Der neue BDL-Vorsitzende Jan Hägerling verrät im Interview mit Hofheld, wie er zur Landjugend gekommen ist, warum er die Wahl zum Vorsitzenden angenommen hat und welches sein Highlight der ersten 100 Tage im Amt war.

“Anpacken und Mitmachen statt meckern”

Der neue BDL-Vorsitzende Jan Hägerling verrät im Interview mit Hofheld, wie er zur Landjugend gekommen ist, warum er die Wahl zum Vorsitzenden angenommen hat und welches sein Highlight der ersten 100 Tage im Amt war.

Jan Hägerling ist seit November 2020 der Bundesvorsitzende des Bunds der Deutschen Landjugend (BDL). Er ist unter anderem zuständig für den Bereich Jugend- und Gesellschaftspolitik und ist Ansprechpartner in Sachen Digitalisierung und Landjugend im Bundestag. Wir haben ihn gefragt, welche Ziele er sich gesetzt hat und was in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit alles passiert ist.

Erstmal zu dir: Wer bist Du, was machst Du und wie bist Du zur Landjugend gekommen?

Also ich bin 24 Jahre alt, komme aus Ahnsbeck im Landkreis Celle, Niedersachen, bin gelernter Groß- und Außenhandelskaufmann und studiere aktuell im Nachbarlandkreis Uelzen BWL an der Ostfalia Hochschule in Suderburg. Ende Januar habe ich zudem ein handwerkliches Unternehmen mit einem Freund gegründet.
Zur Landjugend bin ich im alter von 16 Jahren gekommen. Mama und Papa, mein Onkel und meine Tante waren bei der Landjugend aktiv, so war mein Weg zur Landjugend kurz. Über ein Austauschprogramm der Niedersächsischen Landjugend bin ich nach England gekommen. Danach bin quasi bei der Landjugend auf Landesebende hängen geblieben, irgendwann zum Vorsitzenden in Niedersachsen geworden und jetzt eben im Bundesvorstand angekommen.

Was gefällt Dir an der Landjugend?

Das, was die Landjugend auszeichnet, ist die Mischung der Mitglieder: hier sind Jungs und Mädels aller Berufsgruppen vertreten. Hier findet man die gesamte gesellschaftliche Bandbreite der Jugend auf dem Land beziehungsweise im ländlichen Raum. Und jeder bringt sich mit seinen eigenen Talenten und Fähigkeiten mit ein, der ein oder andere eher handwerklich, andere organisatorisch. So können wir dann auch wirklich gemeinsam etwas bewirken, das finde ich so grandios an der Landjugend.

Warum engagierst Du Dich bei der Landjugend?

Unsere Gesellschaft lebt vom Mitmachen und Mitentscheiden. Wenn ich irgendetwas gestalten möchte, etwas verändern möchte, dann muss ich mich aktiv einbringen und darf nicht mit dem Finger auf andere zeigen. Ich finde, man darf nicht immer nur gucken, was man nehmen kann, sondern muss auch selbst etwas zurückgeben. Was kann ich aktiv dazu beitragen: zum Gemeinwohl, zum Vereinsleben, zum gesellschaftlichen Zusammenhalt? Nach dem Motto Anpacken und Mitmachen statt meckern. So habe ich das gelernt.

Die Einstellung kommt bei deinen Wählern offenbar gut an …

Ich war mit dem Landesvorsitz in Niedersachsen glücklich und zufrieden und ich hatte mich noch gar nicht mit dem Gedanken befasst, ob ich Bundesvorsitzender werden will. Und dann wurde ich eben vorgeschlagen. Ich finde es wichtig, dass man sich so einbringt, wie man es kann, und dass man auch mal über sich hinauswächst. Die Landjugendlichen vertrauen mir offenbar, dass ich unsere Werte und Vorstellungen bündeln und weitertragen kann. Das freut mich und diesem Vertrauen möchte ich gerecht werden. Das war dann auch der ausschlaggebende Punkt, warum ich die Wahl zum Bundesvorsitzenden angenommen habe. Klar, man muss es schon selber wollen, aber man muss eben auch getragen werden.

