Fungizigresistenz

9 Tipps gegen Fungizidresistenzen

Die Fungizidwirkung wird künftig zur Nagelprobe: weniger verfügbare Wirkstoffe, aggressive neue Unterarten von Pilzen und zunehmende Resistenz. Um diese aber zu vermeiden oder zumindest herauszögern, gibt es einige Regeln.

Damit Fungizide zuverlässig wirken, ist mittlerweile bei vielen Schadpilzen auf ein konsequentes Resistenzmanagement zu achten. Das gilt etwa für Mehltau, Septoria tritici und DTR im Weizen, Netzflecken und Ramularia in der Gerste, Krautfäule und Alternaria in Kartoffeln oder auch Cercospora in Rüben.

Unsere neun Tipps beziehen sich vor allem auf Getreide, gelten aber in grundlegenden Aussagen auch für andere Kulturen.

1. Vorbeugend handeln

Die Basis jeder Antiresistenzstrategie bilden alle acker- und pflanzenbaulichen Stellschrauben, die schon das Entstehen und Ausbreiten von Pilzerkrankungen vermeiden. Dazu gehören vielgliedrige Fruchtfolgen, die Abfuhr oder Einarbeitung von Ernterückständen und die Förderung eines raschen Abbaus in umsetzungsaktiven Böden. Bei der Aussaat gilt es, möglichst tolerante oder resistente Sorten und einen geeigneten Saattermin zu wählen.

Angesichts der aktuell immer schärferen Zulassungen im chemischen Pflanzenschutz wird das Vorbeugen immer wichtiger. Schon heute steht das Genehmigungsende der Wirkstoffe Propiconazol, Fenpropimorph, Triadimenol und Chlorthalonil fest. Mit weiteren Verlusten ist in den kommenden Jahren zu rechnen. Offen bleibt: Können mögliche neue Wirkstoffe diese Lücken ausgleichen?

Um Resistenzen vorzubeugen kann schon eine vielseitige Fruchtfolge hilfreich sein. Quelle: Pixabay

2. Nicht vorsorglich spritzen

Ohne Fungizide findet auch keine Selektion resistenter Biotypen statt, die auf natürliche Weise in einer Pilzpopulation entstehen. Jede eingesparte Behandlung verzögert damit sehr effektiv die Ausbreitung von Resistenzen. Vermeidet daher reine Vorsorgespritzungen ohne Ausgangsbefall! Sie entsprechen nicht dem integrierten Pflanzenschutz und rechnen sich meist nicht.

Im Getreide gilt: besser ein- oder zweimal gezielt behandeln, als mehrmals nur auf Verdacht. Allerdings wird dieses  Vorgehen immer schwieriger. Die Kurativ-, also die heilende Leistung der vorhandenen Wirkstoffe schwindet, etwa beim „Shifting“ der Azole gegenüber Septoria. Andere Kurativwirkstoffe gehen ganz verloren, wie sich das für erste Morpholine bei der Mehltaubekämpfung abzeichnet.

3. Bekämpfungsschwellen nutzen

Mit Bekämpfungsschwellen lässt sich die Zahl der Anwendungen auf das notwendige Maß beschränken. Im Getreide- und Zuckerrübenanbau sind sie bereits seit Jahrzehnten etabliert. Dazu müssen die eigenen Schläge regelmäßig kontrolliert und die Erreger korrekt angesprochen werden. In den meisten Fällen ist das gut möglich, notfalls mit Lupe. Bei der Entscheidung helfen zudem die amtlichen Warndienstmeldungen. Sie basieren in der Regel ebenfalls auf Bekämpfungsschwellen und liefern zusätzlich Informationen zum regionalen Befall.

Jede eingesparte Behandlung verzögert effektiv Resistenzen: also Vorsorgespritzungen ohne Ausgangsbefall vermeiden! Quelle: Pixabay

4. Infektionsnah behandeln

Meist lassen sich Schadpilze auf den Blättern nur in einem sehr frühen, nicht sichtbaren Stadium sicher bekämpfen. Den Befall auch nach dem Auftreten erster Pusteln können nur Mittel sicher stoppen, die eine sogenannte eradikative Wirkung besitzen. Mit einigen Mehltau- und guten Rostpräparaten ist dies möglich.

