Im zweiten Teil seines "Australien Throwback" gibt Niko Tipps rund um das Leben als Praktikant auf einer australischen Farm, zu organisatorischen Dingen vor Ort sowie zu kulinarischen Sonderlichkeiten.

Leben und Arbeiten auf einer 20.000-ha-Farm

Im zweiten Teil seines „Australien Throwback“ gibt Niko Tipps rund um das Leben als Praktikant auf einer australischen Farm,  zu organisatorischen Dingen vor Ort sowie zu kulinarischen Sonderlichkeiten.

Niko Ziegler bloggt über seine landwirtschaftliche Erfahrungen im In- und Ausland.

Niko bloggt über seine landwirtschaftliche Erfahrungen im In- und Ausland.

Hallo Hofhelden,

na, Jetlag überwunden? Immerhin kann die Flugreise nach Australien bis zu 30 Stunden dauern. Aber über den Flug, Visum und das Finden einer Farm habe ich ja im letzten Beitrag schon berichtet. Welche ersten Schritte in der neuen Umgebung wichtig sind und wie sich Leben und Arbeit auf einer 20.000 ha Farm gestalten könnt Ihr heute lesen.

Organisatorisches nach der Ankunft

Nach der ersten Nacht in Sydney haben wir uns am nächsten Morgen erstmal um das wichtigste Genussmittel der heutigen Zeit gekümmert: Zugang zum Internet. In jedem Supermarkt gibt es Shops von verschiedenen Netzanbietern. Die Zeit im Flugzeug lässt sich dank Onboard-WLAN super für die Recherche nach einem passenden Netzanbieter nutzen. Vor allem solltet Ihr die Netzabdeckungsgebiete der einzelnen Anbieter berücksichtigen. Manche Netze sind in vielen ländlichen Regionen nicht verfügbar und das kann lästig sein, wenn man sich hauptsächlich außerhalb der Städte aufhält.

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Jetlag ausschlafen und direkt mal Sydney erkunden. Foto: privat

Der letzte organisatorische Schritt, bevor es auf die Farm geht, ist das Eröffnen eines Bankkontos. Das macht Ihr am besten persönlich, Bankfilialen gibt es in den Städten genug und die Kundenberater sind sehr freundlich und kennen Eure Bedürfnisse, da sich viele „Backpacker“ in Australien aufhalten. Ist alles organisiert und Ihr seit fit für die Arbeit, dann auf in Zug/Bus/Auto und ab zur Farm! Es empfiehlt sich, bevor man die Stadt verlässt, noch kurz den Betriebsleiter anzuschreiben oder anzurufen und nach aktuellen Infos zu fragen.

Ankunft auf der Farm

Ich muss ehrlich gestehen, dass unser erster Eindruck auf der Farm nicht gerade berauschend war. Überall verrostete und alte Maschinen, nichts war aufgeräumt und es schien relativ wild einherzugehen. Nachdem wir die Chefs kennen gelernt hatten, bekamen wir einen freien Nachmittag, um uns alles anzuschauen und unseren Wohncontainer zu beziehen.

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Der erste Eindruck sollte euch nicht abschrecken. Foto: privat

Als dann abends die anderen Jungs von der Arbeit in die Küche kamen war die Freude jedoch riesig. Lauter coole Menschen, mit denen man über alles reden konnte, und auch die Chefs waren nach Feierabend sehr interessiert an unseren Geschichten und offenbarten uns, dass die neueren Maschinen natürlich separat in anderen Hallen untergebracht waren.

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Moderne Technik gab es dann doch genug. Foto: privat

Leben. Arbeiten. Entdecken.

Insgesamt waren auf der Farm ca. 20 junge Männer und Frauen beschäftigt. Jeder hatte seine typische Aufgabe. Die Jungs arbeiteten auf den Feldern oder in der Werkstatt und die Mädels waren für das leibliche Wohl sowie Wäsche und Lebensmitteleinkauf zuständig. Ein rundes System und nachdem wir uns kennengelernt hatten, wusste man immer, wen man wo finden und wer welche Fragen am besten beantworten kann.

Natürlich gibt es neben den Saisonarbeitern auch Festangestellte. Unser Vorarbeiter war ein Ire, der selbst vor einigen Jahren als Backpacker auf der Farm angefangen hatte und dann dort geblieben war. Es ist immer ratsam, offen und direkt auf solche Vorarbeiter einzugehen, und viel mit ihnen zu reden. Denn die entscheiden letztendlich dann darüber, in welcher Position ihr arbeitet. Punkten kann man immer mit freundlichem Auftreten und schneller Reaktion. Langsames Rumschlendern mögen Australier gar nicht und so sollten wir jeden noch so kurzen Fußweg immer mit einem der Autos fahren. Aber Achtung: Linksverkehr!

