Tobias ist Milchviehhalter und Ceres Award-Finalist.

Alles nach Plan

Eutergesundheit, Klauenpflege und Fütterung – Tobias Bauer legt viel Wert auf die Gesundheit seiner Kühe. Wir geben Euch einen Einblick in den Betrieb des Ceres Award-Finalisten.

Ein kurzer Blick auf die Liste zeigt: Heute sind zwei Kühe dran. Genau 50 Tage sind es noch bei ihnen bis zur Kalbung. Das ist für Tobias Bauer der optimale Zeitpunkt, um seine Kühe trockenzustellen. Dabei legt der Landwirt viel Wert auf die einzelnen Schritte von der Reinigung über die Desinfizierung bis zum Verabreichen des Präparats.
Und das kann sich sehen lassen: Bei einer jährlichen Milchleistung von 10.800 kg liegt der durchschnittliche Zellzahlgehalt bei 100.000 Zellen/ml. In Mähring in der bayerischen Oberpfalz sorgt der Landwirt und Ceres-Finalist dafür, dass seine Kühe gesund in die nächste Laktation starten.

Dem Ceres Award-Finalisten ist es wichtig, dass seine Kühe einen guten Start in die Laktation bekommen. Quelle: Jaworr

Gut vorbereitet

Nur wenige Kilometer von der tschechischen Grenze entfernt erhebt sich auf einer Anhöhe, eingebettet in weitläufigen
Feldern, der Milchviehhof von Familie Bauer. Zusammen mit seiner Frau Annike leitet Tobias Bauer einen Betrieb mit 200 Kühen.
Die Milchviehherde setzt sich aus Fleckvieh- und Holsteinkühen zusammen. Bei einigen ist es Zeit zum Trockenstellen. Dieser Vorgang ist wichtig damit sich das Drüsengewebe erholen kann, weil die dafür benötigte Körperenergie nicht für die Milchbildung gebraucht wird. Zudem kann sich der Organismus auf die nächste Laktation vorbereiten. Dafür müssen die Tiere aber ein letztes Mal im Melkkarussell gemolken werden.

Trockengestellt wird in der Oberpfalz nach einem einfachen Ablauf. „Die Zitzen werden gereinigt, desinfiziert und antibiotisch trockengestellt“, sagt der Milchviehhalter. Die Auswahl des Trockenstellpräparats erfolgt unter Berücksichtigung der im Bestand nachgewiesenen Erreger und deren Resistenzlage in Absprache mit dem Tierarzt.

Annika und Tobias Bauer

Zusammen mit seiner Frau Annika bewirtschaftet Tobias Bauer seinen Betrieb in der bayrischen Oberpfalz. Quelle: Jaworr

Das Komplettprogramm

Neben der Eutergesundheit müssen die Rinder auch gut zu Fuß sein. „Jede Kuh, die trockengestellt wird, geht noch einmal zum Klauenpfleger. Wir halten alles schriftlich fest“, sagt Tobias Bauer. Einen hydraulischen Stand besitzen sie selbst. Danach kommen die Kühe in eine separate Gruppe.

Aber nicht nur die Klauenpflege, sondern auch die Fütterung ist an die Bedürfnisse der Tiere angepasst. „Wir füttern zweiphasig. In der ersten Phase ist die Ration strukturreich, aber dafür energiearm“, sagt der Milchviehhalter. In der zweiten Phase, etwa 14 Tage vor dem Kalben, verwenden Bauers ein Ansäuerungspräperat.
„Dadurch soll eine milde Ansäuerung des Bluts erreicht werden. Der Organismus der Kuh versucht das zu kompensieren, indem er Calcium und Phosphor aus dem Skelett freisetzt“, sagt Tobias Bauer. Der Stoffwechsel werde dadurch trainiert. So ließe sich Milchfieber und Ketosen vorgebeugen. „Dafür kontrollieren wir wöchentlich den Harn-pH-Wert. Er sollte sich bei 6,5 einstellen“, sagt der Landwirt.

Gesundheit im Blick

Mit Beginn der Laktation wechseln die Kühe innerhalb des Stalls von der Trockensteher- zur Frischmelkergruppe. Hier bleiben sie zwischen 20 und 30 Tagen. Das Gesundheitsprogramm setzt sich hier fort. Die ersten 14 Tage nach dem Kalben erhalten die Kühen 150 ml Propylenglykol. „Das wird den Tieren oral verabreicht, um die Pansenfermentation und den Leberstoffwechsel zu unterstützen. Zudem messen wir bei den Tieren die ersten zehn Tagen nach dem Kalben die Körpertemperatur. Zusätzlich wird in den Tagen 7 und 14 noch der Ketonkörpergehalt überprüft“, sagt Bauer.

Futter schieben

Das Management und Arbeitsabläufe sind so angelegt, dass die Arbeitszeit nicht ins unermessliche steigt. Quelle: Jaworr

Aus alt mach neu

Über zwei automatische Selektionstore wird der Ein- und Austrieb der Frischmelker nach jedem Melkvorgang in den zwei Jahre alten Boxenlaufstall gesteuert. „Der alte Stall stammte aus den 80er-Jahren und war zu klein. Wir mussten uns entscheiden, Kühe raus oder neu bauen“, sagt Bauer. Aus diesem Grund entschied er sich für einen Neubau unweit des Hofs. „Mit der Planung haben wir bereits 2013 begonnen und zwei Jahre später dann gebaut. Im Jahr darauf sind wir in den neuen Stall gezogen“, sagt Bauer. Der neue Stall bietet viel Licht, Luft und Platz. Mit seinem Betrieb will der Landwirt zeigen, dass viele Kühe nicht gleich Massentierhaltung bedeuten. „Der Stall ist an die Bedürfnisse der Tiere angepasst“, sagt der Oberpfälzer.

Melkhaus

Für die Zukunft gut aufgestellt – der Betrieb von Tobias und Annika Bauer. Quelle: Jaworr

Große Zukunftspläne

Der Stallbau ist aber noch nicht abge­schlossen. Auf insgesamt 600 Liegeplätze wird der Stall noch erweitert. „Dort sollen die Färsen mit zwölf Monaten reinkommen. Im Moment ist die komplette Jungtieraufzucht in einem Altgebäude unten am Haus untergebracht. Da bleiben die Färsen bis zum 50. Tag vor dem Kalben. Erst danach  ziehen sie  nach oben in den Milchviehstall zu den Trockenstehern“, erläutert Tobias Bauer. Bei den Erstkalbinnen steht dann die Eutergesundheit, die Klauenpflege und die Fütterung im Fokus. Bei Familie Bauer läuft die Milchviehhaltung ganz nach Plan.

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