8 Tipps zum Hofübergabevertrag

Den Vertrag für die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs zu verfassen, ist eine echte Herausforderung. Keiner kann vorhersehen, wie sich die Vereinbarungen in Zukunft auswirken. Hier sind acht Tipps.

Originalbeitrag von Anne Dirksen, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, für das dlz agrarmagazin.

1. Mache einen individuellen Vertrag für die Hofübergabe

Steht die Hofübergabe an, muss der Notar einen Hofübergabevertrag besiegeln. Dies sollte nicht einfach ein Standardvertrag sein. Damit könnte passieren, dass Du als Junglandwirt eine zu hohe Altenteilsleistung erbringst, und auch noch voll für die Pflege Deiner Eltern aufkommen musst.

2. Vorsicht vor der „allumfänglichen Pflegeklausel“

Die Pflegeklausel im Hofübergabevertrag ist eine allumfängliche Verpflichtung zur Hege und Pflege der Altenteiler in gesunden und kranken Tagen. Diese Klausel kann die Existenz Deines Betriebs im Ernstfall sehr bedrohen. Es müssen sich weder die Altenteiler noch die Geschwister oder öffentliche Sozialträger an der Finanzierung der Pflege beteiligen, solange Du noch Betriebsvermögen oder Einkommen hast, das Du dafür verwenden kannst. Führe im Rahmen der Hofübergabe daher offene, vorbereitende Gespräche mit der gesamten Familie und denke über sinnvolle Alternativen nach.

Den Vertrag für die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs zu verfassen, ist eine echte Herausforderung. Keiner kann vorhersehen, wie sich die Vereinbarungen in Zukunft auswirken. Hier sind acht Tipps.

Sei individuell und gebe Dich bei der Hofübergabe nicht mit einem Standardvertrag zufrieden. Foto: pixabay/Ronile

3. Kannst Du persönliche Pflege für Altenteiler wirklich leisten?

Neben der finanziellen Überforderung können manche Klauseln auch zu einer möglichen psychischen und physischen Überlastung führen. Beispielsweise dann, wenn im Hofübergabevertrag steht, dass Du Dich persönlich um die Pflege der Altenteiler kümmern musst.

4.  Beziehe im Hofübergabevertrag bereits künftige Partner und Kinder mit ein!

Vorsicht bei einer Rückübertragungsklausel. Steht sie im Hofübergabevertrag kann es sein, dass der Hof zurück an Deine Eltern geht, sollten diese länger als Du leben und Deine Kinder noch nicht alt genug sein. Oder auch, wenn Du den Besitz belastest. Das erstgenannte Beispiel bedeutet, dass Dein Ehepartner und Deine Kinder komplett leer ausgehen könnten. Die Eltern des Verstorbenen erhalten mit der Rückübertragungsklausel den Hof sogar dann zurück, wenn sie selbst zu dem Zeitpunkt sehr alt sind oder unter Betreuung stehen.

Den Vertrag für die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs zu verfassen, ist eine echte Herausforderung. Keiner kann vorhersehen, wie sich die Vereinbarungen in Zukunft auswirken. Hier sind acht Tipps.

Denke beim Vertrag für die Hofübergabe auch an Deine künftige Familienplanung. Foto: pixabay/AndisBilderwerkstatt

5. Denke im Rahmen der Hofübergabe auch an Beteiligungen!

Viele landwirtschaftliche Familien haben zusätzlich zum eigenen Einzelbetrieb Beteiligungen an anderen Unternehmen oder ihren Betrieb in eine Gesellschaft mit Berufskollegen eingebracht. In diesen Verträgen fehlen oft Klauseln für den Vorsorge- oder Todesfall. Tritt dieser schlimme Fall ein und es gibt kein Testament, wird ein gerichtlich bestellter Betreuer anstelle des Unternehmers Teil in der Gesellschaft. Das ist selten im Sinne der Beteiligten.

6. So ermittelst Du, wie viel Altenteilsleistung Du Dir leisten kannst

Um herauszufinden, wie hoch die Altenteilsleistung sein muss und auch, wie viel finanzierbar ist, hilft es, wenn Du einige Monate konkret Deine privaten Ausgaben aufzeichnest und ­diese auf die Zeit nach der Hofübergabe hochrechnest. Wenn Du ermitteln willst, wie hoch der Altenteil sein darf, dass er für den Betrieb noch tragbar ist, lege nicht nur die aktuelle Gewinnsituation zugrunde, sondern betrachte mehrere Jahre. Vergesse nicht, dass Du auch Rücklagen brauchst.

Den Vertrag für die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs zu verfassen, ist eine echte Herausforderung. Keiner kann vorhersehen, wie sich die Vereinbarungen in Zukunft auswirken. Hier sind acht Tipps.

Beziehe bei der Gestaltung des Vertrags für die Hofübergabe die gesamte Familie mit ein. Foto: pixabay/422737

7. Die Höhe des Altenteils lieber nach Bedarf anpassen

Patentrezepte für die „richtige“ Altenteilshöhe gibt es leider nicht. Sie wären auch unsinnig, da jede Familie andere Ausgangsvoraussetzungen hat. Besser als automatische Anpassungsklauseln bei der Baraltenteilshöhe sind solche, die beide Seiten ändern können, wenn sich der Bedarf, beziehungsweise die Leistungsfähigkeit ändert.

8. Den Hofübergabevertrag kann man nachträglich ändern

Gerade bei so weitreichenden Verträgen wie dem Hofübergabevertrag solltest Du Dir eine fachkundige, unabhängige Zweit- oder Drittmeinung einholen. Auch nach einigen Jahren sind noch Nachbesserungen möglich – vorausgesetzt alle Beteiligten sind noch in der Lage und bereit, die Änderungen wieder zu unterzeichnen.

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Beitragsbild: dlz agrarmagazin/Kiermeir

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