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Zeit ist Geld; nicht laufen, sondern fahren. Autos gab es genug auf der Farm. Foto: privat

Wir bewohnten zu dritt einen klimatisierten Container. Nicht viel Luxus, aber man ist ja eh den ganzen Tag unterwegs und die Küche wurde als gemeinsames Wohnzimmer genutzt. Da der rote Staub echt alles einsaut ist es geschickt, wenn man ein paar Slipper oder Flipflops dabei hat, die man immer vor den Wohngebäuden schnell an- und ausziehen kann.

Zum Glück hatte ich noch ein Moskitonetz eingepackt, das wir in die Tür des Containers hängen konnten. Besonders nachts, wenn der Hof beleuchtet ist, wimmelt es nur so von kleinen Mücken und Fliegen. Die stechen zwar nicht wirklich, aber im Container will man sie auch nicht haben. Packt euch also so ein Netz und Mückenspray ein, es kann sehr nützlich sein.

Tipps kurz und knapp
  • Passenden Mobilfunkanbieter für eure Region wählen
  • Mückennetz, Flipflops, Sonnencreme und UV-Schutz
  • Mit den Vorarbeitern gut stellen, und durch schnelles Denken punkten

Die gesamte erste Arbeitswoche sammelten wir Holzstücke und Steine von den riesigen Brachflächen. Eine lästige Arbeit in der Hitze, aber das Getreide war noch nicht reif und wir wollten alle arbeiten. Wichtig ist, dass Ihr einen Sonnenschutz dabei habt. Sonnencreme mit Faktor 50 und dazu noch einen Hut oder eine Kappe und eine gute Sonnenbrille, die die Augen vor UV-Strahlung und dem herumwehenden Staub schützt. Langarmige, leichte Hemden sind perfekt für solche Tage.

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Staub, Hitze und kleine Fliegen sind euer größtes Problem. Foto: privat

Wenn man einige Punkte berücksichtigt, ist das Leben auf der Farm sehr freundlich und lustig. Man sollte sich von Anfang an immer allen vorstellen und nett auftreten, denn man weiß nie, von wem man mal was brauchen kann. Versucht schnell zu erkennen, wie die Gemeinschaft funktioniert, um euch perfekt eingliedern zu können. Wichtige Termine und Infos werden Euch die anderen Erntehelfer so oder so mitteilen. Wann werden Lebensmittel eingekauft? Welches Wasser ist trinkbar? Wo muss man besonders auf Schlangen oder andere Tiere achten? Macht euch keinen Kopf über Sprachbarrieren. Wenn man überhaupt nicht die richtigen Worte findet, dann wird eben gestikuliert oder der Übersetzer genutzt.

Seltsame Delikatessen, Hulk-Water und Dosenbier

Verpflegung und Unterkunft bekamen wir vom Betrieb gestellt. Zwei thailändische Mädchen waren angestellt, um Mittag- sowie Abendessen für uns zu kochen. Das Frühstück konnten wir uns selbst zubereiten. Auch um die Wäsche kümmerten sich die Mädels.

Ab und zu traf die Küche nicht Jedermanns Geschmack. Beispielsweise die vom Chef gelobte „german sausage“ – angeblich Wiener Würstchen. Die waren leider aus Schafsfleisch hergestellt und schmeckten relativ streng. Sah man sich die Gesichter der anderen deutschen Jungs an – die sich kräftig auf ein Stückchen Heimat gefreut hatten – so musste man an diesem Abend wirklich schmunzeln, da offensichtlich nur der Seniorchef Freude an dieser Delikatesse finden konnte.

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„Hulk-Water“ erleichtert es, wenn man aufgrund der Hitze viel trinken muss. Foto: privat

Es kann sehr lästig sein am Tag 4-6 Liter Wasser trinken zu müssen. Nach einigen Tagen in der Hitze schmeckt jeder Schluck des gefilterten Regenwassers noch schlimmer … wir besorgten uns bei einem Trip in die Stadt eine Dose Waldmeistersirup, und ab dann gab’s geschmackvolles grünes „Hulk-Water“.

Den letzen Absatz für heute möchte ich der nicht vorhandenen Australischen Braukultur widmen. Wenn ihr aus Deutschland kommt, dann werdet ihr dort sehr wahrscheinlich kein wirklich gutes Bier finden. Ist auch gar nicht schlimm, denn Alkohol ist in Down-under ebenfalls sündhaft teuer. Eine Kiste Dosenbier kostet gerne mal 50-60 $… Wir haben die Sonderangebote in den Supermärkten abgewartet und meistens sonntags unsere Biervorräte aufgestockt. Aber nicht vergessen: in der Öffentlichkeit und unter 21 ist Alkoholkonsum in Australien nicht erlaubt!

Ich denke ich konnte euch nun einen guten Eindruck vom Leben und Arbeiten auf der Farm geben. In einem letzen Beitrag über die Erfahrungen in Australien werde ich bald noch ein paar lustige Geschichten aus der Erntezeit erzählen. Solltet Ihr noch Wünsche für den kommenden Beitrag haben, dann schreibt mir gerne Eure Vorschläge!

Cheers,

Euer Niko

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