch sofort, was Sache ist: Hier werden Schweine gemästet.

Aber das ganze Stallsystem ist darauf ausgelegt, dass sich die Schweine wohlfühlen und möglichst geringe Emissionen erzeugen. „Vor ein paar Jahren standen wir vor der Entscheidung, wie es weitergehen soll. Wir mussten neu bauen. Ich habe mich viel mit meinem Schwager ausgetauscht, der bereits einen Außenklimastall gebaut hatte, und war mehr und mehr vom Konzept überzeugt“, sagt Norbert.

Der Stall ist kompakt und wärmegedämmt, also eher konventionell gebaut. Innen liegen 20 Schweine warm und komfortabel in einer Bucht. Jeweils 15 Buchten schließen sich rechts und links des Mittelgangs an. Auffallend sind der plan­befestigte Boden und die leicht schrägen Buchtenwände zum Mittelgang hin.
Bei näherer Betrachtung fallen die fehlenden Futtertröge auf. Gefüttert wird nämlich im Außenbereich. Dort befindet sich auch der Spaltenboden, der aber nur ein Fünftel der Gesamtfläche einnimmt. Das ist – neben der ausgeklügelten Klimaführung – der Hauptgrund dafür, dass es im Stall weniger nach Schwein und Mist riecht als im Außenbereich. Der Ammoniakgehalt in der Luft ist sehr gering.

Rieselndes Stroh

„Unsere Schweine fühlen sich wohl, erst recht dank der regelmäßigen Strohgabe“, erklärt Norbert. Dann kann man im Stall ein besonderes Spektakel erleben: Das kurz gehäckselte Stroh rieselt direkt auf die Schweine. Denen gefällt es: Sie fangen sofort an zu spielen, zu schnüffeln und zu wühlen.

Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Mehrmals die Woche freuen sich die Mastschweine über frisches, kurz gehäckseltes Stroh. Foto: Hungerkamp

Das Stroh wird in Form von Quader- oder Rundballen mit der Strohmatic vollautomatisch in den Stall eingebracht. Dazu wird es gemahlen und der Staub wird abgesaugt und rausgefiltert – ein wichtiger Schritt für das Wohlbefinden und die Gesundheit von Mensch und Tier. Das vom Staub gereinigte, klein gehäckselte Stroh gelangt anschließend über ein KG-Rohr in den Stall. Über jeder Bucht gibt es eine Öffnung mit einem Schieber. Je weiter er auf ist, desto mehr Stroh rieselt in die Bucht. „So können wir die Menge einfach pro Bucht steuern“, sagt Norbert. Im Schnitt braucht er rund 30 bis 40 g klein gehäckseltes beziehungsweise gemahlenes Stroh pro Tier und Tag.

Zum Wohlbefinden und weiterem Absenken des Ammoniakgehalts im Stall trägt auch das Lüftungssystem bei. „Wir arbeiten mit Überdrucklüftung und einem Coolpad“, erklärt der Junglandwirt. Die Luft wird komplett unter dem Stall eingezogen. Das Coolpad schaltet sich im Sommer automatisch bei Außentemperaturen ab 24 °C zu. Im Mittelgang steigt die Zuluft dann in den Stall und verteilt sich dort, bevor sie schließlich über die Buchtenwand in die Bucht fällt und an den Außenwänden wieder hoch zu den vier zentralen Abluftkaminen steigt.

Mitwachsende Buchten

Das Stallkonzept funktioniert auch so gut, weil die Mastbuchten mit den Schweinen mitwachsen. Dazu kann die schräge – und damit sehr stabile – Buchtenwand in Richtung des Arbeitsgangs gezogen werden. „So können wir den Tieren je nach Größe und Gewicht die optimale Liegefläche bieten“, sagt Norbert. Würde den Schweinen drinnen zu viel Fläche geboten, steige das Risiko der Verschmutzung.

Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Die Fläche der Mastbucht innen kann an die Größe der Schweine angepasst werden. Foto: Hungerkamp

Noch eine Sache fällt auf: Es ist nahezu schummrig im Stall. Das ist ebenfalls eine Maßnahme, den Liegebereich innen sauber zu halten. „Je dunkler, desto besser funktioniert es“, erklärt Norbert.