Für die anderen Mittel gilt: Sie müssen möglichst nah an die Infektion platziert werden. Dieser Zeitpunkt hängt vor allem vom Wetter ab. Daher können etablierte Prognosemodelle, beispielsweise von ISIP oder proPlant, bei der Terminierung hilfreich sein. Kommt die Behandlung zu spät, sinkt nicht nur die Fungizidwirkung. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass resistente Typen überleben.

5. Mittel und Menge anpassen

Wählt das geeignete Mittel in passender Aufwandmenge je nach Schadpilz, Befallsstärke, Anfälligkeit der Sorte und aktueller Witterung. Dabei sind nicht immer Regelaufwandmengen nötig. Allerdings sollte eine ausreichende Wirkung erreicht werden, denn auch Unterdosierungen selektieren resistente Biotypen heraus. Gleichzeitig werden, über die begrenzte Wirkungsdauer, noch stärker selektierende Folgebehandlungen wahrscheinlicher. Wenn dann kein konsequenter Wirkstoffwechsel möglich ist, fördert das Resistenzen massiv.

Die Menge entscheidet mit: zu viel aber auch zu wenig können Resistenzen fördern. Quelle: Pixabay

6. Wirkungsmechanismen kombinieren

Setzt in Spritzfolgen und Mischungen stets verschiedene Wirkungsmechanismen (FRAC-Code) ein. Azole, Strobilurine, SDHIs (Carb­oxamide) oder Kontaktmittel greifen die Pilze an jeweils unterschiedlichen Stellen an. Im Zusammenspiel verbessert sich die Wirkung und Resistenzen verzögern sich.

Das gelingt, wenn in der Mischung jeder Einzelpartner so dosiert ist, dass er auch alleine ausreichend gegen den Erreger wirkt. Wechselt oder mischt bei der Bekämpfung von Septoria tritici auch innerhalb der Azole und Imidazole, weil die einzelnen Wirkstoffe angepasste Septoria-Typen unterschiedlich herausselektieren.

7. Strobilurine und SDHI nie solo

Single-Site-Wirkstoffe, wie Strobilurine und SDHIs greifen den Pilz an nur einer Stelle an. Sie besitzen ein besonders hohes Resistenzrisiko, weil dem Pilz im Idealfall eine einzige Mutation genügt, um das Fungizid wirkungslos zu machen. Über die Kreuzresistenz sind zudem bei effektiven Punktmutationen alle Wirkstoffe einer Gruppe gleichermaßen betroffen. Das ist etwa bei den Strobilurinen gegen Mehltau, Septoria, Ramularia oder Schneeschimmel der Fall. Strobilurine und SDHIs sind daher nur einmal in der Saison einzusetzen, stets begleitet von einem weiteren nicht kreuzresistenten Partner, wie Azolen oder Kontaktfungiziden.

Setzt in Spritzfolgen und Mischungen stets verschiedene Wirkungsmechanismen (FRAC-Code) ein. Quelle: Pixabay

8. Multi-site-Wirkstoffe ergänzen

Multi-Site-Wirkstoffe, wie Chlorthalonil, Mancozeb und Folpet, aber auch Kupfer und Schwefel greifen die Schadpilze an mehreren, meist noch unbekannten Wirkungsorten zugleich an. Dadurch sind sie sehr gering resistenzgefährdet und teils schon seit Jahrzehnten zentraler Baustein von Antiresistenzstrategien. Zwar wirken diese preiswerten Kontaktmittel meist nur gegen wenige Schadpilze. Sie schützen aber als Zumischungspartner andere Wirkstoffe effektiv und nachhaltig vor Resistenzen. Umso schwerer wiegt daher das Ende März EU-weit beschlossene Aus von Chlorthalonil. Die Aufbrauchfristen von Amistar Opti und Zakeo Opti standen zu Redaktionsschluss noch nicht fest. In jedem Fall geht eine wesentliche Stütze bei der Bekämpfung von Septoria in Weizen, vor allem aber von Ramularia in der Gerste, verloren.

9. Ausbringungsverluste minimieren

Achtet stets auf eine optimale Spritztechnik bei möglichst günstiger Witterung. Jede Abdrift, mangelnde Verteilung, Abwaschung oder Verdunstung der Wirkstoffe führt zu Unterdosierungen im Bestand! Die können bei mangelnder Wirkung trotzdem selektieren und das Ausbreiten von Resistenzen unnötig fördern.

Weitere spannende Informationen findest Du auf agrarheute.com und in der Aprilausgabe von agrarheute.

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