„Alle wollen digitale Landwirtschaft.”

Wie kann Landwirtschaft digitaler werden? Darüber diskutierten auf der Digital Farming Conference Leute außerhalb der Landwirtschaft. Landwirte selbst waren nur wenige dabei. Einer von ihnen war Oliver Martin, der für uns berichtet.

In Berlin tagte die erste „Digital Farming Conference“. Veranstalter war der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, der eher als Bitkom bekannt ist. Thema war die digitale Landwirtschaft. Ein Teilnehmer war ich, Oliver Martin, Landwirt und Geschäftsführer von FarmBlick. Ich wurde als Redner zur Podiumsdiskussion eingeladen. Was mir gleich zu Beginn der Veranstaltung aufgefallen ist: Obwohl es um die Landwirtschaft geht, waren von den 300 Gästen gerade mal neun praktizierende Landwirte. Überwiegend saßen Vertreter von Industrie und Forschung auf den Stühlen. Kann man ohne die Beteiligten über deren Zukunft sprechen?

Landwirt Oliver Martin (3. v. l.) auf der Podiumsdiskussion des Bitkom über digitale Landwirtschaft.

Landwirt Oliver Martin (3. v. l.) auf der Podiumsdiskussion des Bitkom über digitale Landwirtschaft                                                                                       Foto: www.farming-conference.de/Bitkom, Caroline Wittig.

Fuchsschwanz im Weizen erkennen

Junge Unternehmen und neue Ideen Referiert und diskutiert wurde heftig über Datenmanagement, Precision Farming, Robotik, Farmmanagement, AgTech, vernetzte Landwirtschaft und Sensorik. Ich persönlich fand vor allem die Ansätze einiger junger Unternehmen sehr spannend, die mit frischem Gedanken an Themen rangehen und bestehende Systeme infrage stellen. Ein Vertreter von John Deere zeigte, was die Zukunft der Landwirtschaft aus seiner Sicht bringen wird. Beispielsweise, dass im Pflanzenschutz nur Schadpflanzen behandelt und die Maschinen mit jeder neuen Applikation dazulernen und dadurch ständig besser werden. Was ich (und wahrscheinlich alle Landwirte im Raum) gedacht haben: „Fuchsschwanz im Weizen zu erkennen, ist schwierig.“ Dass sich diese Technologie auch für unsere Region und unsere Fruchtarten (es wurde am Beispiel Baumwolle vorgeführt) durchsetzt, kann ich mir im Moment noch nicht vorstellen.

300 Gäste und darunter nur 9 Landwirte - für eine gute Zusammenarbeit müssen Forschung, Industrie und Landwirtschaft im Gespräch bleiben.

300 Gäste und darunter nur 9 Landwirte – für eine gute Zusammenarbeit müssen Forschung, Industrie und Landwirtschaft im Gespräch bleiben.      Foto: www.farming-conference.de/Bitkom, Caroline Wittig 

In der Praxis angekommen
Konkreter und nach meiner Ansicht sehr sinnvoll war das Beispiel mit Nahinfrarotmessungen (NIR-Technik) im Güllefass. Die Nährstoffe untersuchen, während ich die Gülle ausbringe. Auch Stalleinrichter wie Big Dutchman beschäftigen sich intensiv mit der Digitalisierung, vom Tier bis zur ganze Wertschöpfungskette. Für mich neu: Branchenfremde Firmen wie Microsoft haben die Landwirtschaft für sich erkannt und versuchen über Softwarelösungen und „Big-Data-Analysen“, die Landwirtschaft digital greifbar zu machen. Auf der Konferenz wurde häufig ein rein technischer Lösungsweg diskutiert, wie Landwirte zukünftig digital arbeiten könnten.

Oliver Martin diskutierte für die Landwirte digital mit, Foto: www.farming-conference.de/Bitkom, Caroline Wittig

Oliver Martin diskutierte für die Landwirte digital mit. 
Foto: www.farming-conference.de/Bitkom, Caroline Wittig

Mein Fazit

Das sehe ich anders. Für mich steht Landwirtschaft im Einklang mit Boden und Natur. Daraus ergibt sich eine große Chance, Sensoren und Software zu nutzen und dadurch unsere Böden besser zu begreifen und gezielt zu versorgen. Die erste Digital Farming Conference war sehr gelungen. Damit auf dem Acker und im Stall der Wandel klappt, müssen Forschung und Industrie mit Landwirten im Gespräch bleiben, denn wir sind die wichtigste Schnittstelle zwischen Natur und digital.

Wie denkt Ihr über die Digitalisierung der Landwirtschaft? Schickt uns eine Mail an: pflanze-technik@agrarheute.com.

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