Draußen Füttern

Der Außenbereich ist zur Emissionsminimierung ebenfalls komplett überdacht. Auch die Ausläufe sehen größtenteils trocken und sauber aus. „Hin und wieder ist mal eine der Buchten verdreckt, vor allem bei Wetterumschwüngen, aber im Großen und Ganzen funktioniert es sehr gut“, sagt Norbert. Um die Emissionen im Stall möglichst gering zu halten, ist der Futterbereich nach draußen verlegt worden. Die Schweine fressen am Langtrog mit einem Tier-Fressplatz-Verhältnis von 1:1 zu Beginn der Mast. Zum Ende der Mast hin beträgt das Verhältnis auf dem Hof Wimmer noch 1,2:1.

Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Auch der Auslaufbereich des Stalls ist überdacht, um möglichst wenig Emissionen zu erzeugen. Die Luft wird unter dem Stall eingezogen und bei Bedarf mit einem Coolpad heruntergekühlt. Foto: Hungerkamp

An den Fressplatz schließt sich der Abkotbereich mit Dreikantrosten an. „Das würde ich heute wahrscheinlich anders machen und Kunststoffroste nutzen“, sagt Norbert. Die Dreikantroste üben punktuell zu starken Druck aus. Die Schweine betreten sie nicht so gerne.

An den Außenklimabereich schließt sich ein ebenfalls überdachter Treibe- und Bedienungsgang an, der wiederum mit einer massiven halbhohen Wand abgegrenzt ist. So ist der Stall unter Biosecurity-Aspekten sehr sicher.

Vermarktung gesichert

Schon jetzt erfüllen diese Ställe wie der von Norbert Wimmer aber alle Voraussetzungen, um beispielsweise an der Initiative Tierwohl teilzunehmen. Das ist auch gut so, denn eines sagt Norbert Wimmer aber mit voller Überzeugung: „So gut der Stall funktioniert: Ohne die passende Vermarktung wäre es nicht darstellbar. Das Stroh, die Ausbringungstechnik, die Mehrarbeit – das alles verursacht Mehrkosten verglichen mit einem konventionellen Maststall.“

Der Landwirt vermarktet über den ­regionalen Schlachtbetrieb Hütthaler. Das heißt, dass pro Kilogramm Schweinefleisch der aktuelle Marktpreis, mindestens aber 1,30 Euro gezahlt wird. Hinzu kommen Aufschläge von 40 Cent/kg für die höheren Tierwohlanforderungen und 8 Cent/kg für die Kastration unter örtlicher Betäubung durch den Tier­arzt sowie umgerechnet etwa 8 Cent/kg aus EU-Fördergeldern. „So erhalten wir immer mindestens 1,86 Euro/ kg, beim aktuellen Marktpreis aber deutlich mehr.“ Der Kontrakt läuft mindestens fünf Jahre.

Dazu müssen Kriterien für mehr Tierwohl eingehalten werden. Die Betriebe dürfen maximal 50 km von der Schlacht­stätte entfernt liegen. Hütthaler hat sogar einen extra Tierwohlschlachthof gebaut. Der Stress soll so gering wie möglich sein. Weitere Auflagen sind der Ringelschwanz, eingestreute Liegeflächen und Auslauf ins Freie.

Wie halte ich Schweine und erzeuge dabei möglichst wenig Gülle und Mist im Stall? Norbert Wimmer aus Österreich ist mit seinem Maststall der Lösung bereits sehr nahegekommen.

Norbert ist vom Außenklimastall überzeugt, aber die Vermarktung muss passen. Foto: Hungerkamp

Inzwischen nehmen rund 30 Betriebe an dem Programm teil; weitere 130 stehen auf der Warteliste. Ziel ist es, eine angemessene Wertschöpfung vom Landwirt bis zum Fleischpaket zu erreichen. Deshalb ist das Programm auch absolut transparent.

Norbert Wimmer ist froh über die Entscheidung für diese Art der Vermarktung und den Außenklimastall. Biosicherheit sei wichtig, aber man dürfe die Tiere nicht komplett abgeschottet von der Umwelt halten. Besser sei es, durch geringere Belegdichte und Umwelteinflüsse den Keimdruck zu senken beziehungsweise das Immunsystem der Tiere zu stärken. „Wir haben einen weiteren Vorteil: Selbst wenn die Technik mal versagt und es beispielsweise zu einem Lüftungsausfall kommen sollte, können die Schweine einfach rauslaufen“, betont der Mäster.

Den gesamten Beitrag sowie weitere spannenden Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt und Land und Leben findest Du in der aktuellen Ausgabe der agrarheute.

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