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Mit einem Praktikum im Ausland sammelt man Erfahrungen fürs Leben, heißt es. Doch welche eigentlich? Und was bedeutet das für das Berufsleben? Das verraten ehemalige Praktikanen in unserer Serie. Heute: Niko aus Sigmaringen.

Auslandspraktikum: Improvisationstalent aus dem Outback

Mit einem Praktikum im Ausland sammelt man Erfahrungen fürs Leben, heißt es. Doch welche eigentlich? Und was bedeutet das für das Berufsleben? Das verraten ehemalige Praktikanen in unserer Serie. Heute: Niko aus Sigmaringen.

Hofheld-Blogger Niko war 2016 in Lettland und 2017 in Australien, jeweils auf Großbetrieben. Dort hat er sich sein Improvisationstalent angeeignet sowie seine Führungsqualitäten geformt.

Obwohl ich nicht vom Hof komme, bin ich voll und ganz Landwirt. Seit ich denken kann, arbeite ich auf Betrieben in meinem Umfeld mit. Mit 16 habe ich den Führerschein gemacht und neben meinem Studium der Agrarwissenschaften sitze ich jede freie Minute auf dem Schlepper bei verschiedensten Betrieben in ganz Deutschland. Dort habe ich auch Einblicke in die Buchführung und wirke an Anbauplanungen mit.
auf den lehmigen kuppen wir die saatmenge manuell um 20 oder 40 prozent erhöht. das muss der fahrer abschätzen, in dem fal lich. bei nacht ist das doch etwas schwierig. wir machen das, weil auf diesen kuppen der boden schwerer ist und somit weniger wasser hergibt und daher zu erwarten ist, dass da weniger saat aufgeht. daher wird da gleich von vorneweg 20 prozent mehr gegeben, damit der feldaufgang übers ganze stück verteilt gelcihmäßig aufeht. das habe ich auch hier im osten gelernt, bei uns zuhause macht das niemand, schon allein deswegen, weil es die technik nicht hergibt. obwohl selbstgebaut arbeiten wir hier mit höchsten technischen standard. die moderne aussaattechnik ist sehr umweltschonend und effizient und lässt auf eine gute rapsernte 2020 hoffen.

Niko war bereits in Lettland und Australien. Foto: privat

Ich wollte aber auch Erfahrungen im Ausland sammeln, um über den Tellerrand zu blicken. 2016 war ich während der Semesterferien 9 Wochen lang in Lettland auf einem 3.000-ha-Marktfruchtbetrieb. Und 2017 war ich 8 Wochen lang auf einem Ackerbaubetrieb in Australien. Dort haben wir 25.000 ha bewirtschaftet. Unter anderem habe ich mir bei meinen Auslandsaufenthalten ein gewisses Improvisationstalent sowie die Fähigkeit zu guter Teamarbeit angeeignet. Eigenschaften, die mir bei der täglichen Arbeit nun sehr helfen. In Australien waren wir zum Beispiel 100 km von der nächsten Stadt entfernt – weit weg von Händlern, Mechanikern und Ersatzteilen. Wenn mal eine Maschine kaputtgegangen ist, mussten wir eigenständig reparieren. Da muss man sich schon was einfallen lassen, wenn man einen kaputten Hydraulikschlauch reparieren muss, ohne dass einem ein neuer Hydraulikschlauch zur Verfügung steht.
Mit einem Praktikum im Ausland sammelt man Erfahrungen fürs Leben, heißt es. Doch welche eigentlich? Und was bedeutet das für das Berufsleben? Das verraten ehemalige Praktikanen in unserer Serie. Heute: Niko aus Sigmaringen.

Im australischen Outback war die nächste Werkstatt weit weg. Foto: privat

Auch habe ich dort in einem Team von 20 jungen Leuten aus der ganzen Welt gearbeitet. Der ständige Wechsel der Arbeitspartner erfordert ein schnelles Wahrnehmen von Persönlichkeiten und eine Anpassung der eigenen Verhaltensweise, um mit den verschiedenen Charakteren gut klar zu kommen und ein positives Arbeitsumfeld aufrecht zu erhalten. Die Landwirte, bei denen ich hier in Deutschland arbeite, spiegeln mir einstimmig wieder, dass meine Auslandsaufenthalte und Praktika mich zu einem sehr selbstbewussten und informierten Mitarbeiter gemacht haben. Ich werde auf allen Betrieben als freundliches Teammitglied geschätzt und nehme des Öfteren die Rolle des Vermittlers bei kleineren Konflikten innerhalb der Mannschaft ein. Dies ermöglicht es mir in der Praxis die Kollegen zu motivieren, positive Stimmung auch in der harten Erntezeit aufrecht zu erhalten und ein gutes Arbeitsergebnis in der Gruppe zu erzielen. Eigenschaften, die mich in meinem angestrebten Job als Verwalter auf einem Großbetrieb auszeichnen werden.
Mit einem Praktikum im Ausland sammelt man Erfahrungen fürs Leben, heißt es. Doch welche eigentlich? Und was bedeutet das für das Berufsleben? Das verraten ehemalige Praktikanen in unserer Serie. Heute: Niko aus Sigmaringen.

Niko hat bei seinen Auslandspraktika gelernt, in großen Teams zusammenzuarbeiten. Foto: privat

Für die kommenden drei Jahre steht bei mir noch das Masterstudium an. Möglicherweise werde ich danach als Verwalter auf einem Großbetrieb in Mecklenburg-Vorpommern einsteigen oder in die Beratung gehen. Die Zeit bis dahin möchte ich nutzen, um noch so viel praktische Erfahrungen und Lebenseindrücke wie möglich zu sammeln. Mein nächstes Auslandspraktikum plane ich bereits. Im Frühsommer 2020 will ich nochmal für fünf Monate weg. Ein Wunschziel von mir sind die Ackerbauregionen in Kanada. Dort warten spannende ackerbauliche Verfahren, wie beispielsweise die „no-till-Verfahren“. Ich möchte mir einen Betrieb anschauen, der die Direktsaat ohne Glyphosateinsatz schafft. Denn ich bin der Meinung, dass wir auch in Zukunft solche Anbauverfahren in Deutschland einsetzen werden. Und es kann ja nur helfen, wenn ich mich damit schonmal vertraut mache.

Weitere spannende Beiträge aus den Bereichen Pflanze, Technik, Politik, Managament, Markt liest du in der Septemberausgabe von agrarheute.

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