Was ist in den ersten 100 Tagen Deiner Amtszeit passiert?

Naja, Corona natürlich, aber trotzdem war es bisher eine sehr spannende Zeit. Alles, was normalerweise in Präsenz stattgefunden hätte, fand zum ersten Mal online statt. Ich wurde an einem Samstag gewählt und gleich am Dienstag war ich zum Beispiel virtuell bei der Präsidiumssitzung des Deutschen Bauernverbands mit dabei. Es ist schon komisch, die Leute, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, auf einmal via Laptop im eigenen Wohnzimmer zu haben. Ja und dann war da ja noch unser Jugendforum. Außerdem darf ich den BDL in der Deutschen UNESCO-Kommission vertreten.

Welches war Dein Highlight bisher?

Das war mein Auftritt im Fernsehen bei “Hallo Niedersachsen”. Lustig ist – und das macht es für mich besonders -, dass wir an einem Montag nach meiner Wahl eine Live-Vorstellung von mir bei Instagram veranstaltet hatten und ich gefragt wurde, in welcher Fernsehsendung ich doch gern einmal sitzen möchte. Am nächsten Morgen klingelte mein Telefon und der NDR war am Telefon. Das war total kurios. Ich kann noch gar nicht richtig greifen, dass ich jetzt Bundesvorsitzender bin, weil sich ja das meiste momentan virtuell abspielt.

Was möchtest Du als Bundesvorsitzender der Landjugend erreichen?

Ich möchte für die jungen Menschen im ländlichen Raum eine Stimme sein und aktiv einfordern, dass wir unseren Lebensraum weiterhin attraktiv gestalten können und entsprechende Rahmenbedingungen schaffen, die uns Zukunftsperspektiven erlauben. Ich will Brücken schlagen zwischen Stadt und Land. Ich will mit Abgeordneten ins Gespräch kommen und dort nicht nur über Sorgen und Nöte sprechen, sondern auch die tollen und positiven Erlebnisse, die wir auf dem Land erleben dürfen, weitertragen.

Welche Themen beschäftigen Dich besonders?

Es heißt ja immer so schön, dass man kein Netz bis zur letzten Milchkanne braucht. Das zeigt mir, dass der städtische Raum am Anfang der Digitalisierung steht. Ich will erreichen, dass man andersherum anfängt, zu denken und dass der ländliche Raum eben nicht der letzte Bereich ist, der in Sachen Digitalisierung berücksichtigt wird. Und ich glaube, dass wir mit Dorothee Bär auch eine starke Staatsministerin an unserer Seite haben.
Außerdem liegt mir das Thema Wohnraumförderung sehr am Herzen. Meiner Erfahrung nach ziehen viele junge Leute deshalb in die Stadt, weil es auf dem Land keinen passenden Wohnraum für Singles, Studenten und Co. gibt. Die suchen einfach keine Doppelhaushälften mit 140 m² Wohnraum und Garten. Stattdessen stehen überall Scheunenböden leer, die man zu tollen Apartments ausbauen kann. Im Hinblick auf Gemeinderäte oder die freiwilligen Feuerwehren ist es einfach wichtig, junge Menschen im ländlichen Raum zu halten.
Darüber hinaus wären da noch der internationale Jugendaustausch, die Stärkung der Demokratie, Extremismusprävention, Kompromissbereitschaft und Medienkompetenz – damit nicht immer alle alles glauben, was im Internet steht. Ich habe also einen schönen, bunten Blumenstrauß an Themen.

Was wird Dich die nächsten 100 Tage besonders beschäftigen?

Mit Bundestags- und Kommunalwahl steht ja quasi ein Superwahljahr an. Da gilt es, junge Kandidatinnen und Kandidaten zu motivieren. Außerdem geht es an die Programmplanung der zweiten Jahreshälfte. Ich hoffe ja, dass wir bald endlich wieder Leute persönlich treffen können. Das mit den Videokonferenzen im Wohnzimmer ist zwar praktisch, aber sich persönlich austauschen zu können ist dann schon nochmal etwas ganz anderes.

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Beitragsbild: Carina Gräschke

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